Was ist eine Kilowattstunde?

Dieser Artikel erschien 2013
Die Tipps und Techniken können möglicherweise veraltet sein.

Habt ihr euch diese Frage auch schon mal gestellt? Eine Kilowattstunde ist eine Einheit. Richtig. Hat was mit Strom zu tun. Auch richtig. Aber was man mit einer Kilowattstunde tatsächlich anstellen kann, können sicher die wenigsten aus dem Stegreif erklären. Deshalb freuen wir uns, dass wir Sabine E. Rädischs Blogbeitrag von „ecoquent-positions“ veröffentlichen dürfen. Herzlichen Dank, Sabine!

 

Sie erscheint auf der jährlichen Stromrechnung und beziffert unseren Heizenergieverbrauch, trotzdem ist sie für viele eine eher abstrakte Größe: Die Kilowattstunde. Sie ist quasi die Basiseinheit unseres Energieblogs. Aber mal ehrlich, wer kann schon aus dem Stand erklären, was eine Kilowattstunde ist, und in welchen Größenordnungen sie haushaltsüblich auftaucht? Ich versuch’s mal.

 

Energie ist Strom und Wärme – unter anderem

Aus dem Physikunterricht habe ich behalten, dass Energie “die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten” ist. Arbeit im physikalischen Sinne, das kann sein: Das Wohnzimmer von 17 Grad auf 20 Grad aufheizen, einen Berg erklimmen oder fernsehen. Wobei der Fernseher dann die Arbeit verrichtet, also elektrische Energie verbraucht, während wir selber möglicherweise Energie in Form von Kartoffelchips zu uns nehmen. Beim Essen ist immer noch die Einheit Kilokalorie gebräuchlich, doch die offizielle SI-Einheit der Energie lautet Joule, gleichbedeutend mit einer Wattsekunde.

 

1 Joule (J) = 1 Wattsekunde (Ws)

Das ist total wenig: Ein einziger Herzschlag verbraucht ungefähr 1 Joule. Zum Fahrradfahren, Bergsteigen oder für den Fernseher benötigen wir ein Vielfaches an Energie. Damit die Zahlen handhabbar bleiben, haben sich so genannteVorsätze eingebürgert, die eine Einheit jeweils um den Faktor 1000 erhöhen; so zum Beispiel k (Kilo) für 1000:

  • 1000 Joule = 1 kJ (Kilojoule)
  • 1000 Wattsekunden = 1 kWs (Kilowattsekunde)

Und weil auch eine Sekunde sehr kurz ist, bezieht man das Ganze auf Stunden. Eine Stunde hat 3.600 Sekunden.

 

1 Kilowattstunde (kWh) = 3600 Kilowattsekunden (kWs)

So kommt man zu handlichen Zahlen für den alltäglichen Energiebedarf bei Stromverbrauch und Heizung. Die Kilowattstunde Strom wird bei meinem Ökostromanbieter ab nächstes Jahr 26,75 Eurocent kosten – aber wie viel Strom verbrauche ich überhaupt? Ich habe gern eine Vorstellung von den Größenordnungen, um zu verstehen, wovon die Rede ist.

Ein Gefühl für die Größenordnungen

Der Strombedarf eines Vier-Personenhaushalts liegt bei gut 4.000 kWh im Jahr. Mit einer Kilowattstunde (1 kWh) Strom kann ich:

  •  eine Maschine Wäsche waschen
  • eine Stunde staubsaugen (1.000 W-Staubsauger)
  • sieben Stunden lang fernsehen
  • eine 10-Watt-LED-Lampe 4 Tage lang brennen lassen

Der Heizwärmebedarf eines zehn Jahre alten Hauses liegt größenordnungsmäßig bei 70 kWh pro Quadratmeter und Jahr, d.h. bei 140 Quadratmetern Wohnfläche gehen gut 10.000 kWh Heizwärme jährlich in das Haus, das entspricht etwa dem Energieinhalt von 1.000 Liter Heizöl.

 

Energie = Leistung x Zeit

Die Angaben in Watt (W) bezeichnen die Leistung des Verbrauchers, also die Energiemenge (Arbeit) pro Zeiteinheit. Umgekehrt errechnet sich der Energiebedarf aus der Leistung multipliziert mit der Zeit, z.B. im Fall des Staubsaugers mit 1000 W (= 1 kW) kommt heraus:
Eine Kilowattstunde ist eine Stunde Staubsaugen.

Der Originalbeitrag ist erstmalig am 12.12.2012 auf dem Blog ecoquent-positions erschienen. Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung.

Bildquelle: Petra Bork  / pixelio.de

2 Kommentare
  1. Peter Debie sagte:

    Hallo,
    der Artikel ist sehr verständlich aufgebaut. Ergänzend würde der Satz „…gehen gut 10.000 kWh Heizwärme jährlich in das Haus“ die Richtung der Wärmeenergie „aus dem Haus“ den Verlust noch deutlicher machen.
    D.h. das Haus verliert auch gut 10.000 kWh, sonst müsste nicht geheizt werden! Physikalisch gesehen heizen wir nicht um persönlich Wärme zu empfinden, sondern wir gleichen nur den Verlust der Heizwärme aus.

    Antworten
    • Sabine Eva Rädisch sagte:

      Hallo Herr Debie,
      ich gebe Ihnen recht: Wenn keine Wärmenergie durch Dach, Fenster, Wände und sonstige Bauteile verloren ginge, müssten wir das Haus nur einmal zu Beginn der Heizperiode auf Temperatur bringen, diese bliebe dann im Haus erhalten und würde nicht mehr nach draußen „verloren“ gehen. Moderne Häuser gehen mehr und mehr in diese Richtung, mit einer effizienteren Dämmung sinkt der Heizwärmebedarf, und einmal im Haus vorhandene Wärme hält länger vor. Wenn ein gut gedämmtes Niedrigenergiehaus dann noch die Kraft der Sonne nutzt – sei es passiv durch die Sonneneinstrahlung und entsprechende Fenster, oder durch eine solarthermische Anlage mit Sonnenkollektoren auf dem Dach -, dann kommen wir schon sehr nahe an das Ideal eines Hauses heran, das keine Wärme mehr „verliert“. (In Anführungszeichen deshalb, weil Energie ja nicht wirklich verloren gehen kann – nur für uns ist sie nutzlos, wenn sie für unsere Zwecke nicht mehr zur Verfügung steht, also in den Garten entweicht, statt unser Wohnzimmer zu wärmen).
      Herzlichen Gruß,
      Sabine Eva Rädisch

      Antworten

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