Photovoltaik Potenzial in Österreich aus deutscher Sicht

Von Cornelia Daniel-Gruber (Gastbeitrag) am 19. November 2013 in der Kategorie Energiewende mit 0 Kommentare
alireza mehrtash

Alireza Mehrtash, Vertriebsleiter für DACH bei SMA, im Interview mit Cornelia Daniel-Gruber vom ÖkoEnergie-Blog über Zubauzahlen in Österreich, Stromwächter und Wünsche an die Politik.

 

Ich finde es immer sehr spannend die Außensicht über gewisse Dinge zu haben. Frei von irgendwelchen Zwängen, die einem im Inneren die Sicht verstellen. Deshalb spreche ich heute mit  Alireza Mehrtash, Vertriebsleiter für DACH beim Wechselrichterhersteller SMA. Nachdem er sich täglich mit der Entwicklung der unterschiedlichen Märkte beschäftigt, weiß er vermutlich mehr als so mancher Österreicher. Zum Einstieg die aktuellen Zahlen zum österreichischen PV-Markt. Die Zahlen aus 2013 sind aktuelle Schätzungen vom Solarverband PV-Austria.

 

 Aktuelle Ausbauzahlen in Österreich inkl. *Prognose für 2013 Quelle: Marktstatistik 2010-2012 bmvit, PV-Austria Darstellung: Dachgold

Aktuelle Ausbauzahlen in Österreich inkl. *Prognose für 2013 Quelle: Marktstatistik 2010-2012 bmvit, PV-Austria Darstellung: Dachgold

 

Herr Mehrtash, der österreichische Markt hat sich von einem Mikromarkt, zu einem für seine Größe halbwegs ordentlichen Markt entwickelt. Durch den Abbau der Warteliste konnten 2012 170 MWp gebaut werden und für 2013 werden 200 MWp erwartet. Wie wird sich der Markt entwickeln, wenn dieser große Brocken der Warteliste wegfällt?

Dass der Österreichische Markt in der Vergangenheit ein so positives Wachstum erfahren hat, ist zunächst einmal als großer Erfolg zu werten. Wir gehen davon aus, dass er sich auch zukünftig weiterhin positiv entwickeln wird, denn Potenzial ist in jedem Fall da. Trotz entsprechender Fördermechanismen rechnen wir nicht damit, dass sich der Markt, gerade im Bereich der Kleinanlagen bis 5 KW, explosionsartig vergrößern wird. Was wir aber beobachten ist, dass der österreichische Markt ein sehr nachhaltiger und konstanter Markt ist. So werden wir konstante Zubauraten haben, auch wenn es leichte Schwankungen nach oben und unten geben wird. Ein zweiter Aspekt, der in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird, ist die Überschusseinspeisung, auch bekannt als Energiemanagement-Markt. Das bedeutet, dass ein Haushalt seinen eigenen Strom produziert, verbraucht und den überschüssigen Strom zu einem bestimmten Vergütungssatz ins Netz einspeist. Eigenverbrauch wird in Österreich immer interessanter, denn die Strompreise werden weiter steigen.

Wir hier in Deutschland können von Österreich noch einiges lernen: Während viele Deutsche die Photovoltaik lange als Renditeobjekt gesehen haben und ihren Strom eingespeist haben, betreiben die Österreicher schon länger Energiemanagement und Eigenverbrauch von Solarstrom. Entscheidend für die Zukunft des Marktes wird somit das Energiemanagement sein.

 

Dies ist die 2011 erstellte Prognose aus der Photovoltaikstudie Österreich/Deutschland. Die tatsächlichen Ausbauzahlen sind 2011/2012 niedriger und 2013 wahrscheinlich höher. (siehe Grafik oben). Quelle: Dachgold Expertenbefragung

Dies ist die 2011 erstellte Prognose aus der Photovoltaikstudie Österreich/Deutschland. Die tatsächlichen Ausbauzahlen sind 2011/2012 niedriger und 2013 wahrscheinlich höher. (siehe Grafik oben). Quelle: Dachgold Expertenbefragung

 

Ich habe vor zwei Jahren eine Photovoltaikstudie Österreich/Deutschlandgemacht und im Rahmen einer Expertenbefragung die voraussichtlichen Zubauzahlen abgefragt (Siehe Grafik). SMA lag bei der Befragung damals übrigens ziemlich knapp unter der tatsächlich installierten Leistung und auch das Gesamtergebnis lieferte etwas höhere Erwartungen als dann Realität wurden. Wie realistisch ist es jedoch, dass nächstes Jahr nochmal 100 MWp mehr installiert werden?

