Fridays for Future – Hausaufgaben für die Politik

Seit Monaten gehen zehntausende von Schülerinnen und Schülern jeden Freitag auf die Straße, bei jedem Wetter und unter Androhung von Sanktionen, weil sie die Schule schwänzen. Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg hat mit Fridays for Future eine weltweite Bewegung ausgelöst, die uns Erwachsenen jede Woche aufs Neue vor Augen führt, dass wir endlich handeln müssen, um den Klimawandel zu stoppen und den nachfolgenden Generationen einen Planeten zu hinterlassen, der ihnen eine Lebensgrundlage bietet.

Noch können wir den Klimawandel aufhalten

Auch meine Kinder machen bei dem Protest mit. Darauf bin ich stolz. Weniger glücklich bin ich über die Reaktionen vieler Politiker. Anstatt den Protestierenden zuzuhören, werfen sie ihnen vor, der Protest sei nur glaubhaft, wenn er außerhalb der Schulzeit statt fände. Das sehe ich anders. Denn leider bekommen die Aktivisten nur durch Schule schwänzen die notwendige Aufmerksamkeit für ihr äußerst wichtiges Anliegen. Und würden die Politiker handeln, würden die Schülerinnen und Schüler auch wieder in den Unterricht gehen. Genauso unglaubwürdig sind für mich diejenigen Politiker, die die Schüler für ihr Engagement loben, aber nichts dafür tun, den Klimawandel aufzuhalten – obwohl sie sich 2015 beim Weltklimagipfel in Paris dazu verpflichtet haben.

Ich erinnere mich noch gut an die Hochstimmung, die damals herrschte. Als 195 Staaten im Klimaabkommen von Paris vereinbarten, die Erderwärmung auf unter zwei, besser noch unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, dachten alle, das sei endlich die Wende in der Klimapolitik. Gefolgt ist den großen Worten in den letzten drei Jahren – nichts. Immer noch werden weltweit neue Kohlemeiler gebaut, fossile Energieträger erhalten massive staatliche Subventionen, es wird um Abgasgrenzwerte im Verkehr gestritten, es gibt nach wie vor keine internationale CO2-Steuer. Dafür gibt es auch 2019 noch Politiker, die den wissenschaftlich erwiesenen, menschen-gemachten Klimawandel leugnen.

Erneuerbare Energien ermöglichen schon heute eine sichere und saubere Versorgung

Die protestierenden Schülerinnen und Schüler haben absolut Recht, wenn sie von der Politik fordern, endlich global Maßnahmen und Regeln zu implementieren, um die Energieversorgung schnell und wirksam zu dekarbonisieren. Die technischen Mittel und Möglichkeiten dazu sind vorhanden: Die erneuerbaren Energien sind heute in vielen Regionen mit nicht subventionierten fossilen Energiequellen wettbewerbsfähig. In Kombination mit Speichern können sie eine sichere, kostengünstige und klimafreundliche Versorgung gewährleisten. Und zwar nicht nur im klassischen Stromsektor, sondern auch in weiteren Sektoren, wie Mobilität und Wärme, die zunehmend elektrifiziert werden. Durch die Kopplung der Sektoren sowie die fortschreitende Digitalisierung kommen hier immer neue Möglichkeiten hinzu.

Vor diesem Hintergrund lasse ich auch das Argument vieler Politiker nicht gelten, der Umbau der Energieversorgung sei unbezahlbar und bedeute einen massiven Jobverlust. Anstelle der heutigen Arbeitsplätze in den alten, traditionellen Industrien werden hoch qualifizierte neue Jobs in nachhaltigen, innovativen Unternehmen entstehen. Es geht hier also nicht, wie von vielen Politikern suggeriert, um die Gefährdung unseres Wohlstands, sondern um einen Strukturwandel, der sowohl in den einzelnen Staaten und Regionen als auch auf internationaler Ebene politisch gestaltet werden muss.

You Are Stealing Our Future: Greta Thunberg, 15, Condemns the World’s Inaction on Climate Change

Jetzt ist mutiges politisches Handeln gefragt

Und nichts anderes fordern die Fridays for Future-Protestierer: mutiges und vorausschauendes politisches Handeln. Weil dieses Anliegen so ungemein wichtig ist, war es für meinen Vorstandskollegen Ulrich Hadding und mich auch selbstverständlich, die SMA Auszubildenden für die Teilnahme am heutigen, groß angelegten Freitags-Protest freizustellen. Ich hoffe sehr, dass ihr Protest schon bald erfolgreich sein wird. Denn viel Zeit bleibt nicht, um den weltweiten Temperaturanstieg zu stoppen.

Danke, Greta Thunberg, dass du eine Bewegung gestartet hast, die uns jeden Freitag daran erinnert.

https://www.fridaysforfuture.org/

Hier schreibt SMA Vorstandssprecher Jürgen Reinert über Themen, die ihn bewegen.

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