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Speicher und Energiemanagement sichern Effizienz und Wirtschaftlichkeit

Was macht eine PV-Anlage wirklich effizient? Ein Gespräch mit Mark Bührmann, Umweltfreundliche Haustechnik GmbH, über moderne Zählerschränke und die Rolle regionaler Installationsbetriebe. Einblicke in den Arbeitsalltag eines Planers und Elektroinstallateurs – mit wertvollen Tipps für Betreiber*innen.

 

Mark, welches ist die wichtigste Komponente im Energiesystem?

Ganz klar der Zählerschrank! Hier führen alle Wege zusammen. Wallbox, Wärmepumpe, Heizstäbe, PV-Anlage, Batterie und natürlich das Haus mit seinen ganzen normalen Verbrauchern.
Durch die Einführung der Intelligenten Messsysteme wurde er in seiner Wichtigkeit noch einmal gefestigt. Hier laufen stromführende Kabel und Kommunikationskabel zusammen, die die Umsetzung des Smart Grids mit seinen Schalt- und Messvorgängen überhaupt erst ermöglichen.
Deshalb ist es wichtig, dass die Zählerschränke dem aktuellen Standard entsprechen. Für die Kund*innen bedeutet das leider oft erstmal zusätzliche Kosten – auch wenn sie eigentlich „nur“ eine PV-Anlage bauen wollen.

 

Worauf sollten Interessenten bei der Auswahl des Installationsbetriebs unbedingt achten, wenn sie eine PV-Anlage beauftragen?

Regionale Installationsbetriebe sind oft eher an einem gesunden Kund*innen-Verhältnis interessiert als überregional operierende Unternehmen. Denn wenn es vorrangig um Vertragsabschlüsse geht, zählen einzelne Kund*innen oft weniger, da es ja noch genug andere Projekte gibt. Regionale Anbieter wissen es zu schätzen, dass glückliche Kund*innen mindestens einen oder mehrere Neukund*innen generieren, in der Nachbarschaft oder im Freund*innen- und Bekannt*innenkreis. So profitieren beide Seiten.

Verbindlichkeit ist außerdem wichtig. Nichts ist schlimmer, als wenn auf die Vertragsunterzeichnung eine Odyssee von ein- bis zweijähriger Bauzeit folgt. Und dann gilt noch die Daumenregel: je aggressiver die Werbung, desto vorsichtiger sollten Interessent*innen sein!

 

Bei euch im Betrieb arbeiten vom Dachdecker bis zum Elektroinstallateur unterschiedliche Gewerke unter einem Dach. Warum habt ihr euch bewusst dafür entschieden?

Als Unternehmen im Bereich der regenerativen Energien ist hohe Flexibilität Tagesgeschäft. Diese Erfahrung der letzten 30 Jahre haben uns unsere Vorgänger*innen mit auf den Weg gegeben. Es gab gute und schlechte Zeiten. In den Schlechteren war und ist es immer von Vorteil, dass wir viele Disziplinen beherrschen. So konnten wir uns schnell und zielgerichtet an die Marktsituationen anpassen.
Die zweite Säule der Firma ist der Bereich Sanitär-Heizung-Klima (SHK). Das Team realisiert parallel zur Bäder-Installation auch Heizungsanlagen wie Brennwerttechnik, Holz- bzw. Pellet-Zentralheizungen, Solarthermie und inzwischen natürlich auch Wärmpumpen für die Kund*innen.

Dachdecker ziehen Photovoltaik-Module auf ein Hausdach.Sonne aufs Dach: Die Montage der PV-Module gehört mit zum Portfolio bei der Umweltfreundliche Haustechnik. Foto: UFH

Wobei hakt es im Arbeitsalltag am meisten?

Momentan glücklicherweise an nichts Nennenswertem. Aber in Zeiten der Lieferketten-Engpässen durch den russischen Angriffskrieg und Corona sind wir an unsere äußersten Grenzen gekommen. Wir konnten uns nicht, wie viele andere Betriebe, die Lager füllen mit Wechselrichtern und Alu-Gestellen, sodass wir teilweise bei Ebay und im privaten Bereich nach Material für unsere Kund*innen suchten. Die Auswahl der Aufträge musste dann nach der Sichtung des vorhandenen Lagerbestands entschieden werden und nicht andersherum.

 

Ihr seid schon sehr lange in der Branche tätig. Welche Entwicklung habt ihr dabei durchgemacht?

