Lithium on the rocks: Seethalerhütte setzt auf Solarstrom

Die neue Seethalerhütte liegt auf knapp 3.000 Metern in der Gletscherregion Dachsteingebirge. Für die passende Energieversorgung brauchte es ein nachhaltiges Konzept und viel logistische Expertise. Der Hubschrauber an der Gipfelkante und permanenter Wind gehörten für Heimo Modre und sein Team zum Arbeitsalltag. Zur Belohnung gab es einen grandiosen Ausblick und ein Projekt, das seinesgleichen sucht.

Frostige -12 Grad und Schneeverwehungen herrschen derzeit rund um die Seethalerhütte auf 2.740 Metern in der Gletscherregion Dachsteingebirge, Österreich. Frostbeulen indes gibt es in Österreich aber nicht, sondern nur warme Kleidung. Und die gehörte in den vergangenen Monaten für Alpinist und Projektingenieur Heimo Modre zur täglichen Arbeitsausrüstung. Trotz der eher widrigen Bedingungen gab es für ihn wenig schönere Orte als die Seethalerhütte.

Denn deren Energiekonzept haben er und sein Team der Solare Energie GmbH aus Waidhofen an der Ybbs in den vergangenen Monaten hier installiert. „Ich habe hier in den letzten beiden Jahren fast mehr Zeit verbracht als daheim im Wohnzimmer“, berichtet Heimo. „Aber für das, was hier entstanden ist, hat es sich auf jeden Fall gelohnt.“ Und er muss es wissen: Bereits 1989 hat er das erste Inselsystem mit Solaranlage für eine Schutzhütte realisiert und ist diesem Segment seither treu geblieben.

Energieversorgung auf Basis natürlicher Quellen

Eine Anerkennung für die herausfordernde Arbeit auf knapp 3.000 Höhenmetern hat die Solare Energie GmbH schon jetzt sicher. Am 22. März präsentierte Heimo sein Energiekonzept „Lithium on the rocks“ für den Neubau der Seethalerhütte im Rahmen des Wettbewerbs „kreativ in die Zukunft“ vor der Wirtschaftskammer Niederösterreich. Welches innovative Projekt gewinnt, entscheidet die Jury dann am 12. April. Wir werden berichten.

Genießt hier die besonderen Momente der Bauphase und werft einen Blick hinter die Kulissen der Seethalerhütte.

 

3 Fragen an den Projektierer Heimo Modre:

Heimo Modre, Projektingenieur von Solare Energie GmbH

Heimo Modre, Projektingenieur von Solare Energie GmbH

Was ist die größte Herausforderung in einem Projekt wie der Seethalerhütte?

Besonders herausfordernd ist hier die Logistik. Die gesamte Abwicklung musste auf knapp 3.000 Metern Seehöhe an der Gipfelkante per Hubschrauber am Tau gehandelt werden. Der ständige Wind war uns nicht immer wohlgesonnen, aber das Team hat hervorragende Arbeit geleistet.

Dein persönliches Highlight im Projekt

Erstens die Sonnenaufgänge! Es ist ein absolutes Privileg, an solchen Plätzen der Erde arbeiten zu können. Und zweitens macht es einfach große Freude mit den qualitativ hochwertigen Komponenten von SMA und Tesvolt zu arbeiten. Gerade an diesen Orten ist es wichtig, dass man sich auf die Technik und den Support verlassen kann, und das können wir hier zu 100 Prozent. Da ist auch der Österreichische Alpenverein als Auftraggeber hervorzuheben, der auch auf höchste Qualität und Expertise setzt.

Deine Ziele für 2019?

Wir wollen als hochspezialisiertes Team viele weitere Projekte realisieren, in denen wir die natürliche Energie der Erde nutzen, um unsere Partner und Kunden zufrieden zu stellen.

 

Nachhaltiger Alpen-Tourismus

Die Seethalerhütte wurde 1929 errichtet und bis vor einigen Jahren mehrfach umgebaut. Jedoch droht der Standort des beliebten Wanderziels in den österreichischen Alpen durch den Rückgang des Permafrosts in einen Felsspalt abzurutschen.

