Mehr Sonne braucht der Tank

Elektrisch fahren ist heute schon kostengünstiger als mit dem Benziner, sagt Lisa Spangenberg. Als Expertin in Sachen Ladetechnologie weiß sie genau, wo es derzeit noch an Schubkraft für die Energiewende auf der Straße fehlt. Und sie erklärt, warum ihr Elektromobilität immer mehr Spaß macht.

 

Bis 2030 sollen in Deutschland nach Plänen der Bundesregierung bis zu zehn Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen sein. Was muss aus deiner Sicht passieren, um die Energiewende auf die Straße zu holen?

Die Ladeinfrastruktur muss konsequent ausgebaut werden. Es muss Lademöglichkeiten auch außerhalb der Städte geben, damit Mobilität flexibel bleibt. Und es müssen natürlich ausreichend Elektrofahrzeuge verfügbar sein. Es gibt zwar immer mehr elektrischen Fahrzeuge mit praxistauglichen Reichweiten, aber die Lieferzeiten sind teilweise sehr lang. Erfreulich sind die vielen Förder- und Prämienmodelle, denn damit steigt die Akzeptanz in der Bevölkerung. So waren zum 1. Juli 2020 gemäß der KBA-Zulassungszahlen 360.223 Fahrzeuge mit Elektro- oder Plug-In-Hybrid-Antrieb auf deutschen Straßen zugelassen. Und im September machten diese Kraftstoffarten sogar ein Fünftel aller Neuzulassungen aus.

Insgesamt wünsche ich mir noch mehr Aufklärungsarbeit. Vorurteile gegenüber Elektromobilität müssen dringend abgebaut werden.

 

Gängige Vorurteile sind die mangelnde öffentliche Ladeinfrastruktur, lange Warteschlangen an den Ladesäulen und Bezahlchaos. Kannst du damit aufräumen?

Es tut sich viel. Automobilhersteller und Ladesäulenbetreiber bündeln ihre Expertise in Joint Ventures wie Ionity und investieren in europaweite Netzwerke aus Schnell-Ladestationen mit einheitlichen Preisen. Im Oktober ist am Autobahnkreuz Hilden bei Düsseldorf Europas größter Schnell-Ladepark in Betrieb gegangen. Damit wird Elektromobilität genauso unkompliziert und flexibel möglich wie wir es von Verbrennern kennen.

 

Apropos: Diesel und Benzin sind aktuell so günstig wie lange nicht, lohnt sich ein Elektrofahrzeug überhaupt?

Die Solartankstelle zu Hause macht Elektromobilität besonders nachhaltig.

Tankstelle direkt vor der eigenen Haustür: Am nachhaltigsten lädt man sein Elektrofahrzeug mit eigenem Solarstrom oder über einen  Ökostromtarif.

Ganz eindeutig ja. Der Haushaltsstrompreis liegt in Deutschland derzeit bei rund 30 Cent pro Kilowattstunde. Die Fahrt mit einem VW eGolf und einem durchschnittlichen Verbrauch von 17,3 Kilowattstunden auf 100 km kostet dann 5,19 Euro. Der VW Golf TDI kommt bei 4,8 Litern Diesel auf 100 km auf 5,21 Euro. Und der Bundestag hat kürzlich einen CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne ab dem Jahr 2021 beschlossen, der in den kommenden Jahren weiter ansteigen soll. Dadurch steigen die Spritkosten ab dem nächsten Jahr in Deutschland um etwa 7 Cent pro Liter. Die generierten Einnahmen sollen zur Senkung des Strompreises durch Kürzung der Abgabe für erneuerbare Energien verwendet werden. Ein deutlicher Betriebskostenvorteil für Elektrofahrzeuge. Überhaupt punkten Elektrofahrzeuge bei den allgemeinen Betriebskosten mit Kfz-Steuerbefreiung, geringeren Wartungsaufwänden und häufig entfallenden Parkgebühren.

Wer sein Elektrofahrzeug dann auch noch mit Solarstrom vom eigenen Dach laden kann, spart sich sogar noch den Weg zur Tankstelle. Mit jeder Kilowattstunde Solarstrom im Tank spart der Nutzer etwa 20 Cent im Vergleich zur Ladung mit Netzstrom. Dann ist Elektromobilität unschlagbar ökologisch und ökonomisch.

 

Aber ich will ja nicht erst auf Sonne warten müssen, um losfahren zu können.

Die Wallboxen müssen intelligent sein und flexible Lademöglichkeiten bieten. Deshalb haben wir eine Ladelösung entwickelt, die beides kombiniert. Anwender können ihr Fahrzeug je nach Bedarf besonders schnell abfahrtbereit machen oder besonders nachhaltig und kostengünstig laden. Über eine intelligente Schnittstelle weiß die Wallbox genau, wann überschüssiger Solarstrom zum Laden zur Verfügung steht und kann über die automatische Phasenumschaltung von ein- und dreiphasigem Ladebetrieb selbst kleinste Mengen Solarstrom nutzen. Das lohnt sich bei geringer Einstrahlung in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden oder bei kleinen Solargeneratoren.