Mit mehr als 30 Jahren am Markt sind meine Vorgänger*innen echte Pioniere der regenerativen Energien in Nordhessen und Südniedersachsen.

Neben den genannten heftigen Krisen ist das ständige Auf und Ab der EEG-Förderung immer wieder eine Herausforderung. Entweder sorgen Förderprogramme für ein extrem hohes Auftragsvolumen, dass insbesondere von kleineren Betrieben zeitgleich gar nicht wirklich erfüllt werden kann. Umgekehrt führte der kontinuierliche Rückgang der Förderung einige Betriebe in die Insolvenz. Auch nach dem Supergau in Fukushima (siehe Info-Box unten) hat niemand in der Branche verstanden, warum genau hier die Förderungen für PV-Anlagen durch die Bundesregierung so drastisch verringert wurde. Das hat in den Betrieben zu Personalkürzungen geführt. Auch ich musste dadurch der Solarbranche für einige Zeit den Rücken kehren. Trotz aller Widrigkeiten erfüllt es mich jeden Tag neu, die Energiewende mitzugestalten.

 

 

„Regionale Installationsbetriebe sind oft eher an einem gesunden Kund*innen-Verhältnis interessiert als überregional operierende Unternehmen.“ – Mark Bührmann

 

 

Womit grenzt ihr euch vom Wettbewerb an?

Durch unseren Fullservice-Charakter im Bereich Energieversorgung. Wir können fast alles – angefangen beim Zählerschrank über Gerüstbau samt PV-Installation bis zur Zuwasser-, Abwasser- und Regenwasserversorgung einschließlich Beratung und Einbau von Wärmepumpen, Holz-, Pellet oder Gasheizungen. Wenn jemand dann irgendwann wirklich ZUVIEL Energie hat, helfen wir, sie sinnvoll im Elektroauto oder einem Pufferspeicher als Warmwasser zu „parken“. Auch den Einsatz von Systemen zur Home-Automatisierung z.B., um Heizkörper intelligent zu steuern, unterstützen wir.

 

Welches war für dich die wichtigste Entwicklung innerhalb der Branche?

Das war eindeutig der Beginn der Wirtschaftlichkeit von Speichern in Verbindung mit dem Energiemanagementsystem. Die intelligente Steuerung von Erzeugung und Verbrauch ist total sinnvoll. Und in Zeiten der 60-Prozent-Regel oder ehemals 70 Prozent sowie durch Paragraph14 EnWG ist die Abregelung von Wallbox, Wärmepumpe und Batterie sehr wichtig geworden, um die auf dem Dach mühsam erzeugte Energie nicht wieder teilweise zu verlieren (siehe dazu auch Info-Boxen unten).

 

Wie oft kommt es eigentlich vor, dass eure Kund*innen ihre Anlage modernisieren möchten?

Momentan rüsten wir fast täglich Batterien nach. Und nach etwa 20 Jahre werden oft die PV-Module getauscht.

 

Wie oft rückt ihr in Sachen Service aus? Wo liegen die meisten Fehlerquellen?

PV-Anlagen sind zum Glück weitestgehend wartungsfrei, daher bieten wir auch keine Wartungsverträge an. Hin und wieder kommt es vor, dass Wechselrichter getauscht werden müssen. Dies ist aber völlig legitim, da über die Geräte ja auch ordentlich Leistung verarbeitet wird. Leider werden sie manchmal von den Besitzenden auch nicht wirklich gut behandelt. Wenn sie zu viel Staub ausgesetzt sind oder mangelnde Lüftungsmöglichkeiten vorhanden sind, liegt es auf der Hand, dass Defekte auftreten können. Da gibt es oft Optimierungspotenzial.

Was uns gerade umtreibt, ist der großflächige Austausch von PV-Modulen eines namhaften Herstellers, der auch weltweit Mineralöle herstellt. Diese holen wir derzeit fast wöchentlich bei Bestandskund*innen von den Dächern. Die haben keine 20 Jahre überlebt, weil die Leiterbahnen der Wafer korrodiert sind oder unterdimensioniert produziert wurden. Die Kommunikation dazu mitsamt der Bürokratie des Herstellers zur Abwicklung der Garantie kostet uns wertvolle Zeit. Die fehlt uns dann beim Neubau von PV-Anlagen.

Drohnenaufnahme einer großen Photovoltaikanlage zur Inspektion von Modulen

Aus der Vogelperspektive: Per Drohneninspektion werden defekte PV-Module identifiziert. Das ermöglicht gezielte Wartungsmaßnahmen. Bild: UFH

 

Die wichtige Komponente „Zählerschrank“ hatten wir schon. Welches ist deine Lieblingskomponente an der PV-Anlage?