Ob wir ein solches Ziel erreichen, hängt maßgeblich von den Förderbedingungen und Signalen ab, die von Energieversorgern und der Politik kommen. Wenn die Förderbedingungen auf dem momentanen Niveau bleiben und das Energiemanagement weiterhin gut angenommen wird, dann ist es durchaus realistisch, dass wir im nächsten Jahr ein erneutes Wachstum verzeichnen können. Wenn die Politik die Vergütungssätze zum Nachteil der Photovoltaik anpasst, werden wir aber vermutlich keine Zubauzahlen im dreistelligen MWp-Bereich sehen.

 

Sie haben bestimmt die Streitigkeiten aus Niederösterreich mitbekommen mit dem dortigen Energieversorger. Es kam zu zahlreichen Ablehnungen von Zählpunkten, da das Netz bereits überlastet gewesen sein soll. Nun hat man sich auf sogenannte Stromwächter geeinigt, die den Engpass beheben sollen. Die Kosten belaufen sich jedoch auf 600,- und könnten bei Kleinanlagen die Entscheidung zwischen Wirtschaftlichkeit und Unwirtschaftlichkeit bedeuten. Wie haben Sie das Thema mitverfolgt  und was halten Sie von der derzeitigen Lösung? Angeblich können moderne Wechselrichter dasselbe wie dieser Spannungswächter?

Generell ist es sinnvoll und wichtig, die Integration von regenerativen Energieträgern in Einklang mit dem Netz zu realisieren, denn gerade an bestimmten Knotenpunkten, an denen Photovoltaik eingespeist wird, muss netzstabilisierend eingegriffen werden.Unsere Wechselrichter haben genau diese Fähigkeit, denn sie können das Netz stabilisieren, was die „Stromwächter“ überflüssig macht. Ob Kunden mit einem Wechselrichter mit integriertem Stromwächter diesen speziellen Stromwächter ebenfalls brauchen, wird sich erst zeigen.

 

Wie ist es überhaupt möglich, dass bei einer so geringen Durchdringung im Markt bereits Probleme auf der Spannungsseite auftauchen und wo liegt der grundlegende Unterschied zwischen den Netzen und vor allem auch der Abrechnung der entstehenden Kosten für die Netzstabilität? 

Die Netzstabilität wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, zum Beispiel durch den Netzausbau, die installierte Leistung der Grundlastkraftwerke und wie viele volatile Energieerzeuger und Lasten im Netz vorhanden sind. Da die Erneuerbaren Energien in Österreich nur ca. 5% betragen, sind die Probleme bei der Netzstabilität nicht primär auf die Erneuerbaren zurückzuführen. Noch einmal zum Verständnis: wenn regenerative Energieerzeuger homogen im Netz verteilt sind, ist die Netzbelastung marginal. Wenn man aber Hot Spots hat, in denen etwa besonders viel Photovoltaik eingespeist wird, muss man dem Netz helfen.

 

Zu guter letzt: Wie beobachten Sie die Entwicklung im österreichischen Markt. Was wäre eine wünschenswerte Entwicklung?

Wir würden uns wünschen, dass die Netzzugangsbedingungen verbraucherfreundlicher gestaltet und das Energiemanagement sowie der Eigenverbrauch von Solarstrom stärker unterstützt werden. Wichtig ist es zudem die Innovationen von Wechselrichterherstellern, die in ihren Produkten zum Beispiel Funktionen zur Netzstabilisierung integriert haben, auf dem Markt zuzulassen und zu unterstützen. Unsere Wechselrichter können anhand der Netzspannung nicht nur die Wirkleistung regeln, sondern über ihre Blindleistungsregelung das Netz stabilisieren. Dieses Feature ist alles andere als neu für unsere Wechselrichter – das gibt es bei uns schon seit vielen Jahren.

Diese netzstabilisierende Funktion ist eine tolle Sache, denn so könnten die Anforderungen der Energieversorger umgehend erfüllt werden. Insgesamt sind wir überzeugt, dass sich der Österreichische PV-Markt weiterhin positiv entwickeln wird.

 

Der Beitrag ist erstmalig am 11.11.2013 auf dem ÖkoEnergie-Blog erschienen. 

 

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Der Autor

Cornelia Daniel-Gruber (Gastautor)

Cornelia ist Inhaberin der österreichischen Solarberatung Dachgold, schreibt für Ecoquent-Positions und den ÖkoEnergie-Blog und ist Expertin des österreichischen Solar-Markts.

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