Von Lüneburg nach Tansania: Eine Photovoltaik-Anlage für die Partnerschule

Von Philip Bernert (Gastbeitrag) am 24. Februar 2014 in der Kategorie Verantwortung mit 0 Kommentare
Lehrer Karsten Riggert mit tansanischen Schülern beim Auspacken eines Sunny Mini Centrals

Das öffentliche Stromnetz in Tansania bietet wenig Sicherheit. Insbesondere in den ländlichen Regionen fällt der Strom häufig aus, ein Zustand, der den Betrieb einer Schule erschwert. Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule haben sich diesem Problem angenommen.

Einen Schulausflug der besonderen Art haben Schülerinnen und Schüler der Lüneburger Wilhelm-Raabe-Schule im Oktober 2013 unternommen: Statt in die Jugendherberge ging es für sie nach Tansania, genauer nach Marangu, einer kleinen Stadt am Fuße des Kilimandscharos in Tansania. Im Gepäck hatten sie eine 5 kWp Photovoltaik-Anlage für die Bishop Moshi Secondary School.

 

Bereits seit 2006 pflegen die norddeutsche UNESCO-Projektschule und die Partnerschule aus dem Norden Tansanias eine Kooperation, in deren Rahmen schon mehrere gegenseitige Besuche stattgefunden haben und unterschiedliche Projekte umgesetzt werden konnten. Dabei spielte neben dem kulturellen Austausch auch immer das Thema Erneuerbare Energie eine zentrale Rolle. Das vorangegangene Kooperationsprojekt „Mit Solarenergie die Partnerschule in Tansania entwickeln“ wurde sogar mit dem Deutschen Klimapreis 2012 gewürdigt, der mit 10.000 Euro dotiert ist.  Doch ging es dabei noch um die Nutzung von Solarenergie im kleinen Stil – nämlich zum Betrieb von handlichen Lampen – sollte im aktuellen Projekt die Stromversorgung der gesamten Schule durch den Einsatz von Photovoltaik ermöglicht werden.

 

 

Physik zum Anfassen: Installation auf Lüneburger Schule als „Testpilot“

Das nötige Know-How für derartige Projekte bringt der Leiter der Tansania-AG Karsten Riggert mit. Der Physiklehrer ist ein Pionier der Erneuerbare Energien und hat schon vor über zehn Jahren mit Schülerinnen und Schülern eine PV-Anlage auf dem Dach der Lüneburger Schule installiert. Dieses Engagement kommt inzwischen direkt der Schulpartnerschaft zu Gute: Die Einspeiseerlöse fließen vollständig in die Kooperation mit der Bishop Moshi Secondary School.  Das Thema Erneuerbare Energien ist so zu einem zentralen Baustein des AG-Angebots an der Wilhelm-Raabe-Schule geworden und ist Teil des Konzepts der UNESCO-Projektschule.

Vor der Abreise studierten die Lüneburger Schülerinnen und Schüler die Schaltpläne und informierten sich über Montage und Funktionsweise der Module und Wechselrichter am Beispiel der schuleigenen Anlage. Entsprechend gut vorbereitet konnten sie gemeinsam mit Karsten Riggert und ihren tansanischen Partnerinnen und Partner sowie einem lokalen Elektriker die Installation der Anlage vornehmen, zu der neben den 52 Modulen auch Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von 26 kWh gehören. Mithilfe eines Sunny Mini Central und zweier Sunny Island-Geräte wird der Schule nun so die ständige Stromversorgung gesichert. Schon am Tag der Ankunft wurde die tonnenschwere Ladung von unzähligen helfenden Händen aus dem Container geladen und zunächst im Schulgebäude gelagert. Innerhalb einer Woche montierten die Helfer die Module auf dem zuvor verstärkten Dach der Schule. Danach wurden die Wechselrichter und das Speichersystem angebracht, so dass die gesamte Anlage nach drei Wochen einsatzbereit war.

 

Gemeinsam für mehr Versorgungssicherheit in Tansania

„Für die Schülerinnen und Schüler war es ein besonderes Erlebnis, die Anlage mit den tansanischen Schülerinnen und Schülern aufzubauen und gemeinsam auf dem Schuldach der Partnerschule gearbeitet zu haben“, so Karsten Riggert. Auch die Verlegung der Kabel und die Installation, bei der der tansanische Elektriker geholfen hat, seien spannend gewesen. „Hier konnten sie sich gegenseitig helfen und praktische Ideen von beiden Seiten einfließen lassen.“

Mit der installierten Anlage kann die Bishop Moschi Secondary School nicht nur ihre Stromkosten erheblich senken, sondern ist zudem auch unabhängiger vom tansanischen Stromnetz, das wenig Versorgungssicherheit bietet. Auf den Netzanschluss muss so nur noch bei sehr hohem Verbrauch und, um eine vollständige Entladung der Batterien zu vermeiden, zurückgegriffen werden.

 

Hintergrund

Tansania gehört immer noch zu der Gruppe der wenig entwickelten Länder. Im Human-Development-Index (HDI) belegt das Land Rang 152 (von 187 Ländern). Insbesondere in den küstenfernen Regionen ist die Infrastruktur nur schlecht ausgebaut. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist nicht sicher und auch das öffentliche Stromnetz ist nicht stabil und somit keine verlässliche Energiequelle.

Die Gemeinde Marangu liegt im Norden des Landes am Fuße des Kilimandscharo und ist für viele Bergsteiger und Wanderer das Tor zum Kilimandscharo-Nationalpark.

 

Weiterführende Links

Website der Wilhelm-Raabe-Schule mit weiteren Informationen zur Arbeit der Tansania-AG

Klimapreis 2012 der Allianz Umweltstiftung für die Solar-AG der Wilhelm-Raabe-Schule

 

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Der Autor

Philip Bernert (Gastautor)

Philip studiert Nachhaltigkeitswissenschaften in Lüneburg und absolviert zurzeit ein Praktikum in der Nachhaltigkeitsabteilung bei SMA. In seiner Freizeit spielt er Fußball und engagiert sich bei der studentischen Initiative sneep für Wirtschaftsethik.

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