Wie ein solarbetriebenes Mikronetz das Leben von 1.000 Menschen verändert

von Raju Maharajan, Peak Power (Gastbeitrag), , 2 Kommentare

Im Dorf Gutu in Nepal leben rund 1.000 Menschen. Der Ort, rund 800 Kilometer von der Hauptstadt Kathmandu entfernt, musste bisher ohne öffentliche Stromversorgung auskommen. Jeder behalf sich irgendwie: Offenes Feuer und Rauch im Haus beim Kochen, ein riesiger Kerzenvorrat oder das Dröhnen des Dieselgenerators des örtlichen Metallverarbeitungsbetriebs gehörten zum Alltag. Seit neuestem können die Einwohner auf all das verzichten.

Quelle: Google Maps

Bisher war der Alltag in Gutu im Westen Nepals bestimmt vom natürliche Sonnenzyklus: Er begann mit Sonnenaufgang. Mit steigendem Sonnenstand lieferten einige kleine provisorische Solarkollektoren ein wenig und eher unzuverlässig Strom. Der reichte meist nur zum Laden der Smartphones.  Das Krankenhaus versorgte sich über eine eigene Solaranlage. Hier und da lärmte und stank ein Dieselgenerator vor sich hin. Haushaltsüblichen AC-Strom für Elektrogeräte gab es nicht. Gekocht wurde daher mit Holz in der Feuerstelle im Haus – Rauch inbegriffen. Abends endete der Tag dann ziemlich abrupt mit dem Sonnenuntergang. Denn wenn es hier dann schlagartig dunkel wird, geht ohne Strom nicht mehr viel. Nur Kerzen oder offenes Feuer spendeten dann noch spärliches Licht.

Sauberer Strom für Bewohner, Schule und Krankenhaus

Im März 2019 hat sich das öffentliche Leben für die 1.000 Einwohner jedoch komplett gewandelt. Seitdem sind 275 Haushalte, eine Post, Betriebe, Schulen, das Krankenhaus sowie Verwaltungsstellen an ein solarbetriebenes Mikronetz angeschlossen. Der Projektierer Peak Power hat ein Solarkraftwerk mit 100 Kilowatt aufgebaut. Es liefert über sieben Kilometer Freileitungen zuverlässig sauberen Strom für den Ort. Um für eine nachhaltige und faire Nutzung des Stroms in der Gemeinde zu sorgen, ist jedes Gebäude ist mit intelligenten Zählern verbunden. So haben die Bewohner ihre Energieversorgung jederzeit im Blick. Sie kaufen Energie im Voraus ein und reinvestieren das Geld in die Genossenschaft, die die Anlage betreibt.

Die Steuerung und Überwachung des Gesamtsystems ist über das Onlineportal Sunny Portal per 3G Internet möglich. Überschüssige Solarenergie bevorratet ein Batterie-Speicher, der sie nach Bedarf auch nach Sonnenuntergang zur Verfügung stellt. Das solare Mikronetz hat die Lebensqualität in Gutu innerhalb kürzester Zeit deutlich verbessert. Ein durch und durch nachhaltiges Projekt.

Neue Möglichkeiten für wirtschaftliche Entwicklung und Bildung

Das Krankenhaus, das Regierungsgebäude und die Bank können nun endlich ihre IT-, Kommunikationsgeräte sowie elektrische Geräte zuverlässig betreiben. Und die Schule kann ab sofort wieder den Computerraum nutzen, der wegen unzuverlässiger Stromversorgung seit Jahren außer Betrieb war. Licht und Heizung lassen sich einschalten, wann immer sie benötigt werden. Die Bauern im Ort profitieren von elektrischen Mahl- und Schälmaschinen und können ihre Ernte so schneller und besser verarbeiten. Hotels machen sich mit zuverlässiger Beleuchtung, Warmwasser oder Kabelfernsehen attraktiver für Touristen.

Im Kraftwerk selbst sind Vollzeit-Arbeitsplätze entstanden. Die Mitarbeiter sind unter anderem für die Wartung der Anlage und die Verwaltung des Abrechnungssystems zuständig und wurden entsprechend geschult.

Und gekocht wird ab jetzt im Reiskocher statt über dem Feuer – mit AC-Solarstrom, ohne Ruß und Luftbelastung. Die Kerzen und der Dieselgenerator haben weitestgehend ausgedient. Es ist viel ruhiger im Ort und auch die Luft ist deutlich klarer.

Ich habe gerne am Mikronetz für Gutu mitgewirkt und ich bin gespannt darauf, die positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität weiter mitzuerleben.

 

Anlagensteckbrief Gutu

 

 

2 Kommentare
  1. Avatar
    Ruuk Village sagte:

    Ein sehr schöne Projekt. Wir betreiben ein „Eco Friendly“ kite-schule in Sri-Lanka.
    Wir wollen eine kleine Solar Insel Lösung fur unsers Projekt. Aber leider wir finden keine Partner der uns diese Lösung in Sri-Lanka implementieren kann.
    Wir wollen eine Lösung mit Sunna-Island und Sunny-boy realisieren.
    hier ist unser geo location : http://www.tinyurl.com/ruukvillage

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    • Anke Baars
      Anke Baars sagte:

      Hallo,
      vielen Dank für das Interesse an unseren Lösungen. Ich habe die Anfrage an meinen Kollegen weitergeleitet, der Kontakt zu euch aufnimmt, um Details zu eurem Projekt zu besprechen.
      Viele Grüße, Anke

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