SMA India: Ein sonnenverwöhnter Markt

Dieser Artikel erschien 2013. Die Tipps und Techniken können möglicherweise veraltet sein.

von Piyush Kumar (Gastbeitrag), , 1 Kommentar

SMA ist weltweit in 21 Ländern vertreten. Wir stellen in dieser Serie neue Auslandsgesellschaften vor und beleuchten aufstrebende Solarmärkte. Heute steht SMA India im Mittelpunkt.

 

Indien,ein Land mit einer sehr abwechslungsreichen Landschaft, ist mit reichlich Sonnenschein gesegnet. Doch erst in den letzten Jahren hat die Regierung allmählich das Potenzial von Photovoltaik als wichtige Komponente im Mix der erneuerbaren Energien erkannt. Indien entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Markt: Bis Mai 2013 erreichte die Gesamtleistung der Solaranlagen einen Wert von über 1700 MW. Angesichts der Tatsache, dass noch Ende 2010 die landesweit installierte Gesamtleistung weniger als 50 MW betrug, stellt dies einen gewaltigen Sprung dar.

 

Chancen auf dem indischen Markt

Photovoltaik ist in Indien aufgrund vieler Faktoren eine attraktive alternative Energiequelle. Mit dem Boom der indischen Wirtschaft ist auch der Energieverbrauch gestiegen. Doch die Stromversorgung kann mit dieser Nachfrage nicht Schritt halten und das Energiedefizit liegt kontinuierlich bei rund 10 Prozent. Folge dieser Unterversorgung sind regelmäßige Stromausfälle, die einen breiten Teil der Bevölkerung treffen und sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken.

Indien ist ein Land mit subkontinentalen Ausmaßen. Es umfasst 28 Bundesstaaten und 7 Unionsterritorien. Geographisch wie kulturell hat das Land viele unterschiedliche Gesichter. In jedem Bundesstaat trifft man auf einen anderen Lebensstil. Dennoch haben die meisten Bundesstaaten in Indien eine Gemeinsamkeit: die hohe jährliche Sonneneinstrahlung mit einem Wert von über 1600 kWh/m2. Die Situation ist somit vielversprechend – sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite. Mit seiner Lage im „Sonnengürtel“ kann das Land enorme Zahlen bei der Solarstromerzeugung vorweisen und gleichzeitig ist aufgrund des Energiedefizits eine nachhaltige Nachfrage gewährleistet.

Indien ist massiv auf die Einfuhr von Mineralölerzeugnissen und Kohle angewiesen, um seinen Energiebedarf zu decken. Solaranlagen können eine Alternative zu kohlegefeuerten thermischen Kraftwerken darstellen, während mit PV-Diesel-Hybrid-Systemen und Inselnetz-Lösungen der Dieselverbrauch gesenkt werden kann. Viele Dörfer sind noch immer nicht an das Stromnetz angebunden. Photovoltaik wäre die ideale Lösung für eine dezentralisierte Stromversorgung dieser Dörfer, da so ein mit einem Netzausbau verbundener exorbitanter Kapitalaufwand vermieden werden könnte. Schließlich ist auch das Bewusstsein in der Bevölkerung über die Notwendigkeit einer Abkehr von umweltschädlichen Energiequellen hin zu umweltfreundlicheren Quellen wie der Solarenergie gestiegen.

Förderungen seitens der Politik

Es gibt verschiedene Arten von Richtlinien zur Förderung von Solarprojekten in Indien, darunter Einspeisetarife, die Verpflichtung zur Nutzung erneuerbarer Energie, Zertifikate zu erneuerbaren Energien usw. Die bis heute realisierten Projekte wurden größtenteils über Strombezugsvereinbarungen mit einem Einspeisetarifsystem installiert, das entweder von der Zentralregierung oder einer der Regierungen auf Bundesstaatsebene initiiert wurde. Die Zentralregierung hat eine Richtlinie zur verpflichtenden Nutzung erneuerbarer Energien eingeführt, nach der bis 2022 mindestens 3 Prozent der im Land bezogenen Gesamtleistung aus Solarenergie stammen soll. Diese Zielmarke gilt für verschiedene Bundesstaaten und wird in den nächsten Jahren schrittweise gesteigert.

Stromversorgungsunternehmen, Verbraucher, die nicht an einen bestimmten Anbieter gebunden sind, sowie abhängige Verbraucher mit einer Kapazität von mehr als 1 MW müssen dieser Verpflichtung zum Bezug von Solarenergie nachkommen. Hierfür können sie eigene Solaranlagen einrichten, Strom bei Solarstromerzeugern kaufen oder Solarenergie-Zertifikate erwerben. Die Maßnahmen werden aber nur dann den Markt beeinflussen, wenn diese Verpflichtungen strenger durchgesetzt werden, was aktuell nicht der Fall ist.

