Steigt zum Atomausstieg eine Megaparty?

Von am 26. Oktober 2016 in der Kategorie Energiewende mit 1 Kommentar
nukedownparty

Erhard Renz will mit mindestens zwei Millionen Deutschen feiern, wenn 2022 das letzte AKW in Deutschland abgeschaltet wird. Ein Budget gibt es allerdings (noch) nicht. Wie er die Massen mobilisieren will, verrät er uns im Interview.

 

Erstmal herzlichen Glückwunsch, Erhard! Du hast mit deiner Initiative, ein Fest anlässlich der Abschaltung des letzten AKWs 2022 zu organisieren, einen Volltreffer gelandet. Kannst du kurz beschreiben, wie du darauf gekommen bist und was dahinter steckt?

Erhard Renz (links) auf der Abschaltparty des AKWs Biblis im Mai 2012

Erhard Renz (links) auf der Abschaltparty des AKWs Biblis im Mai 2012

Als Anwohner des Atomkraftwerkes Biblis bewegt mich seit dreißig Jahren das Thema Atomkraft. Ich war 2005 bei meinem ersten Umschaltfest in Obrigheim dabei und 2012 haben wir Sekt getrunken auf die Biblis Abschaltung“. Seit dem EEG 2016 habe ich als Laie keine Lust mehr, mich den unmöglichsten Verhinderungsdetails im EEG zu beschäftigen. Daher habe ich mir überlegt, wo sind unsere Gemeinsamkeiten unter den Energiewende-Aktivisten. Da bin ich auf unser altes Reizthema „Atomkraft? Nein danke“ gekommen. Dann hab ich an das nächste Abschaltfest gedacht und festgestellt, dass der Abschalttermin des letzten deutschen Atomkraftwerkes 2022 viel wichtiger ist. Ich hab überlegt, wer die Botschaft dann in der Tagesschau präsentiert. Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel oder ihr Nachfolger? Das fand ich schrecklich. Wir, die Anti-Atom-Bewegung, sollten uns dieses Jubelfest nicht aus der Hand nehmen lassen.

„Die #nukedown-Party soll auch eine Warnung an diejenigen sein, die denken, sie könnten die Laufzeit von Atomkraftwerken verlängern. Wenn unser Fest steht, wären wir in der Lage umzuschalten. Vom Fest auf Protest, egal wo in Deutschland.“

 

Auf dem Barcamp Renewables 2016, auf dem du die Idee präsentiert hast, gab es auch gleich die Diskussion über den passenden Hashtag auf Twitter. Habt ihr schon einen gefunden?

Conny [Cornelia Daniel, österreichische Bloggerin, Anm. der Red.] hat „nukedown“ vorgeschlagen. Ich finde den Hashtag gut, weil er international ist und auch als „Schlachtruf“ genutzt werden kann. Nicht nur 2023 in Deutschland, sondern auch bis wir weltweit das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet haben. Damit heben wir unseren Protest auf die globale Ebene. Also lege ich los mit #nukedown! Und die die Website www.nuke-down.de ist auch schon gesichert.

 


Nun ist ja die Verbreitung über Twitter wichtig und richtig. Um zwei Millionen Menschen tatsächlich zu mobilisieren braucht es aber sicher mehr. Wie willst du die Massen für die Aktion gewinnen?

