Barcamper setzen auf digitale Trends für die Erneuerbaren

Von am 6. November 2017 in der Kategorie Energiewende mit 1 Kommentar
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Disruptionen in der Energiewirtschaft: Welche sind das und welche Auswirkungen haben sie? Darum ging’s auf dem 6. Barcamp Renewables. Hier gibt’s eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Trends und Thesen. 

 

Disruptionen in der Energiewirtschaft: Spannende Statements von Martin Rühl, Julian Kretz und Daniel Bannasch

Disruptionen in der Energiewirtschaft: Spannende Statements von Martin Rühl, Julian Kretz und Daniel Bannasch

Engagierte Auftakt-Diskussion 

Das Barcamp startete dieses Jahr mit einer Podiumsdiskussion im Gleis1 in Kassel. Vertreter der Energiewirtschaft diskutierten die nächsten Disruptionen in der Energiewirtschaft. Dabei bemerkte Martin Rühl von den Stadtwerken Union Nordhessen: „Die Erneuerbaren haben das Rennen um die Zukunft schon gemacht.“

Auch Energieblogger Daniel Bannasch von Metropol Solar war sich sicher, dass die Erneuerbaren nicht mehr aufzuhalten seien: „Mit 1 m² Photovoltaik kann man mit einem E-Auto pro Jahr 1.000 km weit fahren.“ Dieses Potenzial hätten die Googles und Apples dieser Welt längst erfasst und würden das Ziel 100 % Erneuerbare mit neuen Geschäftsfeldern vorantreiben, so Bannasch. Ganz im Gegenteil zur Politik, die insbesondere in Deutschland eher verhindert als befördert. Ein Punkt, der im Publikum viel Beifall bekam.

Lebendige Diskussion auf der Auftaktveranstaltung.

Lebendige Diskussion auf der Auftaktveranstaltung.

Gleichzeitig wurde die Sorge geteilt, wie eine dezentrale, demokratische Energiewende von unten gelingen kann. Hier verwies Julian Kretz von Next Kraftwerke darauf, dass eine große Verantwortung auf den regionalen Stadtwerken und Bürgerenergie-Genossenschaften läge. Gerade diese wichtigen Player sollten sich der gestiegenen Komplexität bewusst sein und verstärkt mit Programmierern und Start-Ups an digitalen Lösungen arbeiten, um nicht abgehängt zu werden.

 

 

Digitalisierungsgesetz: Das Aus für die Blockchain?

Eines der Top-Themen auf dem Barcamp war die Session von Marek Seeger, Information Security Manager bei SMA, über Auswirkungen des neuen deutschen Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende. „Hinsichtlich der Sicherheit ist das Digitalisierungsgesetz, was den aktuellen Stand der Technik angeht, prinzipiell angemessen, aber durch den erzwungenen Einsatz von Smart-Meter-Gateways werden zukünftige Technologien be- oder sogar verhindert“, so Marek. Kritik trifft vor allem die nicht ausreichend eindeutige Regelung zur Nutzung der Smart-Meter-Gateways. Die konkreten Auswirkungen sind im Hinblick auf Technologien wie Blockchain oder Künstliche Intelligenz heutzutage noch kaum einzuschätzen. Es ist allerdings absehbar, dass es hier massives Konfliktpotential gibt. Die Meinungen im Publikum waren kontrovers: Der Gesetzgeber wolle die Kontrolle behalten und die Monopolstellung eines Unternehmens verhindern.

 

 

Bitcoin, Blockchain und Smart Contracts

Bitcoin-Beraterin Britta Aufermann brachte Licht ins Dunkel und stieß auf reges Interesse der Teilnehmer. Klare Botschaft der Session: In Deutschland wird dieser weltweite Trend zum Handeln mit Bitcoins verschlafen. Für die (digitale) Energiewirtschaft sei es aber eine riesige Chance, wenn sie sich des Themas annimmt und es für sich nutzt, zum Beispiel durch die Einführung einer Solarcoin. Insbesondere durch die Koppelung der Blockchain-Technologie mit Photovoltaik könnten die aufzuwendenden Energieressourcen reduziert werden. Leider war die Zeit zu kurz, um das Thema umfänglich zu behandeln. Alle waren sich aber einig, dass es sich lohnt an diesem hoch-spannenden Thema dran zu bleiben.

 

Saubere Revolution 2030

100% Erneuerbare Energien im Jahr 2030 sind nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Das zeigt Tony Seba in seinem Buch “Clean Disruption of Energy and Transportation”, das jetzt auch auf Deutsch erschienen ist unter dem Titel “Saubere Revolution 2030”. Die Initiative dazu kam von Daniel Bannasch, der das Buch am Morgen des Barcamps aus der Druckerei abholte und den Teilnehmern exklusiv und druckfrisch verkaufte.

 

Den Kampf um Aufmerksamkeit viral gewinnen

Johanna Gampe, Lehrbeauftragter an der Uni Kassel, stellte in ihrer Session zur Diskussion, welche digitalen Hypes die Erneuerbaren denn für sich nutzen können. Klarer Tenor: Lasst uns weniger über das „Was“ diskutieren, als viel mehr über das „Wie“. Wie schaffen es beispielsweise Bürgerenergie-Genossenschaften eine breite Öffentlichkeit durch alle Altersschichten hinweg zu erreichen und so die Beteiligung zu steigern? Eine Möglichkeit: Virale Kommunikation über Social Media.

 

 

Detlef Beister von SMA über die Win-Win-Situation von Digitalisierung und Photovoltaik

Detlef Beister von SMA über die Win-Win-Situation von Digitalisierung und Photovoltaik

Die Photovoltaik wird immer digitaler

Detlef Beister, Business Development Manager bei SMA stellte in seiner Session die Arbeit der SolarPower Europe Digitalisation & Solar Task Force vor. Er machte deutlich, dass die Digitalisierung tatsächlich bereits an allen Stellen der PV-Wertschöpfungskette Einzug gehalten hat. Gleichzeitig verwies er auf die Tatenlosigkeit der Politik und erwähnte in dem Zuge die zehn „Regulatorischen Anforderungen“. Darin hat die Task Force formuliert, was die Politik tun muss, damit die digitale Transformation des Energiesystems zügig voranschreiten kann. Mehr zu seiner Arbeit beim PV-Branchenverband SolarPower Europe lest ihr hier.

 

Fazit

Das 6. Barcamp Renewables war eine inhaltlich starke Veranstaltung, auf der über 120 Teilnehmer spannende Erfolgsbeispiele vorstellten und die wichtigsten Fragen für eine digitalisierte, erneuerbare Energieversorgung der Zukunft diskutierten. Selbstverständlich gab es auch einen Praxistest aus dem Bereich e-Mobilität: Neben zwei E-Autos testeten die Barcamper erstmalig auch ein E-Skateboard von Mellow.

Es bleibt daher spannend, auf welchen E-Vehikeln die Teilnehmer im nächsten Jahr anreisen werden und welche Ansätze von heute dann schon Strom von gestern sein werden 😉

 

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