Schließlich ist mit einem Anstieg der sogenannten paritätsbedingten Nachfrage zu rechnen, die von der kommerziellen Realisierbarkeit von Solarenergie abhängt. In Indien gibt es eine Staffelung der Strompreise. Gewerbliche Nutzer wie Einkaufszentren, Büros und Einzelhandelsgeschäfte zahlen die höchsten Strompreise von bis zu 11 Rupien/kWh (0,14 Euro/kWh), gefolgt von industriellen Verbrauchern wie Fertigungsanlagen. Die niedrigsten Tarife gelten für Haushaltskunden mit 5-7 Rupien/kWh (0,06-0,09 Euro/kWh). Einer Studie der Marktanalysegesellschaft „BRIDGE TO INDIA“ zufolge ist Solarstrom in einigen Staaten im Gewerbesektor bereits günstiger als Strom aus dem Netz. Diese Netzparität wird in den nächsten Jahren in weiteren Bundesstaaten im Gewerbe- und Industriesektor erreicht werden.

Herausforderungen

Die Politik im Bereich Solarenergie hat sich seit ihren Anfängen mehrfach geändert. Das von der Zentralregierung finanziell unterstützte Förderprogramm „National Solar Mission“ lief zunächst mit Fixpreisen für Infrastrukturprojekte an. Danach wurden diese Regelungen geändert und das Prinzip der umgekehrten Versteigerung eingeführt. Nun wird in der letzten Zuteilungsrunde das sogenannte „Viability Gap Funding“, d. h. die Schließung von Wirtschaftlichkeitslücken durch Zuschussfinanzierungen, in Erwägung gezogen. Dieses Hin und Her sorgt für Unsicherheit bei Projektausschreibungen, da die Finanzierbarkeit von Solarprojekten ein Risikofaktor ist.

Die Verwirrung wird durch die unterschiedlichen Anforderungen in den zahlreichen Richtlinien der Bundesstaaten noch verstärkt. Es gibt nicht nur eine Solarrichtlinie auf nationaler Ebene; auch viele Bundesstaaten (darunter Tamilnadu, Andhra Pradesh, Uttar Pradesh, Madhya Pradesh, Kerala, Rajasthan, Punjab, Gujarat usw.) haben eigene Solarrichtlinien eingeführt. Diese Fülle an Richtlinien hat der Solarbranche neue Chancen eröffnet. Allerdings sieht jede Solarrichtlinie auf Bundesstaatsebene eigene Regelungen für die Auswahl von Projektentwicklern, den zulässigen Projektumfang, die finanziellen Anreize, Durchleitungsentgelte usw. vor, was die Angelegenheit für Projektentwickler komplizierter macht.

Die Einspeisetarife für PV-Großprojekte des indischen Förderprogramms „National Solar Mission“, die in Runde 1, Phase 1, zugeteilt wurden, lagen im Jahr 2010 bei durchschnittlich 12 Rupien/kWh (0,15 Euro/kWh). 2011 fielen sie auf 8 Rupien/kWh (0,10 Euro/kWh) und werden dieses Jahr mit den Zuteilungen in Runde 2, Phase 1, weiter sinken. Diese Senkung hat den positiven Effekt, dass die Tarife für Solarstrom nun in einigen Staaten den Stromtarifen für Gewerbe entsprechen. Doch die Senkung der Einspeisetarife stellt Unternehmen wie SMA, die Spitzenprodukte verkaufen, auch vor Herausforderungen, da Projektentwickler nun mit hauchdünnen Margen arbeiten müssen.

Eine weitere Herausforderung bergen die unregelmäßigen Zahlungen der staatlichen Energieversorger. Viele der staatlichen Energieversorger fahren große Verluste ein und haben in der Vergangenheit nur selten fristgemäß gezahlt, was viele potenzielle Projektentwickler abschreckt. Obwohl für die Nutzung von Aufdachsolaranlagen ein großes Potenzial besteht, ist das Wachstum angesichts fehlender technischer Standards für PV-Anlagen mit Netzanschluss gehemmt. Es gibt keine eindeutigen Vorgaben für den Netzanschluss von Niederspannungsanlagen. Auch für die Netzeinspeisung gibt es bislang keine Vorgaben. Bürokratische Hürden in Form von ausufernden Zulassungsverfahren, Verzögerungen bei gesetzlich vorgeschriebenen Freigaben und die Verfügbarkeit von Netz-Export-Infrastruktur haben oftmals unnötige Verzögerungen bei der Inbetriebnahme zur Folge.

