5 Fragen und Antworten zum Netzausbau für die Energiewende

Netzausbau Erdkabel, Quelle: Nico Pudimat

Wer den Kurs für die Energiewende mitbestimmen will, der muss die richtigen Koordinaten kennen, um Hindernisse zu umschiffen und den sauberen Hafen zu erreichen. So ist es auch beim Umbau und Ausbau unserer Netze.

Wenn wir wirklich die Energiewende hin zu 100 % Erneuerbaren Energien schaffen wollen, dann ist es wichtig, dass die Wünsche zu immer konkreteren Vorstellungen und dann zur anfassbaren Wirklichkeit werden. Es ist wichtig zu unterscheiden, ob der Netzausbau wirklich für erneuerbare Energien oder doch auch für Kohlekraftwerke gemacht wird. In meiner Einschätzung sind die folgenden Fragen entscheidende „Wendepunkte“ unseres Gemeinschaftswerkes:

(Um die Antworten zu sehen, klicke einfach auf die jeweilige Frage)

 

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[accordion-item title=“1. Was brauchen wir für die Dezentralität?“ id=1]

Je mehr wir speichern können, desto autarker werden wir und umso weniger Netze brauchen wir. Je weniger Netze wir brauchen, desto leichter werden wir fossile Kapazitäten los. Dennoch kann das Netz gegenüber der Speicherung und der vollständigen Autarkie billiger sein. Je dezentraler das Energiesystem wird, desto mehr Geld wird hingegen in den Regionen bleiben, wobei es kaum mehr kosten würde, als die zentralere Alternative. Wenn dabei der direkte Verbrauch besonders hoch ist, vergünstigt dies die Energiewende. Es geht nicht nur um die Netze und die Autarkie. Dezentralität heißt auch, dass jeder mitmachen kann.

In Zukunft sollte daher zum einen die Planungssicherheit für kleine Akteure das Ziel sein. Zum anderen sollten auch kleine Akteure Zugang zum Regelenergiemarkt erhalten, und das heißt, dafür bezahlt werden, dass sie durch Last-Management oder Speicher zur Balance des Stromnetzes beitragen. Dafür hat sich der Energieblogger Thorsten Zörner ein „Hybridstrommarktmodell“ ausgedacht.[/accordion-item]

[accordion-item title=“2. Wann brauchen wir Speicher am Netz, wenn wir 100 Prozent erneuerbaren Strom realisieren? “ id=2]

Die „Roadmap Speicher“ von Fraunhofer-Studie IWES besagt: Erst ab einem Anteil von ca. 60 Prozent erneuerbarem Strom sei der Ausbau von Stromspeichern eine Voraussetzung für den weiteren Ausbau von Windenergie- und PV-Anlagen, wenn eine Abregelung geringer Mengen von Erzeugungsspitzen akzeptiert wird. Je langsamer die Flexibilisierung umgesetzt wird, desto wichtiger werden Stromspeicher. Der netzdienliche Einsatz von Stromspeichern kann bei einem verzögerten Netzausbau einen Nutzen im Engpassmanagement bringen – wenn also gerade nicht aller Strom transportiert werden kann. Aufgrund der zeitlichen und räumlichen Entkopplung von Ein-und Ausspeicherung weisen Power-to-Gas-Anlagen hierbei den größten Nutzen auf, dem jedoch höhere Investitionskosten gegenüberstehen.

Wie bei jedem Szenario kann man über Annahmen diskutieren, wie es auch der Solarenergie-Förderverein getan hat. Bereits die getroffenen Annahmen wirken sich auf ein eher zentraleres oder dezentraleres Stromsystem aus. Unabhängig davon muss aber  in jedem Fall jetzt die Speichertechnologie weiterentwickelt werden, damit wir in Zukunft auf günstige Batteriespeicher zurückgreifen können.[/accordion-item]

[accordion-item title=“3. Wie machen wir das Stromversorgungssystem flexibel?“ id=3]

Die Flexibilität im Stromversorgungssystem ist wichtiger als die Speicherung. Diese kann durch Netzausbau und den gesamteuropäischen Strommarkt sowie durch Last-Management, flexible Biogasanlagen, Kraft-Wärme-Kopplung und Power- to-Heat zu großen Teilen gedeckt werden, so das Ergebnis der „Roadmap Speicher“ aus dem Hause Fraunhofer.

