SMA´ler aktiv: Demo gegen Agrarindustrie

Dieser Artikel erschien 2013. Die Tipps und Techniken können möglicherweise veraltet sein.

von Lena Neumann (Gastbeitrag), 

Es ist Samstagmorgen 8:22 Uhr. Eigentlich die richtige Zeit um sich nochmal umzudrehen und weiterzuschlafen. Doch ich stehe ich auf Gleis 3 am Willibahnhof und warte auf meinen Zug nach Berlin, der mich zur Demo „Wir haben Agrarindustrie satt“ bringen soll.

Ich bin unterwegs gemeinsam mit vielen anderen aktiven BürgerInnen, Landwirten, Imkern, NGO-Mitgliedern, die gegen die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft und eine fairere europäische Agrarwirtschaft demonstrieren wollen.

Ankunft in Berlin
Gemeinsam ging´s zum Brandenburger Tor

Gemeinsam ging´s zum Kanzleramt

Mein Zug ist pünktlich. Um halb zwölf betrete ich den Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof und finde mich in einer riesigen, bunten Menschenmenge wieder. Die Stimmung ist gut – die Temperaturen eisig. Ich ziehe meine Mütze tiefer ins Gesicht und genehmige mir einen Glühwein. Unter den Kuh-, Schwein- und Hühnerkostümen hoffe ich ein bekanntes Gesicht zu entdecken, bin aber zunächst erfolglos. Eine Marching Band spielt flotte Rhythmen und feuert die Massen an, so wird mir ein bisschen wärmer. Dann höre ich wie jemand hinter mir meinen Namen ruft und freue mich einen Kollegen von SMA zu treffen – Thomas aus meinem Englischkurs. Er ist mit seiner Freundin angereist – und 5:30 Uhr mit dem Bus von Kassel gestartet! Ich war überzeugt, dass es bei SMA außer mir Menschen gibt, die für dieses Thema sogar am Wochenende früh aufstehen!

Mit Traktoren zum Kanzleramt

Langsam formiert sich der Zug. Die Traktoren, die vornweg fahren, starten ihre Motoren und einer nach dem anderen setzt sich in Bewegung zum Kanzleramt. Ich bin beeindruckt wie viele Menschen zusammen gekommen sind – über 20.000, wie wir später erfahren. Der eisige Wind weht erbarmungslos. Nach zwei Stunden Marsch sind wir vorm Kanzleramt angelangt. Politiker und Vertreter von NGOs machen unter der lautstarken Untermalung der Tausend kund, dass unsere aktuelle Agrarpolitik daran schuld ist, dass unsere Landschaften zerstört werden, massiv Arten sterben, Antibiotika unkontrolliert eingesetzt werden, sich industrielle Großbetriebe eine goldene Nase verdienen und kleine Bauern kaum so viel erwirtschaften, dass sie ihre Betriebe halten können. Hinter den Mauern tagen 80 Agrarminister der Welt und parallel dürfen die Profiteure der Agrarpolitik auf der Grünen Woche ihre Lebensmittel anpreisen.

Heiße Suppe dank Schnippelparty
Stärkung von der mobilen Suppenküche

Stärkung von der mobilen Suppenküche

Die kalte Luft macht Appetit und nicht weit entfernt, vor der Heinrich-Böll-Stifitung wartet eine mobile Suppenküche auf uns. Am Vortag haben auf einer Schnippelparty fleißige Helfer stundenlang Gemüse klein geschnitten, das jetzt in unseren heißen und leckeren Suppen schwimmt. Wam Kat, der Star der Alternativen Großküche, steht höchstpersönlich am Kochtopf und sorgt für Nachschub. Ich bin erstaunt wie gut organisiert und schnell die vielen Menschen ein Essen in der Hand halten. Als kleinen Dank helfen wir für ein paar Minuten beim Spülen der tausend Teller.

Akutes Artensterben

Den Nachmittag verbringen wir auf einer Podiumsdiskussion der Grünen, wo ich erfahre, dass es in einigen Teilen Deutschlands kaum mehr Vögel, kaum Insekten, schon gar keine Bienen gibt, Gewässer verunreinigt sind und die Entscheider so tun, als wäre alles völlig normal.

Als Schluss ist, ist es bereits dunkel und es ist noch kälter geworden. Schnell laufen wir zurück zum Hauptbahnhof, wo ein Bus auf uns wartet. Dort ist es warm. Auf der Rückfahrt ist man sich einig, dass es ein erfolgreicher Tag war, aber noch viel und vor allem schnell etwas getan werden muss, damit wir unsere Lebensgrundlage nicht unwiederbringlich zerstören.