Ich mag besonders das Energiemanagementsystem und seine Fernwartungs-Fähigkeit. Damit kann ich unseren Kund*innen im Fall der Fälle sehr unmittelbar helfen ohne direkt vor Ort sein zu müssen.

 

Was wünschst du dir von der aktuellen Bundesregierung?

Mehr Durchsetzungsfähigkeit gegenüber den Netzbetreibern und die Gleichschaltung der Vergütung von Netzbezug zu Netzeinspeisung.

Weniger Bürokratie für Netzanmeldungen wäre außerdem sinnvoll. Insbesondere beim Ausbau der regenerativen Energien in Privathaushalten wäre das ein großer Schritt für den Klimaschutz.

 

Wo können die Hersteller noch optimieren?

Ich würde einheitliche Kommunikationsschnittstellen zwischen Wärmepumpe und Energiemanagementsystem (SG-Ready) sowie zwischen Batterie- und Hybrid-Wechselrichtern sehr begrüßen.

 

Was war die bisher kurioseste Anlage, die du geplant hast?

Besondere Anlagen waren eine Offgrid-Anlage für ein Tiny House sowie eine PV-Anlage für eine komplette Tiny House-Siedlung. Auch auf einem Hausboot habe ich schon mal eine Anlage installiert.

 

Welche PV-Anlage möchtest du unbedingt noch realisieren?

Ich würde gerne mal eine Freifeld-Anlage planen und bauen.

 

Es erfüllt mich jeden Tag neu, die Energiewende mitzugestalten.– Mark Bührmann

 

Gibt es Aufträge, die ihr nicht annehmt?

Ja, wenn die PV-Anlage durch veraltete Zählerschränke unwirtschaftlich wäre. Oder wenn keine Hauswirtschaftsräume vorhanden sind und sich der Zählerschrank im Flur oder Treppenhaus befindet.

Auch die Installation von Balkonkraftwerken übernehmen wir nicht. Hier ist eher Eigenarbeit oder die Beauftragung eines Metallbau-Unternehmens die richtige Wahl für die Kund*innen.

 

Welche Weiterentwicklung ist dir sonst noch wichtig?

Ich würde mich freuen, wenn Salzbatterien zu einem günstigen Preis verfügbar wären. Denn Salz gibt es ja wirklich genug – sogar im lokalen Radius ohne weite Transportwege! Dann könnten wir endlich auf den Einsatz seltener Erden verzichten.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Mark.

Zur Person:

Mark ist ein echter PV-Pionier. Schon seit 1997 installiert er PV-Anlagen auf Dächern in Südniedersachsen. Damals noch als Student im Nebenjob – PV-Anlagen waren damals noch eher selten.

Der gelernte Industriemeister übernimmt als Planer und ausführende Kraft die Fachverantwortung bei der Umweltfreundliche Haustechnik (UFH). Technisch macht ihm so schnell keiner etwas vor. Das entspricht auch seinem weiteren großen Interesse, der Medientechnik.

 

Das ist die Umweltfreundliche Haustechnik:

Die Umweltfreundliche Haustechnik ist ein Anbieter von Erneuerbaren Energien wie Solarenergie, Wärmepumpen und Regenwassernutzung in Verbindung mit Heizungstechnik Brennwert-, Pellet- sowie Holz-Zentralheizungen mit Sitz im südniedersächsischen Göttingen. Als Überzeugungstäter setzt die UFH seit der Gründung im Jahr 1986 auf neueste Technik und nachwachsende Rohstoffe als Primärenergieträger. Credo des Unternehmens ist Nachhaltigkeit, Kund*innen-Zufriedenheit, Work-Life-Balance und vor allem der Einsatz regionaler Produkte.

 

Hier findet ihr mehr Informationen zu wichtigen Themen aus dem Interview:

Die nukleare Katastrophe von Fukushima

Die Nuklearkatastrophe von Fukushima wurde durch das Tōhoku-Erdbeben und den folgenden Tsunami am 11. März 2011 ausgelöst, die das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi schwer beschädigten.

Durch den Ausfall der Stromversorgung und der Kühlsysteme kam es in drei Reaktoren zu Kernschmelzen sowie zu Explosionen und massiven Freisetzungen radioaktiver Stoffe. Die Katastrophe wurde auf der INES-Skala als Stufe 7 („katastrophaler Unfall“) bewertet, vergleichbar mit Tschernobyl.

