(R)Evolution der Heimspeicher

(R)Evolution der Heimspeicher

Die Beziehung zwischen Heimspeicher-Lösungen und Michael Ebel hält bereits ein Jahrzehnt. Er war von Anfang an für SMA dabei und hat den Markt für einen Rückblick noch mal besonders unter die Lupe genommen. Er gibt Einblicke in eine Entwicklung auf der Überholspur, verrät, was eine gute Partnerschaft ausmacht und sagt, warum die Batterie im Heimspeichersystem von Anfang an mitgedacht werden sollte.

Vor zehn Jahren hat SMA die erste Heimspeicherlösung zur Eigenverbrauchsoptimierung auf den Markt gebracht. Was ist dir aus der Zeit besonders im Gedächtnis geblieben?

Michael: Der Markt hat sich mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit entwickelt. Heute sind Speicher aus einer funktionierenden Energiewende nicht mehr wegzudenken. Inzwischen sorgen über 60.000 SMA Heimspeichersysteme weltweit bei unseren Kunden für energetische Unabhängigkeit. Das ist ein toller Erfolg. Der Weg dahin war aber keinesfalls geradlinig, sondern wirklich kurvenreich. Namhafte Firmen kamen und gingen und Technologien entwickelten sich. Wir hatten schon 2011 die erste kompatible modulare Lithiumionen-Batterie am Start, weil wir unbedingt eine höhere Langlebigkeit des Gesamtsystems erreichen wollten. Aber die bleibasierten Systeme behielten noch bis 2014 die Oberhand. 2015 kam dann der in unseren Köpfen schon lange vorhandene Technologiewechsel auf Lithiumionen-basierte Batterien, dank zunehmender Fördermöglichkeiten wie dem KfW-Programm 275. Es förderte bis zu 30 Prozent der Kosten für das Speichersystem. Mit dem Sunny Boy Storage 2.5 haben wir dann 2016 das erste AC-gekoppelte Heimspeichersystem mit Lithiumionen-basierter Hochvoltbatterie auf den Markt gebracht. Das machte die Speicherung von Solarstrom noch mal kostengünstiger.

Sunny Island mit Lithium-Ionen-Battterien

Welche wichtige Erkenntnis nimmst du aus einer Dekade Heimspeichersystem mit?

Der Markt ist unheimlich dynamisch. Viele Hersteller räumen ihren Batterien aus verschiedensten Gründen nur sehr kurze „Produktlebenszyklen“ ein. Einige namhafte Hersteller hatten ihre Batterien weniger als zwei Jahre am Markt, zum Beispiel das Mercedes-Benz Energy Home.

Außerdem weisen Nachfolgegenerationen eines Batteriemodells so gut wie nie eine rückwärtige Kompatibilität zum vorherigen Modell auf. Das betrifft Nieder- wie Hochvolt-Batterien und damit den gesamten Markt. Damit haben Anlagenbetreiber oft keine direkte Nachrüstmöglichkeit, sollte die vorhanden Batterie ihr Lebensende erreichen und müssen gegebenenfalls einen funktionierenden Wechselrichter ersetzen. Andere Fragestellungen, die uns immer wieder erreichen, beziehen sich auf die Nachrüstbarkeit von Batterien nach mehreren Monaten bzw. Jahren. Denn in den letzten Jahren haben sich die Preise für Speicher mit Lithiumionen-Technik mehr als halbiert, was eine nachträgliche Kapazitätserweiterung attraktiv macht. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Systeme batterieseitig so rückwärtskompatibel wie möglich entwickeln. Wenn Betreiber in ein Heimspeichersystem investieren, müssen sie sich darauf verlassen können, dass es zukunftsfähig ist. Das System soll den Haushalt schließlich rund um die Uhr und über einen langen Zeitraum zuverlässig mit Energie versorgen können.

 

Wie genau löst ein rückwärtskompatibler Batterie-Wechselrichter das Problem einer nicht mehr am Markt verfügbaren Batterie?

 Energiefluss mit netzgekoppeltem Speicher

Einfach und effizient: Heimspeicher-Systeme machen Anlagenbetreiber unabhängiger vom Strombezug aus dem öffentlichen Netz.