 

Photovoltaik-Diesel-Hybridsystem mit Sunny Tripower-Wechselrichtern in Palladam, Indien.

Photovoltaik-Diesel-Hybridsystem mit Sunny Tripower-Wechselrichtern in Palladam, Indien.

Referenzprojekt

SMA hat in Palladam, einem Vorort von Tirupur im indischen Bundesstaat Tamil Nadu, ein weiteres Photovoltaik-Diesel-Hybridsystem mit Sunny Tripower-Wechselrichtern und der intelligenten Steuerungseinheit SMA Fuel Save Controller ausgestattet. Mit der SMA Fuel Save Solution kann der Betreiber einer Baumwollspinnerei seit Juni den täglichen Ausfällen des öffentlichen Stromnetzes trotzen und die Produktion mit Sonnenenergie aufrecht erhalten. Damit spart er Kraftstoffkosten für den Dieselgenerator ein und reduziert die CO2-Emissionen erheblich.

 

Mitarbeiter von SMA India

Das Team von SMA India

Die indische Tochtergesellschaft der SMA

Im Oktober 2010 gründete SMA ihre indische Tochtergesellschaft. Es war zu einem sehr günstigen Zeitpunkt, da der Markt kurz davor stand, eine rasante Entwicklung zu nehmen. Rakesh Khanna übernahm damals die Funktion des General Managers. Seither hat sich SMA als größter Anbieter von Wechselrichtern im Land etabliert. Auch das Team von SMA India ist gewachsen: Heute arbeiten 28 Mitarbeiter an 6 Standorten in diesem Team.

Als SMA India noch in den Kinderschuhen steckte und das Service-Team kleiner war, wurde das Unternehmen häufig von Experten aus Korea und Deutschland unterstützt. Heute kümmert sich das Service-Team von SMA India selbst um die Anfragen, die aus zahlreichen asiatischen Ländern kommen.

Letztes Jahr wurde am Hauptsitz der SMA India in Mumbai eine Solar Academy eingerichtet. Die Solar Academy ist mit Zentral-, String- und Inselnetz-Wechselrichtern ausgestattet. Zahlreiche indische Kunden sowie neue SMA Mitarbeiter wurden hier geschult.

SMA lieferte die outdoorfähige Sunny Central Wechselrichter für die 40 MW-Anlage, die von Azure Power in Nagaur, Rajasthan, installiert wurde. Dabei handelt es sich um eines der größten Projekte in Indien. SMA hat auch viele Projekte in wüstenähnlichen Umgebungen, in trockenem und heißem Klima mit häufigen Sandstürmen, in Betrieb genommen.

Aktuell konzentriert sich der Markt für Solarenergie in Indien auf Großanlagen, da der Großteil der bisher installierten Leistung mit Zentral-Wechselrichtern realisiert wurde. Dennoch steht auch der dezentralisierte Solarsektor für Kleinanlagen in den Startlöchern, da sich die Preise für Solarenergie in vielen Bundesstaaten Indiens den Strompreisen annähern.

 

 

Sales Office = Vertriebsbüro; Service Hub = Servicezentrum; Service Line = Service-Line

Sales Office = Vertriebsbüro; Service Hub = Servicezentrum

Profil Indien

1,2 Milliarden Einwohner (Deutschland: 81,7 Millionen)

Gebiet: 3.287.000 km², für PV nutzbares Land: 43,75 % (Deutschland: 357.121 km²)

300 Sonnentage jährlich (Deutschland: 275 Sonnentage jährlich)

5 % Wirtschaftswachstum (2012) (Deutschland: 0,7 %)

 

 

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Indien bereits ein attraktiver Markt für PV-Anlagen geworden ist. Während sich das politische Umfeld noch in der Entwicklungsphase befindet, besteht in allen Segmenten auf dem PV-Markt Wachstumspotenzial. Dank der hervorragenden Sonneneinstrahlung und den sinkenden Preisen wird PV für den Endverbraucher immer interessanter und wird so zunehmend von den unterschiedlichen Verbrauchergruppen angenommen.

 

 

Firmensitz in Mumbai mit Rakesh Khann, General Manager SMA India

Firmensitz in Mumbai mit Rakesh Khanna, General Manager SMA India

Kontakt

SMA Solar India Pvt Ltd Limited

Sigma, 1101, Technology Street Hirananadani, Powai. Mumbai

400076 India

Tel. +91 (22) 6171 3800

Fax +91 (22) 6171 3838

info@SMA-india.com

www.SMA-india.com

 

1 Antwort

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>