Nicht ich, sondern wir alle,  die sich seit zig Jahren gegen Atom einsetzen, sollen das weltweite Signal setzen. Aber ohne prominente Unterstützung wird es natürlich nicht gehen. Nehmen wir mal an, der Berliner Bürgermeister erkennt die symbolische Wirkung und den positiv besetzten Atomausstieg als Imagegewinn für Berlin. Dann kann er gern mal sein Berliner Fassungsvermögen ermitteln und es wären auch drei Millionen möglich. Wenn Top Musiker, Künstler und Kabarettisten einladen und ihre Fans mitbringen, wenn die Verbände, wenn die Parteien, wenn potentielle Sponsoren erkennen, dass sie alle an diesem riesen Erfolg beteiligt wären, wo ist da die Grenze? Ketzerisch gefragt: Wenn in Berlin am Brandenburger Tor eine Leinwand aufgehängt und ein Fußballspiel gezeigt wird, kommen doch auch Hunderttausende! Warum sollen wir dieses einmalige Event niedriger ansetzen als die Liveübertragung eines Endspiels der Fußballweltmeisterschaft, die alle vier Jahre stattfindet? Der Atomausstieg hat eine sehr hohe Zustimmung in der Bevölkerung. Es müssen ja nicht alle 80 Mio. kommen! 2,5 % Prozent der Deutschen reichen ja schon aus! Und vielleicht kommen ja auch ein paar aus dem Ausland, um mit uns zu feiern.

 

Auch wenn noch sieben Jahre Zeit sind: Gibt es schon konkrete Pläne, wie es weiter geht?

Ich fädele momentan Einiges ein. Dabei bin ich für jede Unterstützung dankbar. Das Ziel heißt: viele Menschen zum Fest zu holen. Mein persönlicher Fahrplan sieht Folgendes vor:

  • Drei Top Musik Acts und drei Top Kabarettisten (es müssen die Besten sein, mindestens!) Die sollten zum Fest einladen mit einem kostenlosen Auftritt.
  • Ein Bürgermeister einer unserer deutschen Großstädte sollte mich anrufen (06206 8800) und sagen „Erhard, wir wollen Nuke down“ feiern. Da gibt es nicht viele Großstädte die das „wollen können!“. Wenn Berlin anrufen würde, wäre aus meiner Sicht der „Käse gegessen!“.
  • Danach sind die großen, die ganz großen Werbeagenturen gefragt. Wer von denen übernimmt die Organisation vom Fest. Dass dies kostenlos erfolgt ist ein Fixum in meinen Plänen. Denen würde ich dann auch meine weiteren Ideen verraten.

Dann sehen wir weiter! Dazwischen werde ich natürlich mit vielen Freunden am Thema arbeiten – zum Beispiel mit euch, den Energiebloggern von SMA.

 

Erhard Renz

Erhard Renz


Wir finden die Idee super und unterstützen gerne. Erhard, besten Dank für das Interview und viel Erfolg bei der weiteren Planung.

 

Zur Person:

Erhard Renz bloggt als „Sonnenflüsterer“ über die Energiewende und Photovoltaik und hat allein im letzten Jahr mehr als 160 Artikel auf www.sonnenfluesterer.de veröffentlicht. Er ist Teil der Energieblogger.

 

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Der Autor

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Meine Aufgaben:
Social Media Managerin bei SMA.
Meine Themen:
Unternehmensnews, Photovoltaik, Energiewende.
Was selbst meine Kollegen nicht von mir wissen:
Als Teenager war ich Beifahrerin bei Orientierungsfahrten (Schnitzeljagd mit Auto) und habe immer die Pokale als beste weibliche und jüngste Teilnehmer nach Hause getragen – was nicht so schwierig war.

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1 Kommentar

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    Lucas Lange

    22. Dezember 2016 um 04:20

    Muss ganz ehrlich gestehen das ich so eine Party nicht umbedingt gut heißen kann. Klar jeder spricht vom Atommüll und der Endlagerung aber man muss auch mal die andere Seite sehen in der Zeit in der sie bis jetzt am Netz waren haben sie aber Mrd. kwh in das Netzeingespeißt und 1980 hätte das entweder gehießen mehr Kohlekraftwerke oder Ölkraftwerke an das Netz zu bringen und dann wäre die Umweltverschmutzung noch größer gewesen.
    Mal Richtung Osten schauen in Russland wurde der BN800 an das Netz gebracht, bei dem ist Atommüll der Brennstoff für das Kraftwerk 😉

    Viele Grüße

    Antworten »

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