Unsere Batterie-Wechselrichter sind rückwärtskompatibel zur neuesten Generation lithiumionen-basierter Batterien und umgekehrt. Eine Bleibatterie den ersten knapp 10.000 installierten Heimspeichersystemen eingesetzt ist, kann dann beispielsweise gegen eine von uns freigegebene, kompatible und wirtschaftlichere Lithium-Ionen-Batterie getauscht werden.

Für den umgekehrten Fall ein Beispiel: Wir haben im Jahr 2011 die Batterie „Sony fOrtelion“ für den Betrieb am Batterie-Wechselrichter Sunny Backup freigegeben. Das Gerät wurde längst vom Sunny Island* abgelöst, aber die Batterie passt auch drei Geräte-Generationen später noch. Das hat auch viel mit unserem Verständnis von Nachhaltigkeit zu tun. Unsere Systeme sind robust und für eine Laufzeit von 20 Jahren ausgelegt. Da müssen wir die Batterie als kostenintensivste und kritischste Komponente zukunftssicher mitdenken. Entscheidend dafür ist die partnerschaftliche und langjährige Zusammenarbeit zwischen uns und den Batterie-Herstellern, denn das Heimspeichersystem muss schließlich als Gesamtsystem möglichst langlebig sein und zuverlässig funktionieren.

 

Michaels Tipp: SMA hat seit 2011 mehr als 30 unterschiedliche Lithiumionen-basierte Batterien verschiedenster Hersteller für den Betrieb an SMA Batterie-Wechselrichtern Sunny Island und Sunny Boy Storage qualifiziert. Alle aktuell freigegebenen Hoch- und Niedervoltbatterien für SMA Batterie-Wechselrichter findet ihr in der Kompatibilitätsliste auf www.SMA.de > Service & Support > Downloads > Kategorie > Gruppe/Produkt > Hintergrundwissen.

 

Jetzt mal im Klartext: Wie aufwändig ist der Betrieb eines Speichersystems wirklich?

SMA Heimspeicherlösungen

Zukunftssicher: Intelligente Technologie macht das kleine Sonnenkraftwerk auf dem Dach fit für die Energiewende zu Hause.

Mit der richtigen Technologie ist das kleine Sonnenkraftwerk zu Hause oder im Betrieb ein Selbstläufer. Das Ziel muss sein, die Solarenergie vom Dach automatisch und immer optimal im Haushalt zu nutzen. Dabei helfen Geräte und integrierte Features, mit denen sich Anlagenbetreiber jederzeit auf die intelligente Ladung und Entladung der Batterie verlassen können. Denn heute geht es mehr denn je um eine sichere Energieversorgung ohne fossile Energien und die Möglichkeit, die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität auch zu Hause miteinander zu verbinden. Mit dem Multi-Batteriekonzept des Sunny Boy Storage gehen wir diesen Weg auch im Heimspeicherbereich. Mit bis zu drei anschließbaren Batterietypen bleiben Anlagenbetreiber flexibel und können die Energiewende in den eigenen vier Wänden aktiv mitgestalten. Sie sollten immer die Möglichkeit haben, ihr Heimspeichersystem so nachhaltig und zukunftssicher wie möglich zu betreiben. Denn der Bedarf nach Strom wird auch in Zukunft eher steigen.

 

Fast komplett autarke Stromversorgung

Speichersystem Familie KaiserDas PV-Speichersystem von Familie Kaiser ist seit September 2019 in Betrieb. Es besteht aus einer 9,92 kWp PV-Anlage sowie einem Sunny Boy Storage 5.0 mit einer BYD B-Box H (10,24 kWh). Nach einem Jahr wollte der Anlagenbetreiber unabhängiger vom Stromversorger werden und auch schlechtere Wetterverhältnisse überbrücken können. Beim Batterie-Hersteller BYD hatte inzwischen jedoch ein Generationswechsel stattgefunden, das Vorgängermodell war für die Erweiterung nicht mehr verfügbar. Jonas Schiel Geschäftsführer der Installations-Firma ADJORA Energy GmbH & Co. KG, kam der Multibatterie-Ansatzes im Batterie-Wechselrichter Sunny Boy Storage gelegen. Denn so konnte einfach die neueste Batterie BYD HVS mit 10,24 kWh parallel zum vorhandenen Batteriesystem B-Box H am zweiten DC-Eingang in Betrieb genommen werden. Das Multibatterie-Konzept ist derzeit ein absolutes Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt. Die flexible Nachrüstung bestehender Systeme mit Batteriespeichern wie auch die Ergänzungsmöglichkeit um Elektromobilität mit dem SMA EV Charger ist eine runde Sache. Das ist Technologie ‚Made in Germany‘, die Spaß macht und überzeugt.“

