Ins Licht gedreht – die SMA Solar Academy

Von Andrea Geicke (Gastbeitrag) am 24. August 2012 in der Kategorie Unternehmen mit 0 Kommentare
SMA Solar Academy

Mit dem Bau der SMA Solar Academy haben wir eine Vision von SMA erlebbar gemacht: die zuverlässige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien – an jedem Ort der Welt. Das Gebäude wird energieautark betrieben. Neben seinem einzigartigen Energiekonzept überzeugt es zudem durch sein futuristisches Design. Damit ist die Solar Academy sowohl technisch als auch gestalterisch ein echtes Leuchtturmprojekt. Ich habe mit dem Architekten und HHS-Vorstand Günter Schleiff über ein außergewöhnliches Projekt, den Einsatz Erneuerbarer Energien und die dOCUMENTA (13) gesprochen.

Solar Academy

Illuminierte Solar Academy in der Abendämmerung

 
Herr Schleiff, die SMA Solar Academy besticht durch ihre futuristische Architektur, was steckt dahinter?

Ein kreativer Gestaltungsvorgang der zum Ziel hatte, die komplexen Anforderungen, denen Architektur gerecht werden muss, über zeitgenössische Lösungsmuster hinausweisend eine Form zu geben. Das technologische Ziel eines energieautarken Gebäudes sollte seine Entsprechung in einer Form finden, die bildhaft Autarkie assoziieren lässt und zusätzlich auch den Eindruck von Dynamik erzeugt. Denn das Gebäude als Ort der Schulung der Kunden und Anwender von SMA Produkten soll die Idee  einer zuverlässigen Energieversorgung aus erneuerbaren Energien – an jedem Ort der Welt in die Welt hinaustragen.

 

SMA Solar Academy

„Inszeniertes Schattenspiel durch semitransparente Solarmodule“

 
In der Solar Academy spielt Licht eine wichtige Rolle. Wie sind Sie mit dieser Herausforderung umgegangen?

Wenn man sich auf dem Parkplatz bewegt, wird man sich fragen, warum die Solar Academy so vermeintlich zufällig herumsteht … Sie ist ins Licht gedreht.

Das unterstützt zum einen den Wunsch, sie dynamisch erscheinen zu lassen, zum anderen richtet sie sich als solares Kraftwerk natürlich nach der Sonne aus.

Damit korrespondiert die innere Zonierung der Nutzungen: die Schulungsräume liegen auf der Nordseite des Gebäudes. Sie nutzen dadurch nicht nur die grandiose Aussicht in die Fuldaaue, sie sind dadurch auch verschattungsfrei mit Tageslicht versorgt.

Die Südseite wird durch Sonnenlicht mithilfe der semitransparenten Solarmodule inszeniert. Das Schattenspiel der Zellen auf dem Boden und der Wand erzeugt den Eindruck, als bewege man sich mitten im Kraftwerk. Und wenn die Schatten der Zellen – abhängig vom Sonnenstand – auf die Wechselrichter fallen, wird der Zusammenhang  von Modul und Wechselrichter offensichtlich.

Neben der optimalen Tageslichtversorgung ist die Verwendung energiesparender Leuchtmittel im gesamten Gebäude obligatorisch.

Insel-Wechselrichter und Batteriespeicher

Im grünen Bereich: Sunny Island-Wechselrichter managen das Inselstromnetz.

Durch die geringen Verbräuche moderner LED-Technik konnten wir die Solar Academy aber auch noch durch Beleuchtung inszenieren: der Ladezustand der Batterien wird durch einen grünen oder roten Schein sowohl im Batterieraum als auch bei Dunkelheit  nach außen abgebildet. Darüber hinaus wirft das Gebäude über zirka 300 in der Unterseite eingebaute LED-Strahler bei Nacht ein „Schattenbild“ aus Licht auf den Boden.

 

SMA ist in diesem Jahr erstmals Sponsor der documenta. Im Rahmen unseres Engagements haben wir uns für eine Kampagne unter dem Motto „Energie ≠ Kunst?“ entschieden. Ist denn die SMA Solar Academy nicht ein passendes Beispiel für dieses Motto?

Im Rahmen des Mottos „Energie ≠ Kunst?“  ein vorsichtiges ‚Ja‘.  Das unterstellt natürlich, dass Architektur Kunst ist oder zumindest die Architektur der Solar Academy. Diese Frage habe ich für mich allerdings noch nicht in dieser knappen Form beantwortet. Welches Kunstwerk muss schon gleichzeitig Energie erzeugen, eine Nutzung ermöglichen, den Witterungsunbilden trotzen, seinen Abfall geregelt abgeben, veränderbar bleiben und, und, und…? Dies in eine außergewöhnliche, eigenständige, symbolhafte  Form verpackt zu haben, könnte Kunst sein oder doch (nur) Design?

 

Was würde Ihnen spontan zu „Energie ≠ Kunst?“ einfallen?

… dass es Kreativität erfordert, die Umsetzung der Energiewende zu bewältigen und die Energieversorgung von morgen zu gestalten.

… dass Kunst den Menschen mit Lebensenergie versorgen kann.

… dass Energie zum Gegenstand künstlerischen Schaffens werden kann.

… dass Energie erforderlich ist, ein Kunstwerk zu erschaffen.

… dass Kunst und die Nutzbarmachung regenerativer Energiequellen Produkte schöpferischen menschlichen Denkens sind.

Haegue Yang

Haegue Yang: Durch Sonnenenergie bewegte Jalousien

 
Sie, als in Kassel ansässiger Architekt, haben sicherlich dieses Jahr schon die documenta besucht, welches Kunstwerk würden Sie mit unserem Motto am ehesten in Verbindung bringen?

Auf jeden Fall die Welle im Kornfeld von Massimo Bartolini vor der Orangerie. Die Energie der Welle inmitten des Lebensenergie spendenden Korns. Die Energie der Welle scheint dabei endlos zu sein wie die des Korns, das immer wieder neu wächst.

Auf jeden Fall die Motoren von Thomas Bayrle in der Documenta Halle, die ihre ursprüngliche Energie verloren haben, nur noch sich selbst bewegen und so zum Nachdenken über uns selbst anregen.

„The Sewing Room“

„The Sewing Room“

Auf jeden Fall  „Approaching: Choreography Engineered in Never-Past Tense“ von Haegue Yang im Nordflügel. In der Regel über den Einfluss von Sonnenenergie bewegte Jalousien, werden dort nach einem unerfindlichen (ästhetischen?) Muster bewegt.

Auf jeden Fall István Csákánys Holzobjekt, ebenfalls im Nordflügel. Das Nebeneinander menschlicher Hülsen und funktionsunfähiger Maschinen denen jegliche Energie entzogen wurde.

Schade, dass Beuys Honigpumpe nicht mehr aufgebaut ist… (lacht)

 

Herr Schleiff, vielen Dank für Ihre Antworten.

 

 

Günter Schleiff

 

Günter Schleiff ist Vorstand der HHS Planer + Architekten und hat neben der Solar Academy zahlreiche SMA Gebäude entworfen.

 

 
 
Weitere Informationen

SMA Magazine #3 zum Thema SMA Solar Academy 

 

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Der Autor

Andrea Geicke (Gastautor)

Andrea Geicke ist Ansprechpartnerin für das Themenfeld Corporate Social Responsibility und gesellschaftliches Engagement.

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