Digitalisierung der Energiewelt: 5 Thesen zur zukünftigen Bedeutung der Photovoltaik

Von Pierre-Pascal Urbon (Gastbeitrag) am 2. Dezember 2016 in der Kategorie Energiewende mit 2 Kommentare
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Die Energiewirtschaft steht vor einem großen Umbruch: Durch die Digitalisierung werden komplett neue Geschäftsmodelle entstehen. Welche Rolle spielt dabei die Photovoltaik?

 

1. Digitalisierung stellt den Energiemarkt auf den Kopf

Nach der technologischen Pionierleistung, einen großen Anteil von Strom kostengünstig mit Erneuerbaren Energien zu erzeugen, folgt jetzt die Phase der Umwandlung in eine Dienstleistung, ein Alltagsgut.

Schon heute ist klar, dass mit den niedrigen Kosten der Photovoltaik und der Digitalisierung der Energiewirtschaft traditionelle Geschäftsmodelle an Bedeutung verlieren. Durch neue Marktteilnehmer, wie z.B. Google oder Apple, werden Marktstrukturen massiv und in kurzer Zeit verändert.

Das bisherige klassische Pipeline-Geschäft wird durch vollkommen neue Plattformen ersetzt, über die ein direkter Handel zwischen Erzeugern und Verbrauchern stattfindet. Das Überspringen von Wertschöpfungsstufen wiederum bedeutet kleinere Gewinnspannen und damit geringere Stromkosten.

Der Energiemarkt steht Kopf, und das nennt man mit Recht eine disruptive Innovation. Es ist die Digitalisierung, die aus Strom ein völlig neues Produkt macht und von allen Akteuren im Energiesektor ein radikales Umdenken verlangt.

 

2. Konsumenten werden zu Prosumenten

Die Energiewende 2.0 ist von atemberaubender Geschwindigkeit gekennzeichnet. Nichts ist mehr selbstverständlich: Strom ist kein exklusives Gut mehr, sondern frei verfügbar. In den kommenden Jahren kommt es also fast ausschließlich darauf an, den „Prosumenten“ – also Menschen, die gleichzeitig Energie produzieren und verbrauchen – das richtige Angebot zu machen, ihnen eine ihrem Lebensstil entsprechende Dienstleistung zur Verfügung zu stellen. Das ist das Geschäftsmodell der Zukunft.

 

3. Komplexität für den Nutzer reduzieren

Der Alltag der Menschen zeigt es: Die Digitalisierung hält Einzug in die Wohnzimmer, sie ist nicht aufzuhalten. Die Herausforderung besteht darin, Technik zu vernetzen und so benutzerfreundlich wie möglich zu gestalten. Nehmen wir das Thema Smart Home: Schon heute ist es möglich, im Hintergrund vollautomatisch verschiedene Komponenten wie Solaranlage, Haushaltsgeräte, Wärmepumpe, E-Autos und Speicher über einen einheitlichen Kommunikationsstandard zu vernetzen und auf Basis von Wetterprognosen und Nutzerverhalten durch einen intelligenten Energiemanager zu steuern. Der Verbraucher überwacht das System komfortabel per Smartphone-App. Während die Benutzerschnittstelle zum Endverbraucher immer einfacher wird, werden die Systeme im Hintergrund immer komplexer. Die Bewältigung dieser Aufgabe gelingt nur mit Erfahrung, Wissen und den richtigen Partnerschaften. Durch kapieren statt kopieren.

 

4. Die Photovoltaik wird wichtige Schnittstelle der vernetzten Energiewelt

Die neuen Geschäftsmodelle basieren auf dem Netzwerkeffekt von Spezialisten. Als Spezialist für PV-Anwendungen ist SMA ein wichtiger Gesprächspartner in dieser neuen Welt. Genau aus diesem Grund sind wir strategische Partnerschaften eingegangen. SMA arbeitet schon seit einiger Zeit mit großen Herstellern wie Bosch, Stiebel Eltron, Vaillant oder Miele zusammen, um die Schnittstellen zu Verbrauchsgeräten und Klimatechnologie zu harmonisieren. Das reicht aber bei weitem nicht aus. Die Chance für Unternehmen besteht vielmehr darin, die Erzeugungs- und Verbrauchsdaten der Photovoltaik systematisch zu erfassen.

Der Solarstrom kann dann – weil er gut prognostizierbar ist – einen höheren Wert bekommen. So könnten beispielsweise Netzbetreibergesellschaften ihre Investitionsentscheidungen besser lenken, wenn sie genauere Informationen über Stromangebot und -nachfrage hätten. Banken könnten ihre Finanzierungsmodelle optimieren, wenn sie automatisch Informationen über die technische Verfügbarkeit von PV-Anlagen bekämen. Mit unserem neuen Angebot „SMA Energy Services“ gehen wir einen wichtigen Schritt in diese Richtung: Wir bieten hochauflösende Daten für zuverlässige Prognosen und aktuelle Hochrechnungen zur Solarleistung, selbstverständlich unter Einhaltung höchster Sicherheits- und Datenschutzstandards.

Solar-Wechselrichter sind das Herzstück integrierter, anspruchsvoller Systeme. Aus diesem Grund werden sie als sicherheitsrelevante Steuerungssysteme betrachtet. Denn Überwachungstechnologie könnte in die PV-Systemtechnik eingebaut werden. Um derartige Manipulationen von vornherein auszuschließen, sind transparente Unternehmensstrukturen, Geräte mit hohen Sicherheitsstandards sowie einer IT-Serverinfrastruktur in Ländern mit hohen Sicherheitsstandards für einen erfolgreichen Übergang zu einem Plattform-Geschäftsmodell von entscheidender Bedeutung.

 

5. Elektromobilität und Speicher werden Treiber der Energiewende

Die Elektromobilität und Nutzung von Speichern führt in der Energiewirtschaft zweifelsfrei zu neuen Geschäftsansätzen. SMA arbeitet deshalb z.B. sehr eng mit amerikanischen und europäischen Automobilkonzernen sowie mit führenden Batterieherstellern zusammen. Ähnlich wie im Finanzbereich die FinTechs, entstehen zudem im Energiebereich diverse Start-ups, die das Thema Digitalisierung der Energiewende vorantreiben. Die Zusammenarbeit von Firmen aus den Bereichen Elektromobilität, Erneuerbaren Energien und Start-ups kann die nötige Schlagkraft entwickeln, mit der die digitale und dezentrale Energiewende gelingt.

 

Wir freuen uns darauf, mit unserer PV-Systemtechnik einen wichtigen Beitrag zu leisten und ein wichtiger Bestandteil des neuen Energiemarkts zu werden.

 

Dieser Beitrag nimmt Teil an der Blogparade „Digitalisierung in der Energiewende“

#digiEwende #blogparade @dieenergieblogs @SMAsolar

 

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Der Autor

Pierre-Pascal Urbon (Gastautor)

Pierre-Pascal Urbon ist seit 2006 im SMA Vorstand und seit 2011 Vorstandssprecher. In dieser Funktion verantwortet er die Ressorts die Ressorts Strategie, Vertrieb und Service. Außerdem ist er Mitglied des Verwaltungsrats der Tigo Energy, Los Gatos, USA.

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