„Begehbare Brücken zwischen den Kulturen bauen“

Von Lore Klipp (Gastbeitrag) am 3. August 2012 in der Kategorie Verantwortung mit 0 Kommentare
d13

Ana Prvacki nimmt mit ihrem Kunstwerk an der dOCUMENTA(13) teil. Das lässt sich erst auf den zweiten Blick erkennen.  Ihre diesjährige Arbeit hat keinen eigenen Ausstellungsraum,  ihre Arbeit sind Videos, die täglich an den Kassenhäuschen der d13 zu sehen sind. Ihr Thema: auf welche übergreifend gültigen Regeln können wir uns verständigen, wenn wir, aus verschiedenen Kulturkreisen, Ländern kommend, zusammentreffen, beispielsweise in der Warteschlange vor dem Fridericianum? Wer beansprucht für sich wieviel Raum, empfindet welchen Abstand voneinander angenehm oder aufdringlich und wie kann das für alle erträglich gestaltet werden?

 

Lucia und ich bekommen eine halbe Stunde lang die Gelegenheit mit Ana Prvacki zu sprechen. Schnell sind wir bei der Frage angelangt, was denn die Grundvoraussetzung für einen Umgang, der für jeden, egal aus welchem Land kommend als angenehm empfunden wird? Wir können uns schnell verständigen, dass einer der wichtigsten Aspekte dabei ein wertschätzender Umgang ist. Na gut: ja, das stimmt, das wissen wir als SMAler schon, dank Kommunikationsseminaren, aber auch durch unser tägliches Miteinander.

 

In der Fremde zu Hause

Wir sprechen über Gastfreundschaft, über unterschiedliche Regeln im Umgang mit Frauen und  Männern, Ana Prvacki weiß, wovon sie spricht: ihre Eltern und ihre Großeltern kamen aus den unterschiedlichsten Ländern, sie selbst wuchs in Rumänien auf und zog im Alter von 12 Jahren mit ihren Eltern nach Singapur und musste für sich eine begehbare Brücke zwischen den Kulturen bauen.  Wir sprechen über Knigge und darüber, dass er mitnichten ein Anhänger steifer, formaler Konventionen war, viel eher tatsächlich seiner Zeit voraus in seinem Bestreben, übergreifend geltende Regeln des Umgangs miteinander zu kommunizieren und damit ganzen Generationen das Miteinander erleichtert hat, begehbare Brücken zwischen den Kulturen zu bauen.

Aber jetzt nochmal: was ist es, das hilft, den Kontakt herzustellen, ein Gespräch zu ermöglichen?

 

Ungeteilte Aufmerksamkeit

Jetzt horche ich auf: ungeteilte Aufmerksamkeit, Zuwendung, Aufmerksamkeit mit allen Sinnen, erkennbares Bemühen, Präsenz.

Ana Prvacki im Interview

Ana Prvacki (Mitte) im Interview mit Lore Klipp (links) und Lucia Sauer Al-Subaey (rechts)

Ja, sie hat selbstverständlich Recht. (Und ich muss sofort an meine Kinder und ihre Freunde denken, die gern, während ich mit ihnen spreche, ihre ankommenden SMS lesen oder beantworten).

Ja, das ist der kleine Unterschied zwischen dem, was üblich ist und dem, was einen Kontakt wirklich angenehm macht: die ganze Aufmerksamkeit bekommen, die Zeit, seinen Satz zu Ende zu sprechen und das Gefühl, wahrgenommen worden zu sein. Wie leicht geht es da, auch mal eine Idee auszusprechen….

Mit dem Fokus auf SMA und die internationale Zusammenarbeit mit unseren Kollegen weltweit sind mir zwei Aussagen von Ana Prvacki sehr eindrücklich haften geblieben. Wir sollten keine verschiedenen Verhaltensregeln haben – ein Set von Regeln für Menschen, die wir bewundern und beeindrucken wollen und ein anderes Set von Regeln für die, die wir als nicht so wichtig erachten, war eine davon. Schön finde ich auch den Gedanken, dass Gastfreundschaft etwas Mühe machen sollte. Anders ausgedrückt, wir sollten uns für unsere Gäste ein wenig anstrengen. Beides sind schöne Anregungen für unsere interkulturellen Begegnungen.

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Der Autor

Lore Klipp (Gastautor)

Lore Klipp arbeitet seit 2004 als Personalreferentin bei SMA. Sie ist ausgebildete Kunst- und Religionslehrerin für die Oberstufe und hat zwischendurch als Software-Entwicklerin gearbeitet.

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