Sie führte zur Stilllegung des Kraftwerks, langfristigen Dekontaminations- und Rückbauarbeiten über Jahrzehnte sowie zu weltweiten Veränderungen in der Atomenergiepolitik.

Kurswechsel in der Energiepolitik in Deutschland

In Deutschland folgte auf  die Katastrophe von Fukushima ein politischer Kurswechsel in der Energiepolitik. Im Jahr 2010 hatte die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel noch eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke beschlossen. Kurz nach der Nuklearkatastrophe  ließ die Regierung im März 2011 mit dem „Atom-Moratorium“ alle Kernkraftwerke einer Sicherheitsprüfung unterziehen. Die sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke wurden sofort stillgelegt.

Im Juni 2011 beschlossen Bundestag und Bundesrat den endgültigen Atomausstieg: Alle deutschen Kernkraftwerke sollten schrittweise bis 2022 abgeschaltet werden. Im Jahr 2023 ging das letzte deutsche Kernkraftwerk endgültig vom Netz. Insgesamt beschleunigte die Nuklearkatastrophe von Fukushima den Atomausstieg in Deutschland deutlich und leitete eine stärkere Ausrichtung auf erneuerbare Energien ein.

Quelle: Wikipedia

Was ist die 60-Prozent-Regel?

Seit 25. Februar 2025 gilt das „Solarspitzen-Gesetz“. Unter anderem gilt eine 60-Prozent-Kappung für PV-Anlagen: Neue Photovoltaikanlagen ab 2 kWp ohne intelligentes Messsystem dürfen nur noch 60 Prozent ihrer maximalen Wirkleistung ins Netz einspeisen. In Anlagen größer 25 kWp sind weitere Steuerungssysteme erforderlich, Direktvermarktungsanlagen sind ausgenommen.
Technisch umgesetzt wird sie durch Software im Wechselrichter oder Energiemanagementsysteme (EMS). Die Begrenzung bezieht sich auf Erzeugungsspitzen, nicht auf den Jahresertrag. Für Anlagen mit nach Süden ausgerichteten PV-Modulen sind die Verluste daher höher als für Ost-West-Anlagen.
Batteriespeicher und Eigenverbrauchsoptimierung sowie die Ausrichtung der PV-Module nach Ost-West helfen, die Ertragsverluste zu minimieren.

Was bedeutet §14a EnWG?

Das Energiewirtschaftsgesetz EnWG regelt mit § 14a die netzorientierte Steuerung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen (z. B. Wallboxen, Wärmepumpen, Klimaanlagen, Stromspeicher) mit dem Ziel, Überlastungen im Niederspannungsnetz zu vermeiden und die Netzintegration großer Verbraucher sicherzustellen. Für Verbrauchseinrichtungen mit einer Anschlussleistung über 4,2 kW, installiert ab dem 1. Januar 2024 gilt:
Bei drohender Netzüberlastung kann der Netzbetreiber den Leistungsbezug dieser Geräte auf 4,2 kW drosseln/dimmen (Mindestversorgung bleibt gewährleistet). Dafür müssen die Geräte steuerbar sein, entweder direkt oder über ein Energiemanagementsystem.
Für Bestandsanlagen vor dem 1. Januar 2024 gelten bis Ende 2028 Übergangsregelungen.
Mit intelligentem Energiemanagement und einem optionalen Batteriespeicher lässt sich die Drosselung minimieren oder sogar ganz umgehen.

Hier findet ihr mehr Tipps dazu.

Was war die 70-Prozent-Regel?

Die 70-Prozent-Regel war eine Vorschrift für PV-Anlagen in Deutschland, nach der die Einspeiseleistung der Anlage auf 70 % ihrer maximalen Nennleistung begrenzt werden musste. Sie wurde mit dem EEG 2012 gesetzlich verankert und ist seit dem 1. Januar 2023 aufgehoben (Neuanlagen bis 25 kWp und Bestandsanlagen bis 7 kWp, größere Anlagen müssen jedoch weiterhin ein Einspeisemanagement betreiben). Ziel der 70-%-Regel war es, Spannungsspitzen und Überlastungen in den Verteilnetzen zu vermeiden.
Die Begrenzung erfolgte durch eine feste Einstellung am Wechselrichter oder durch ein Energiemanagementsystem, das die Einspeisung durch Eigenverbrauchsoptimierung regulierte.

Mehr Infos gibt es auf der Seite der Clearingstelle EEG und KWKG

 

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