E.on will grün werden – kleine Presseschau zum Radikalumbau von Deutschlands größtem Energiekonzern

Von am 1. Dezember 2014 in der Kategorie Energiewende mit 10 Kommentare
Eon will grüner werden

Der Strom- und Gaskonzern E.on steht vor dem größten Umbau seiner Konzerngeschichte. Die Nachricht vom späten Sonntagabend hat heute für Schlagzeilen gesorgt. Unter dem Druck der Energiewende will der größte deutsche Energiekonzern seine Atom-, und Kohle- und Gaskraftwerke in eine neue Gesellschaft ausgliedern, berichtete tagesschau.de am Sonntagabend.

Stattdessen will sich E.on auf das Geschäft mit Erneuerbaren Energien, Energienetzen und Kundenlösungen konzentrieren. Eine Nachricht, die wirklich das Zeug hat, eine Zeitenwende einzuläuten. Wir haben für euch ein paar Pressestimmen eingefangen:

Die Süddeutsche bezeichnet den unter höchster Geheimhaltung geplanten Umbau als einen „Paukenschlag“. „Kein anderer Energiekonzern in Europa hat sich bislang so radikal vom Geschäft mit fossilen und nuklearen Kraftwerken getrennt“.

 

‚Mutiger Schritt mit Vorbildcharakter‘

Analysten ordnen in der Berichterstattung auf Tagesschau.de den radikalen Umbau E.ons als einen mutigen Schritt ein, der auch Vorbild für andere Versorger in Europa sein könnte.

 

‚Schulden und Energiewende zwingen zur Radikalkur‘

Für die Deutsche Presseagentur (dpa) kommt die Nachricht einem Frontbruch in der Energiebranche gleich: „Bis zum Sonntagabend schienen die Fronten in der Energiebranche in Deutschland noch halbwegs intakt“, featured die dpa an. „Auf der einen Seite die großen Konzerne um E.on, RWE & Co, die lange Zeit die Sirenen der Energiewende nur zögerlich wahrnahmen. Auf der anderen der zunehmende politische und gesellschaftliche Druck und viele kleine Mitspieler, die längst auf die erneuerbaren Energien setzen.“ Und weiter: „Der drückende Schuldenberg und die Energiewende zwingen den Konzern zur Radikalkur.“

 

Fazit

Der größte deutsche Energiekonzern sagt: Es gibt keine Alternative zur Energiewende. Die Nachricht ist ein deutliches und dringend notwendiges Zeichen in die richtige Richtung. Das begrüßen wir ausdrücklich! Wir hoffen, dass den Worten auch sehr bald Taten folgen.

 

Hier ein paar kritische Einschätzungen der Energieblogger:

E.ON will aus der Stromerzeugung aussteigen (stromhaltig.de – unter Aktuelles)

E.ON-Spaltung: Was passiert mit den Atomrückstellungen? (energie-experten.org)

Die Zukunft der abgebrannten Energien (Sonnenflüsterer)

E.ONS radikaler Kurswechsel (StromAuskunft Stromblog)

 

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Alles was mit Texten rund um das Thema Finanzen und den Geschäftsbericht zu tun hat
Was selbst meine Kollegen nicht von mir wissen:
Zur Grundschulzeit habe ich mit einer Freundin auf großen Papierbögen eine Kinderzeitung entworfen. Erstes Skandalthema war, dass Jugendliche nach einem Karnevalsumzug alle Luftballons kaputt gemacht haben. Was für eine Gemeinheit!

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10 Kommentare

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    Jan Gesthuizen

    2. Dezember 2014 um 18:28

    Ich denke auch, dass man sich nicht zu früh freuen sollte. Der Begriff der „Bad Bank“ ist ja schon mehrfach gefallen. Und am Ende zahlen die Steuerzahler für den Atomausstieg. Allerdings ließe sich das bei den Schulden die E.ON hat wohl auch ohne Aufspaltung kaum noch verhindern: http://www.sonnewindwaerme.de/panorama/eon-lagert

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      Anja Jasper

      3. Dezember 2014 um 15:52

      E.on nimmt hier einen sehr radikalen und konsequenten Strategiewechsel vor. Und bei sachlicher Betrachtung ist es wahrscheinlich eine richtige Entscheidung, den Konzern auf diese Weise zukunftsfähig(er) aufzustellen. In jedem Fall sendet E.on hier starkes Signal – und das ist aus Sicht der Erneuerbare Energien-Branche, trotz aller berechtigten und unberechtigten Zweifel an den wahren Motiven, zu begrüßen.
      Große Unsicherheit gibt es bezüglich der Rückstellungsthematik, wobei E.on ja bereits mitgeteilt hat, dass die bestehenden Rückstellungen für Rückbau und Entsorgung kerntechnischer und konventioneller Anlagen durch die bilanzielle Ausstattung der neuen Gesellschaft „in vollem Umfang abgedeckt würden“. Kritiker bezweifeln nun, ob die Mittel angesichts der Krise im Kraftwerksgeschäft in einigen Jahren noch zur Verfügung stehen. Bilanzielle Rückstellungen können aber weder aufgelöst noch verschoben werden. Daran ändert auch der Konzernumbau nichts. Rückstellungen sind bilanzielle Posten, sie sind nicht insolvenzsicher. Dass die Politik hier viel aktiver werden müsste, ist richtig. Das war aber auch vor dem Strategiewechsel schon der Fall.
      Ich denke, es ist vor allem den E.on-Beschäftigten zu wünschen, dass der Konzern mit seiner Fokussierung auf Erneuerbare Energien einen Weg aus der Krise findet.

