Inselsysteme für Indien

Von am 29. Mai 2012 in der Kategorie Energiewende mit 1 Kommentar
Indervor-Solarpark

Arbeitskräfte, die für ein bis zwei Euro am Tag schuften, Manager, die in Hotelzimmern für einige 100 Euro die Nacht logieren. Auf den Straßen übervolle Busse, bunte LKWs, Kühe, Fahrradrikschas, ein Porsche Cayenne. Hochhäuser stehen neben Wellblechhütten. Und überall Staub. Volker Wachenfeld, Leiter des Bereichs „Off-Grid Solutions“ und sein Vertriebskollege hatten den Eindruck, in Indien treffen Welten aufeinander. Reiche Welt auf arme Welt. Am meisten beeindruckt waren die Gäste von der guten Laune der Inder, dem gelassenen Miteinander  – und dem wahnsinnigen Verbrauch von Dieselkraftstoffen. 

Ich habe Volker nach seiner Reise getroffen und nach seinen Eindrücken befragt.

 

Indien braucht mehr Energie

In Indien liegt die Elektrifizierungsrate bei 60 Prozent: Bei 80 Prozent in den Städten, bei 40 Prozent auf dem Land. Und ähnlich wie China hungert Indien nach Energie: Immer mehr Menschen ziehen in die riesigen Städte und Industrie und Dienstleistungssektor entwickeln sich stark. Im Widerspruch zum rasanten Wirtschaftswachstum steht die Energieversorgung des Landes: Auf dem Land wäre der Strom vielerorts die wichtigste Voraussetzung für sauberes Wasser, Bildung, Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung. Und in den Städten sind die vorhandenen Netze nicht sonderlich stabil. Stromausfälle gehören hier zum Alltag.

Strommast

Indischer Strommast

 

Importiertes Erdöl verbrennen?

Der Löwenanteil der Energie in Indien kommt aus fossilen Brennstoffen, ein wesentlicher Anteil sogar aus Erdöl bzw. Diesel. Man schätzt die installierte Gesamtleistung von Dieselstromerzeugung auf mehr als 58 Gigawatt. Nach wie vor wird der importierte Kraftstoff subventioniert. Für die Nutzer ist es daher nicht besonders teuer, das Dieselaggregat den ganzen Tag (auf kleiner Flamme) laufen zu lassen – auch wenn gerade keine Energie benötigt wird und der Wirkungsgrad des Systems schlecht ist. Doch das wird sich jetzt bald ändern. Die Subventionen sollen abgeschafft werden. Es wird Zeit, die Dieselanwendungen effizienter zu machen und an der ein oder anderen Stelle auf Photovoltaik umzustellen. Immer mehr Unternehmen setzen deshalb auf neue Lösungsansätze.

 

Backup- und Inselsysteme als Alternative

„Anstatt ein Dieselaggregat ununterbrochen laufen zu lassen, ist es viel effizienter, das Aggregat in ein Inselsystem mit Batterie-Wechselrichter und Speicher einzubinden“, erklärt Volker Wachenfeld. „Das Aggregat lässt sich dann bei Nennleistung betreiben, der Wechselrichter speichert die erzeugte Energie in einer Batterie zwischen und wenn diese voll ist, schaltet man den Stromerzeuger einfach ab. Nun stellt der Wechselrichter die gespeicherte Energie zur Verfügung. Die Laufzeiten lassen sich damit stark reduzieren.“ Weitere Vorteile des Systems: Alternative Energien wie Photovoltaik lassen sich ohne Probleme einbinden und durch die Verfügbarkeit des gespeicherten Stroms ist der Nutzer vor Stromausfällen sicher.

 

 Hohe Anforderungen – interessanter Markt
Volker Wachenfeld, Executive Vice President Off-Grid Solutions bei SMA

Volker Wachenfeld ist Executive Vice President Off-Grid Solutions bei SMA und arbeitet gern intensiv mit Kollegen aus den Niederlassungen überall auf der Welt zusammen.

Volker Wachenfeld und sein Team haben zusammen mit SMA India schon einige Inselstromprojekte realisiert – darunter auch eine Dorfstromversorgung im Norden des Landes. Hier versorgen zehn Systeme mit einer Leistung von je zehn Kilowatt kleinere Dörfer mit Strom. Aus seiner Erfahrung weiß er: Das Klima in Indien ist sehr unterschiedlich und reicht von trockener Hitze über hohe Luftfeuchtigkeit bis hin zu Schneefall. Die Anforderungen an ein Energiesystem sind also hoch. „Hier liegt unsere Stärke“ , meint Wachenfeld, „Und im Vergleich zu Dieselanwendungen sind unsere Komponenten extrem wartungsarm.“ 

 

Insgesamt zieht Wachenfeld ein positives Fazit aus seiner Indienreise: „In Indien läuft mehr als ich dachte und sogar das Thema Klimaschutz ist in Ansätzen erkennbar. Und was für uns natürlich sehr interessant ist: Der Markt lässt sich durch das Angebot entwickeln, das findet man äußerst selten.“

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Der Autor

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Meine Aufgaben:
Technikkommunikation und Unterstützung der Pressearbeit.
Meine Themen:
SMA Technologien und Technologiethemen allgemein, Off-Grid.
Was selbst meine Kollegen nicht von mir wissen:
Ich liebe Urlaub im Norden und fotografiere gerne das Meer. Und wenn ich mal richtig viel Zeit habe, werde ich an die Barentssee fahren.
Catrin arbeitet mittlerweile nicht mehr bei SMA.

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1 Kommentar

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    Sandeep. Johal

    23. August 2013 um 21:35

    Ich finde diesen Artikel sehr interessant und stimme Ihnen zu wüsste sehr gern wo sie in Indien im Norden beispielhaft diese Anlage errichtet haben, so daß man sich diese in Indien ansehen kann

    Liebe Grüsse
    Sandeep Johal

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