Auch brauchen wir so genannte „Systemdienstleistungen“ wie Frequenzhaltung, Spannungshaltung, Versorgungs-Wiederaufbau und Betriebsführung, damit das Netz stabil bleibt. Dafür hat die DENA auch die Alternativen zu den heutigen Systemdienstleistungen der Großkraftwerke beschrieben.

Wir müssen das Verteilernetz, in welches 90 Prozent des erneuerbaren Stromes eingespeist wird, modernisieren. Wie dies gelingt, ist in der Studie „Verteilernetzstudie des BMWisehr gut beschrieben.

Für die Flexibilisierung muss erst noch ein Rechtsrahmen geschaffen werden. An dessen Ausgestaltung kann man über das „Grünbuch Strommarktdesign“ mitwirken und die Märkte dahinter kennenlernen.[/accordion-item]

[accordion-item title=“4. Welche Ziele haben die Strom-Autobahnen?“ id=4]

Bis 2022 gehen die Atomkraftwerke vom Netz. Die süddeutsche Industrie braucht nun alternativen Strom. In den „Strom-Autobahnen“ soll offiziell der Strom von den in der See gebauten Windparks fließen. Geplant wird dies im „Netzentwicklungsplan (NEP)“. Der Forschungsprofessor Christian von Hirschhausen vom DIW findet im Szenario-Rahmen 2015 des NEP eine Vermutung bestätigt: Stromautobahnen sind auch für Braunkohle. Im Verhältnis zu früheren Dokumenten soll deutlich mehr Kohle verstromt werden. In den Planungen liegen einige Einspeisepunkte von geplanten Strom-Autobahnen in Regionen mit starker Kohle-Verstromung. Die Leitungen wurden im NEP 2013 so geplant, dass Platz für viel Kohlestrom und Windstrom ist. Darauf machte auch die Agentur für Erneuerbare Energien in einem Studienvergleich aufmerksam. Die Bundesnetzagentur dementiert diesen Zusammenhang im Bezug auf einen früheren Planungsstand. Für die Energiewende könnten wir laut Prof. von Hirschhausen auf die Korridore A zwischen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wie auch auf den Korridor D zwischen dem Leipziger Raum und Bayern verzichten.

Stromautobahnen sind also teilweise für Offshore-Windstrom und teilweise für Kohlestrom, um Atomkraftwerke zu ersetzen. [/accordion-item]

[accordion-item title=“5. Brauchen wir die Strom-Autobahnen?“ id=5]

Ja, auch die Studie Kombikraftwerk 2, in welcher die machbare Versorgungssicherheit bei 100 Prozent erneuerbarem Strom bewiesen wurde, enthält lange Leitungen für den Windstrom von der See nach Süddeutschland. In einem angemessenen Umfang ist der Ausbau erforderlich, um die Ziele der Energiewende zu erreichen. Anderenfalls können Engpässe im Netz die Einspeisungen von Wind und Sonne einschränken.[/accordion-item]
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Mach mit!

Bis zum 31. Dezember 2014 kannst Du der Energiewende und dem Büro für Technikfolgen-Abschätzung des Deutschen Bundestages mit Deiner Einschätzung helfen. Wie willst Du die Stromnetze haben?

Hier kommst du zur Umfrage: “Stromnetze und Energiewende”

 

Bildquelle: ENRW Energieversorgung Rottweil, Erdverlegung von 110-kV-Hochspannungskabeln – Bau der unterirdischen 110.000-Volt-Leitung zwischen Zimmern und Rottweil, Nico Pudimat

 

1 Antwort
  1. Christian Höhle
    Christian Höhle sagte:

    Auch hier noch mal:

    In der Bevölkerung gibt es eine große Zustimmung zur Energiewende. Das müssen wir alle der Bundesregierung mit auf den Weg geben, damit sie auch Entscheidungen in unserem Sinne treffen können.

    Darum:
    1) Nehmt euch die Zeit und beteiligt euch an der Umfrage
    2) Teilt die Umfrage in euren sozialen Netzen und bittet auch dort um Teilnahme

    … denn wir sind die Energiewende!

    Danke euch allen 🙂

    Dann mal ein frohes Weihnachtsfest mit hoffentlich viel erneuerbarem Strom und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

    Sonnige Grüße,
    Christian

    Antworten

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