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    Martin

    2. Dezember 2014 um 13:31

    Und ihr freut euch noch darüber? Ist euch den nicht bewusst, was das im Endeffekt bedeutet?
    Eon gibt, genau wie Vattenfall, das Deutschland-Geschäft einfach auf.
    Die haben die Hoffnung verloren, jemals mit konventionellen Kraftwerken hier Geld verdienen zu können.

    … Und jetzt ratet mal, warum Gabriel Vattenfall anbettelt, doch bitte bitte nicht aus der Braunkohleverstromung auszusteigen.

    Bei ENBW und bei RWE kann der Staat die Versorger noch eine Weile dazu zwingen, den unrentablen konventionellen Kraftwerke weiterzubetreiben, aber EON ist der Zug abgefahren.

    Und was meint ihr den, wer die notwendigen konventionellen Kraftwerke in Zukunft betreiben wird, wenn sich kein Unternehmen dazu bereit erklärt? Und was meint ihr, wer das ganze dann bezahlt 😉

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      marty

      2. Dezember 2014 um 20:44

      Bin genau der Meinung wie Martin. Mit konvetionellen Kraftwerken lässt sich in Deutschland auf lange Sicht kein Geld mehr verdienen. Auf den ersten Blick liest sich das toll, da man annimmt, dass diese konventionelle Energie von „sauberer“ Energie verdrängt wurde. Genau das Gegenteil ist der Fall!

      Die konventionelle Energie wird mehr gebraucht denn je! Denn wer stabilisiert das Netz? Das kann kein zufällig gelieferter Strom leisten. Hier wird die Jahrzehnte lang aufgebaute Energieversorgung ohne Not vor die Wand gefahren. Zahlen darf der Steuerzahler und Stromkunde.

      Und an SMA kann man super ablesen was eine mit Subventionen künstlich aufgepumpte Branche zu leisten vermag wenn diese Subventionen zurückgefahren werden. Nämlich nicht allzu viel!

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      kilian

      5. Dezember 2014 um 11:12

      Ist es denn wirklich so wie Marty schreibt? „Die konventionelle Energie wird mehr gebraucht denn je! Denn wer stabilisiert das Netz?“ Diese Argumentation höre ich oft. Sie dient als Begründung dafür, dass man 100 % erneuerbaren Strom ad absurdum führt. Im folgenden Blogartikel wird die Aussage mit einer Fraunhofer-Studie untermauert: https://www.dialog-energie-zukunft.de/war-watt-der-lange-weg-der-erneuerbaren/#inhalt
      Mehr den je kann nicht sein. Es ist vielmeht so, dass man diese nur sukzessive Rückbauen kann und eventuell langfristig eine Restkapazität erhält.

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        Martin

        12. Dezember 2014 um 11:34

        Dein Link belegt doch sehr treffend, warum wir einen konventionellen Kraftwerkspark benötigen.
        Und wenn der Marktwirtschaftlich nicht betrieben werden kann, dann muss der Staat die Kraftwerke übernehmen, was für eine andere Wahl hat er den sonst. Wer glaubt, dass der Staat das besser und billiger kann, der solle bitte mal ein Blick auf Elbphilharmonie und BER werfen 😉

        90% des Stromes stammten im Oktober aus konventionellen Kraftwerken, bei Kosten der „Erneuerbaren“ von 16 Milliarden Euro im Jahr. Da kann sich wohl jeder leicht ausrechnen, was 100% erneuerbare Kosten würde.
        Im übrigen vielen Dank für den Link, da wird auch sehr schön mit dem Unsinn „Kombikraftwerk 2“ aufgeräumt, schlicht unbezahlbar.
        Und wie „Wettbewerbsfähig“ die Solarbranche nach Abschmelzen der Subventionen ist, führt SMA ja exemplarisch mit ihren Quartalszahlen vor.

        Was Eon hier tut, und was die anderen Versorger wohl nachmachen werden, ist sich schlicht aus der Versorgungsicherheit zu verabschieden. Und das die „Erneuebaren“ das nicht können, steht in ihrem Link.
        (Wahlweise auch bei Agora Energiewende, man sehe sich den Anteil der Erneuerbaren der letzten Woche an)

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    Kilian Rüfer

    2. Dezember 2014 um 12:03

    Der Optimismus ist verfrüht. Der Energieversorger will sich in zwei Gesellschaften aufteilen. Eine saubere und eine schmutzige. Das heißt noch lange nicht, dass die schmutzige Hälfte alles abschaltet. Es gibt einfach ein grünes und ein schwarzes Schild. Vielleicht aber beginnen diejenigen mit dem grünen Schild ernsthaft zu investieren – in Technik, Lobby usw. Das könnte der gute Nachrichtenteil sein. Probleme kann man nicht verkaufen. Die Schweden haben eine ähnliche Strategie. Darüber hatte ich mich einmal im Blog ausgelassen: http://blog.sustainment.de/?p=3013

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    Thorsten Zoerner

    1. Dezember 2014 um 18:52

    Persönlich würde ich das „Green Washing“ nicht weiter tragen. Die „Energienetze“ sind die neue Cash-Cow für die 4 großen. Hier wird mehr Geld von den Stromverbrauchern bezahlt, als für den Bereich EE. Bei der Meldung in meinem Blog (Danke für die Verlinkung!), hatte ich daher den Bereich den PR-Teil der Meldung vollständig ausgeblendet.

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