Mehr zum System auf dem Blog bei ADJORA Energy GmbH & Co. KG.

 

Wie sieht Nachhaltigkeit bei dir zu Hause aus?

Wir erzeugen mit unserem PV-System momentan fünfmal mehr elektrische Energie als wir selbst brauchen. Deshalb schließen wir zusätzlich eine Brauchwasserwärmepumpe an, um diesen Überschuss effizient zu nutzen. Natürlich komme ich aufgrund meiner SMA Vergangenheit nicht am Sunny Home Manager 2.0 und dem Batterie-Wechselrichters Sunny Island vorbei. Vor allem auch, weil wir uns alle Erweiterungsoptionen offenhalten wollten. Mit dem Sunny Island 8.0H und zwei Sunny Boy ist jetzt von Eigenverbrauchsoptimierung über die Nachrüstung einer Ersatzstromversorgung bis hin zur reinen Inselversorgung alles drin. Jetzt kann eigentlich kommen, was will.

 

Wo würdest du dir mehr Sonne wünschen?

Auf jeden Fall auf der Nordseite meines Daches 😉 Und auch auf dem Dach des BMWi, damit Herr Altmeier die Energiewende endlich ernsthaft vorantreibt.

Zur Person

Energiesysteme haben es Michael schon früh angetan. Nach der praktischen Ausbildung zum Energieelektroniker Anlagentechnik wollte er deshalb tiefere Einblicke gewinnen. Auf dem Weg zum Elektrotechnik-Ingenieur (FH) fand er dann seine Passion in den regenerativen Energien. Bei SMA verbindet er ein tiefgehendes technisches Verständnis mit seiner Begeisterung für Energiespeichersysteme aller Größenklassen. Aktuell in seiner Tätigkeit als Account Manager für gewerbliche PV-Speichersysteme.

Ihr wollt mehr zu unseren Heimspeicherlösungen erfahren?

*Es könnten Firmware-Updates notwendig sein, ihr findet sie im Downloadbereich unter Service & Support auf www.SMA.de > Downloads > Kategorie > Gruppe/Produkt > Software.

SMA Speicherlösungen

10 Kommentare
    • Anke Baars
      Anke Baars sagte:

      Hallo Alexander,

      vielen Dank für die Frage, die ich leider nicht konkret beantworten kann. Unsere Systemlösungen und Produkte sollen einen hohen Mehrwert für unsere Kunden bieten und möglichst einfach und effizient in der Anwendung sein. Mit dem SMA EV Charger haben wir kürzlich unsere erste Ladelösung für Elektromobilität in den Markt gebracht, aber wir sind natürlich weiterhin offen für Neues und beobachten diesen spannenden Markt sehr genau.
      Viele Grüße,
      Anke

      Antworten
  1. Avatar
    R.G. sagte:

    Sehr guter aber doch auch sehr einseitiger Bericht!
    Mi Tripower hat SMA wirklich gute 3-Phasen Wechselrichter entwickelt!
    Wo bleibt der SMA Batterie-Wechselrichter mit 3-Phasen?
    Jetzt nach 10 Jahren wäre es langsam Zeit…..

