Solarenergie und Digitalisierung: 10 Anforderungen an die Politik

Von Detlef Beister (Gastbeitrag) am 6. Juli 2017 in der Kategorie Energiewende mit 1 Kommentar
Solarpowereurope-digitalisation

Die europäische Branchenvereinigung SolarPower Europe hat kürzlich „10 Regulatorische Anforderungen für die Digitalisierung der Solarstromerzeugung“ veröffentlicht. Damit soll sichergestellt werden, dass politische Entscheidungsträger den Übergang zu einem vollständig digitalisierten Solarangebot unterstützen. 

 

Das fordert SolarPower Europe von der Politik:

 

1. Abbau von Barrieren im Peer-to-Peer-Stromhandel, wie zum Beispiel (aber nicht ausschließlich) in Bezug auf Versorgungslizenzanforderungen, Verträge zwischen Teilnehmern (Peers), Netzgebühren und bestehende und zukünftige Systeme für Stromversorgung und entsprechende Rechnungsstellung.

2. Sicherstellen, dass neue Verordnungen neue Technologien und Geschäftsmodelle für den Stromhandel und Rechnungslegung nicht ausschließen, zum Beispiel Blockchain und Kryptowährungen, die Anreize für Photovoltaik schaffen und Prosumern die Teilnahme an den Energiemärkten ermöglichen.

3. Förderung von Regelungen, die es Aggregatoren erlauben, auf allen Strommärkten mit herkömmlichen Erzeugern zu konkurrieren und auf diesen Märkten Dienstleistungen mittels neuer oder anderer digitaler Technologien anzubieten, zum Beispiel virtuelle Kraftwerke. Aggregatoren sollte es gestattet werden, Ressourcen aller Spannungsebenen zu kombinieren und für die Anlagengröße geeignete Messeinrichtungen zu nutzen.

4. Einsatz von Digitalisierung, um Flexibilitätsmärkte mit stärker automatisierten Werkzeugen und standardisierten Produkten zu entwickeln, sowie Implementierung standardisierter Anforderungen für das Anbieten von Systemdienstleistungen sowohl „Behind the Meter“ als auch auf der Verteilungs- und Übertragungsebene. Reformierung von Intraday- und Spotmärkten, damit Solargroßanlagen und Solaranlagen mit Speicher Ausgleichsverantwortung übernehmen können.

5. Schnellere Bereitstellung der Smart-Grid-Technologie, sodass mehr Solarenergie in das System integriert werden kann und sowohl Energieversorgungsunternehmen als auch kleine Solarstromerzeuger Netzdienstleistungen anbieten können. In diesem Zusammenhang Reformierung der Anreize für Netzbetreiber, um den Einsatz von Smart-Grid-Technologien als Alternative zum Ausbau von Kabeln und Transformatoren zu fördern. Außerdem Bereitstellung von mehr finanziellen Mitteln für Smart-Grid- und Smart-Market-Integrationsprojekte, z. B im Rahmen des Finanzierungsinstruments Connecting Europe Facility.

6. Belohnung von Geschwindigkeit und Genauigkeit,die verteilte Energieressourcen wie Solarenergie und -speicher im Hinblick auf Dienstleistungen zu Netzstützung bieten können.

7. Beschleunigung des Einsatzes von Smart Metering, Echtzeit-Verbrauchsmessung und Netzeinspeisung, da Smart Metering ein Katalysator für neue Geschäftsmodelle im Solargeschäft ist. Sicherstellung, dass Verbraucher Zugang zu ihren Smart-Meter-Daten haben, und Gewährleistung, dass neue und bestehende innovative Lösungen und Prosumer im Solarbereich beim Roll-Out von Smart Metern nicht benachteiligt werden. Vermeidung von zusätzlichen Abgaben für Smart-Meter-Kunden sowie der Verpflichtung zu einem einzigen Gateway für alle ein- und ausgehenden Energiedaten eines Gebäudes. Sicherstellung, dass selbst verbrauchter Strom keinen Steuern, Gebühren oder Abgaben unterliegt.

8. Gewährleistung, dass Vorschläge im Rahmen des Pakets zur Neugestaltung des Marktes in Bezug auf Zähler- und Verbrauchsdaten, die zwischen Verteilnetzbetreibern, Übertragungsnetzbetreibern, Kunden, Lieferanten, Aggregatoren und Energiedienstleistern ausgetauscht werden müssen, beibehalten werden. Gewährleistung, dass moderne und aktuelle Datenschutz- und Internetsicherheitsstandards umgesetzt werden.

9. Beibehaltung der Bestimmungen in der vorgeschlagenen Überarbeitung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden bezüglich eines „Intelligenzindikators“ für Haushalte und Gewährleistung, dass der Vor-Ort-Energieerzeugung in der Methodik zur Bestimmung kostenoptimierter Mindestanforderungen an die Energieeffizienz für neue und renovierte Gebäude ein Bonus gewährt wird. Sicherstellung, dass dieser Methodik eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Sektorkopplung zugrunde gelegt wird, sodass überschüssiger PV-Strom genutzt und gespeichert werden kann, z. B. in Form von Wärme mit Wärmepumpen oder Warmwasserspeicherung.

10. Gewährleistung, dass solare PV-Anlagen, Smart Buildings und Smart Grids bei der EU-weiten Arbeit im Bereich der Normung und der Interoperabilität Berücksichtigung finden.Aufforderung der Kommission, so bald wie möglich ihr standardisiertes „Basis“-Datenformat vorzustellen, das einzelne Gerätehersteller oder Dienstleister anschließend um ihre eigenen Funktionen erweitern können.

 

Vielen Dank an das gesamte Team für die Mitarbeit an diesem wegweisenden Dokument.

Weitere Informationen gibt es auf der Website von SolarPower Europe.

 

logo solar power europeDie „Regulatorischen Forderungen für die Solarenergie und Digitalisierung“ wurden von der Digitalisation and Solar Task Force erstellt. Das ist eine Arbeitsgruppe bestehend aus Mitgliedern von SolarPower Europe, deren Ziel es ist, sicherzustellen, dass der solare PV-Sektor in Europa die Möglichkeiten der Digitalisierung des Energiesystems bestmöglich nutzt.
Sie orientieren sich an den sieben Verpflichtungen der Solarindustrie zur Digitalisierung. Ein detaillierter Bericht zu den Marktchancen einer digitalisierten Solarbranche wird noch in diesem Jahr erscheinen.

 

 

10 asks to the politics

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Der Autor

Detlef Beister (Gastautor)

Detlef Beister ist Diplom-Ingenieur mit dem Schwerpunkt Nachrichtentechnik und verfügt über 30 Jahre Erfahrung in der Photovoltaik-, IT- und Automatisierungsbranche. Seit 2009 beschäftigt er sich mit neuen Marktchancen und Geschäftsmodellen für Photovoltaik- und Energiemanagementanwendungen in den Bereichen Smart Grids, Smart Facilities und Ladeinfrastrukturen für die Elektromobilität bei SMA Solar Technology.

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