Lisas Tipp: Wer auf die Genehmigung des SMA EV Charger 22 beim Netzbetreiber verzichten möchte, kann die Wallbox bei der Inbetriebnahme durch seinen Fachhandwerker passwortgeschützt auf 11 kW begrenzen lassen. Dann ist eine einfache Anmeldung ausreichend. Die KfW bezuschusst den SMA EV Charger 22 dann sogar mit 900 €. Mit dem KfW-Zuschuss 440 fördert die KfW den Kauf und Anschluss von Ladestationen an privat genutzten Stell­plätzen von Wohngebäuden. Wichtig: Ihr müsst den Zuschuss über das KfW-Förderportal bean­tragen, bevor ihr euren SMA EV Charger bestellt. Anträge bei der KfW sind ab 24.11.2020 möglich.

 

Wie lädt man sein Fahrzeug ökologisch, wenn man keine eigene Solaranlage auf dem Dach hat?

Dafür kann man einen entsprechend regenerativen Stromtarif wählen. Viele öffentliche Ladestationen werden zudem ausschließlich mit grünem Strom betrieben.

 

Kauft man die Wallbox direkt beim Fahrzeughersteller?

Die meisten Fahrzeughersteller bieten einfache Ladelösung für Zuhause mit an. Wem es aber gleichzeitig um intelligentes Energiemanagement und das effiziente Laden mit Solarstrom geht, der sollte sich am besten schon im Vorfeld über geeignete Ladelösungen informieren. Denn nicht jede Ladestation lässt sich nachträglich in die Solaranlage integrieren.

 

Ersetzt die Batterie im Elektrofahrzeug künftig den Heimspeicher?

Diese Frage höre ich tatsächlich oft. Technisch sind einige Fahrzeugmodelle in der Lage, bidirektional zu laden. Die Schlagworte lauten „Vehicle-to-Home“ und „Vehicle-to-Grid“. Im ersten Fall lässt sich die Fahrzeugbatterie als Heimspeicher oder -erweiterung nutzen. Der zweite Fall bietet Möglichkeiten für die Teilnahme am Regelleistungsmarkt und damit den Zugang zur Energiewirtschaft.

Beides sind spannende Anwendungen. Aktuell sorgt die normativ vorgeschriebene galvanische Trennung der Gleichstromseite vom Wechselstromnetz beim DC-Laden aber noch für sehr hohe Anschaffungskosten und ist daher wenig attraktiv. Möglicherweise führt ein Wegfall der galvanischen Trennung (wie im Bereich der Solar-Wechselrichter vor einigen Jahren geschehen) zu einem Durchbruch. Wir beobachten die Entwicklungen in diesem Bereich mit großem Interesse. Der Heimspeicher ergänzt das Laden des Elektrofahrzeugs mit Solarstrom sinnvoll.

 

Wie überzeugst du einen Skeptiker zu elektrischem Fahren?

Ich lade ihn zu einer Probefahrt mit einem Elektrofahrzeug ein. Der mit dem Drehmoment einhergehende Fahrspaß ist einfach genial und stellt sogar Sportwagen in den Schatten. Ich habe mich im Sommer in das Abenteuer Urlaub mit dem Elektroauto gestürzt. Auf insgesamt knapp 1.300 Kilometern habe ich acht AC- und DC-Ladestationen getestet. Verfügbare Ladepunkte hat mir eine App zuverlässig angezeigt und die Freischaltung wie Bezahlung funktionierten problemlos. Ein angenehmer Nebeneffekt: Man kommt sehr schnell mit anderen Interessierten in Kontakt. So ist die Wartezeit beim Laden sehr kurzweilig. Das muss man einfach selbst ausprobieren. 😉

 

Zur Person

Eigentlich spielten die Themen Solar- und Windenergie schon immer eine Rolle in Lisas Lebenslauf. So wundert es nicht, dass sie bereits während ihres Studiums Regenerative Energien und Energieeffizienz als Werksstudentin die Themen Energiemanagement und Energieeffizienz begleitet und mit der Ausbildung zur Elektronikerin praktisch untermauert hat. Danach startete sie als Produktmanagerin Power Conversion Home bei SMA und blieb damit ihrer Begeisterung für die innovative und nachhaltige Nutzung von erneuerbaren Energien treu. Heute ist sie auf intelligente Solarstrom-Technologien für haushaltsübliche Anwendungen spezialisiert.

Ihr wollt mehr zu unseren Ladelösungen erfahren?

3 Kommentare
  1. Avatar
    Michael sagte:

    Hallo,

    gibt es für mich als Ing. der Elektrotechnik auch ohne Grid Guard Code die Möglichkeit einen 22kW Charger auf 11kW zu begrenzen (vielleicht zeitlich begrenzt innerhalb der Installationsphase wie bei den Wechselrichtern) ?
    Trotz KFW Förderung möchte ich die Kosten für eine Installation gering halten und daher selbst installieren.
    Grundsätzlich würde mir der 7,4kW Charger genügen, es scheint aber, dass die KFW Förderung fix eine 11kW Leistung vorraussetzt. ist das so richtig?

    Danke und viele Grüße

    Antworten
    • Christiane Keim
      Christiane Keim sagte:

      Hallo Herr Feltgen,

      für eine KfW-Förderung werden exakt 11 kW Ladeleistung vorausgesetzt.

      Beste Grüße
      C. Keim

      Antworten

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