    Antworten
    • Anke Baars
      Anke Baars sagte:

      Vielen Dank für das Feedback.
      Im Eigenheimbereich überwiegen für Anlagenbetreiber bisher die Vorteile einphasiger Batterie-Wechselrichter, denn:
      -Dreiphasige Batterie-Wechselrichter sind in der Herstellung und daher meist auch im Verkauf teurer.
      -Dreiphasige Batterie-Wechselrichter haben bei gleicher Photovoltaik- und Batteriespannung einen schlechteren Wirkungsgrad, da die Zwischenkreisspannung höher liegt.
      -Der Leerlaufverbrauch der Systeme ist mit dreiphasigen Batterie-Wechselrichtern höher, da mehr Halbleiter angesteuert und geschaltet werden müssen.
      -Im Netzersatzbetrieb mit einphasigen Verbrauchern muss ein dreiphasiger Wechselrichter schieflastfähig sein. Das führt noch einmal zu deutlich höheren Kosten oder zu Geräten, in denen das nur stark eingeschränkt funktioniert. Für den Netzersatzbetrieb kann man dann bei dreiphasigen Wechselrichtern pro Phase nur ein Drittel der Nennleistung nutzen, was für viele größere oder mittlere Lasten mit höherem Einschaltstrom nicht ausreicht. Beispielsweise hat ein 5-kW-Wechselrichter dann nur eine Leistung von 1,66 Kilowatt pro Phase.
      Mehr zum Thema gibt es auch in diesem Blogbeitrag und im PV-Magazine-Webinar.
      Wir freuen uns aber immer über Anregungen und den weiteren Austausch, gerne auch per Mail an SocialMedia@SMA.de.
      Viele Grüße,
      Anke

      Antworten
  2. Avatar
    Tobias sagte:

    Aua, die Bilder hier im Artikel tuen richtig weh.
    Erst ein halb leeres Dach, ergo verschenkter Platz für sinnvolle PV.
    Dann ein für den Heimbereich viel zu großer Speicher, der sich finanziell (im Vergleich zur größeren PV) nie rechnen wird.

    Antworten
    • Christiane Keim
      Christiane Keim sagte:

      Hallo Tobias,

      die Wahl der Systemgröße ist ja von vielen Faktoren abhängig (gewünschte Anwendung, Lastprofil des Anlagenbetreibers und natürlich das Budget).
      Hier gibt es viele unterschiedliche Ansätze, PV-Systeme zu designen.
      Außerdem kann ein Heimspeicher aus unterschiedlichen Gründen größer dimensioniert werden, z.B. mit einem inkludiertem Puffer für den Ersatzstromfall.

      Beste Grüße

      Christiane

      Antworten
  3. Avatar
    Rainer Mönks sagte:

    Wie kann ich die Energie Lücke von November bis Februar überbrücken?
    Meine Anlage 7,1 KW p liefert dann keinen nennenswerten Strom! Sollte ich in die in die Sahara umsiedeln? Algerien und Libyen 🇱🇾 sind mir zu unsicher.

    Antworten
    • Christiane Keim
      Christiane Keim sagte:

      Hallo Rainer,

      ganzjährig betrachtet, sind Heimspeicher eine lohnende Investition, die sich rechnet.
      Die PV-Überschüsse fallen in den Wintermonaten zwar geringer aus.
      Mit einer ergänzenden Ausstattung zur Ersatzstromversorgung schützt man sich nicht nur vor Netzausfällen, sondern profitiert auch von Vorteilen in den besagten Wintermonaten.

      Sonnige Grüße

      Christiane

      Antworten
  4. Avatar
    Jean Awad sagte:

    Was hilft der beste Solarstromspeicher wenn im Herbst und Winter Monate meine Heizung brauche und keine Sonne scheint?

    Antworten
    • Christiane Keim
      Christiane Keim sagte:

      Hallo Jean,

      Speicher sind ein wichtiger Bestandteil der gegenwärtigen und zukünftigen Energieversorgung.
      Im deutschen Heimbereich werden bereits mehr als 70 % der neuen Anlagen mit Speichern ausgestattet – diese Zahl zeigt die hohe Akzeptanz von Speicherlösungen.
      Der Heimspeicher ist in der Anwendung Eigenverbrauchsoptimierung natürlich auf PV-Überschüsse angewiesen, die in den Wintermonaten naturgemäß geringer ausfallen.
      Eine gute Lösung stellt dann eine ergänzende Ausstattung mit einer Ersatzstromversorgung dar, die gleichzeitig auch vor Netzausfällen schützt.

      Beste Grüße
      Christiane

      Antworten

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