Für den Ersatzbau schrieb der Alpenverein Österreich im Februar 2016 einen Architekturwettbewerb aus. Die Auflagen: Material und Aufwand für den Bau sollten nachhaltig sein und dabei die rund 100 Jahre Lebensdauer einer Alpenhütte einbeziehen. Es galt Naturschutz, Umwelt, Alpinismus, Tourismus und Sicherheit in Einklang zu bringen. Der Vorschlag der dreiplus Architekten ZT GmbH aus Innsbruck überzeugte die Jury mit der geringstmöglichen Erschließungsfläche, einer fassadenintegrierten Solaranlage und Trinkwasseraufbereitung.

Energieversorgung Seethaler Hütte

Eine Solaranlage samt Batterie-Speicher und ein Rapsöl-Blockheizkraftwerk erzeugen den nötigen Strom und sparen die zuvor benötigten rund 1.200 Liter Diesel pro Saison ein. Die Solaranlage liefert rund 60 Prozent der elektrischen Energie, die verbleibenden 40 Prozent das BHKW.

Der Energieüberschuss wird in den Batterien zwischengespeichert und steht nach Bedarf zur Verfügung. Da die Seethalerhütte nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen ist, übernehmen die Sunny Island Batterie-Wechselrichter das Netzmanagement. Sie bilden das Inselnetz und sorgen automatisch dafür, dass immer die nötige Menge Energie zur Verfügung steht.

Das Rapsöl-BHKW dient als „Schlechtwetterversorgung“ und als Energieversorgung in den sonnenschwachen Monaten. Es speist überschüssige elektrische Energie ebenfalls in die Batterien. Die Wärme wird über einen Wärmetauscher ausgekoppelt und über eine Heizungspumpe in die Pufferspeicher geschichtet. Diese „Abwärme“ ist für Heizung und Brauchwasser-Erwärmung nutzbar. Der Gesamt-Wirkungsgrad des BHKW beträgt damit über 80 Prozent.

 

Technische Daten Energieversorgung:

Photovoltaikgenerator:

Gesamtnennleistung 11,55 kWp

30 Solarmodule Sunpower X21 335

12 Ertex Solar Sondermodule

Photovoltaik-Wechselrichter:

1 SMA Sunny Tripower 9000TL-20

1 SMA Sunny Boy 4.0 1AV-40

Batterie-Wechselrichter:

3 SMA Sunny Island 8.0 H-12

230 Volt / 50 Hz

Nennleistung: 6,0 kW (18,0 kW im Drehstromnetz)

Batteriespeicher:

Tesvolt TS40

Nominaler Energieinhalt: 52,8 kWh

Monitoring:

1 SMA Data Manager M powered by ennexOS (vollumgreifendes Monitoring der Energieflüsse/Verbräuche, Remote Monitoring, Anbindung via LTE)

SMA Sunny Portal powered by ennexOS

2 x SMA Energy Meter

Blockheizkraftwerk (BHKW):

Typ: KWE 20P-4SI

Kraftstoff: Pflanzenöl

Betriebsweise: Inselbetrieb

Elektrische Leistung: 22 kVA

Zusätzliche Warmwasserbereitung:

2 x my-PV AC ELWA-F (überschüssige PV-Energie wird in den Heizungspuffer gespeist)

 

Fotos: Heimo Modre, Solare Energie GmbH

2 Kommentare
  1. Avatar
    Simon Butterweck sagte:

    Super tolles Projekt. Ich habe in den letzten Jahren noch viel zu oft den Diesel auf Berghütten (ja, auch auf nagelneuen) gesehen und gehört. Der Diesel passt ja überhaupt nicht zu der Ruhe und der Naturverbundenheit in den Bergen. Gerade im alpinen Bereich ist die Sonne so ausgeprägt, dass eine Versorgung durch diese eigentlich logisch sein müsste. Ich freue mich immer wieder, ein Teil dieser Entwicklung zu sein.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>