E-Mobilität: Verkehrswende nachhaltig gestalten

Weltweit werden die Menschen immer mobiler. Ein Trend, der nicht nur Verkehrsplaner vor erhebliche Herausforderungen stellt, sondern auch erheblich zum Klimawandel beiträgt. Wie muss die nachhaltige und nutzerfreundliche Mobilität der Zukunft gestaltet werden? Annika Kunze, Produktmanagerin für Elektromobilität und Energielösungen für Supermärkte bei der SMA Tochtergesellschaft coneva, gibt Einblicke und Ausblicke.

Der Verkehrssektor trägt erheblich zum Klimawandel bei. Wie kann die Verkehrswende gelingen?

Annika Kunze ist Produktmanagerin für Elektromobilität und Energielösungen bei coneva.

Der Verkehrssektor ist für etwa 20 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Der Handlungsbedarf ist entsprechend groß. Um die hohe Umweltbelastung durch den stetig steigenden Mobilitätsbedarf zu senken, müssen wir viel stärker auf Maßnahmen zur Dekarbonisierung setzen.

Wir brauchen nachhaltige und integrierte Mobilitätslösungen für verschiedene Transportarten des Personen- und Güterverkehrs, wie Straßen- und Schienenverkehr oder Luft- und Schifffahrt.

Die Verkehrswende ist zu schaffen, wenn energieeffiziente Mobilitätskonzepte in Verbindung mit nachhaltigen Energielösungen auf Basis von erneuerbaren Energien sektorenübergreifend vernetzt, bedarfsgerecht und wirtschaftlich für alle angeboten werden können. Dafür sollten alle Beteiligten aus Wirtschaft und Politik – auf allen Ebenen – aber auch die Gesellschaft insgesamt, gemeinsam handeln und Verantwortung übernehmen. Damit es keine Rolle rückwärts gibt, müssen die nötigen regulatorischen Rahmenbedingungen im Interesse der Endanwender und der Lösungsanbieter geschaffen werden.

Welche Rolle spielt E-Mobilität im Rahmen der Sektorenkopplung?

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos führt zur erhöhten Belastung der Stromnetze. Zusätzlich wird Strom zunehmend aus regenerativen Energiequellen erzeugt. Hieraus entstehen einige Herausforderungen. Dazu gehören die fluktuierende Erzeugung aus Sonne und Wind oder Lastspitzen beim Verbrauch im Verteilnetz, etwa dann, wenn abends viele Elektroautos gleichzeitig geladen werden. Hier gilt es, Bedarf und Angebot nachhaltig und wirtschaftlich zu gestalten.

Die Kopplung einer PV-Anlage zur Erzeugung des Grünstroms und der Autobatterie als Zwischenspeicher kann zur Entlastung der Netze beitragen. Durch die intelligente Steuerung und Flexibilisierung der Ladevorgänge kann der vorhandene Strom zusätzlich optimal genutzt, Kosten eingespart und das Stromnetz weiter entlastet werden. Aber auch die Vernetzung mit anderen Energiesektoren, wie Wärme oder Kälte, kann bei der Versorgung von E-Autos direkt oder indirekt eine Rolle spielen. Das hat auch Auswirkungen auf die Preissetzung des Stroms. Wichtige Fragen sind: Soll primär Mobilität sichergestellt werden, oder soll vorrangig Strom aus erneuerbaren Energien genutzt werden?

Bei coneva arbeiten wir aktuell an Lösungen, die diese intelligente Vernetzung ermöglichen. Basierend auf der IoT-Energiemanagement-Plattform ennexOS von SMA entwickeln wir Services zur Steuerung des Lastmanagements, um so den Verbrauch über dezentrale, nachhaltige Energieerzeugungssysteme zu optimieren und diese Energie auch für die Elektromobilität nutzbar zu machen.

Kooperation für nachhaltige Mobilität: Audi und SMA sorgen dafür, dass e-tron-Fahrer künftig direkt zu Hause kostengünstig tanken – am besten den Strom aus der eigenen Solaranlage.

SMA und Audi arbeiten gerade auf Basis des EEBUS-Standards daran, das Fahrzeug mit dem Heimenergiemanagementsystem so intelligent zu vernetzen, dass kostenoptimiertes Laden mit nachhaltigem Photovoltaikstrom unter Berücksichtigung von variablen Stromtarifen möglich ist. Die Batterie kann dann zu Zeiten mit Strom versorgt werden, in denen der Strompreis besonders günstig ist.

Wie kann jeder Einzelne heute schon einen Beitrag zu nachhaltiger Mobilität leisten?

Studien belegen, dass der Individualverkehr einen Großteil des gesamten Verkehrsaufkommens ausmacht, etwa die täglichen Autofahrten zur Arbeit. Hier müssen wir umdenken. Jeder von uns sollte öfter anstelle des eigenen Autos nachhaltigere Mobilitätsangebote nutzen, z.B. CarSharing, und den ÖPNV, der auch zunehmend elektrifiziert wird. Viele Städte machen das bereits vor. Außerhalb der Städte fehlt es allerdings oft noch an passenden Angeboten.

Intelligentes Energiemanagement: Strom aus der eigenen Solaranlage nutzen und zum Nulltarif tanken.

Grundsätzlich sollte jeder die für ihn individuell beste Lösung finden, basierend auf Nachhaltigkeit. Etwa Elektromobilität, ggf. auch in Kombination mit einem dezentralen Energiesystem wie Photovoltaik zur Stromerzeugung.

Wir bei coneva entwickeln für Privat- und Gewerbekunden Lösungen, die den Eigenverbrauch fördern und dabei auch die Mobilität mit einbeziehen. Beispielsweise können sich Endverbraucher zukünftig bei unseren Kooperationspartnern, den Stadtwerken, beraten lassen. Supermärkten und Gewerbetreibenden helfen wir bei Analyse, Umsetzung und Betrieb eines intelligenten dezentralen Energiesystems in Verbindung mit der passenden Ladeinfrastruktur.

Wo gibt es bereits erfolgreiche Projekte?

Es gibt schon eine Vielzahl an Projekten und Initiativen. In Großstädten wie Hamburg oder München wurde die Elektrifizierung des ÖPNV und anderer Transportmittel angestoßen. Zusätzlich sollen allein in München bis Ende nächsten Jahres 550 neue Ladesäulen entstehen, und die Anschaffung von E-Bikes wird mit bis zu 1.000 Euro gefördert. Auch Unternehmen stellen Ihre gewerblichen Flotten immer mehr auf E-Autos und E-Transporter um. Die Deutsche Post hat das vorgemacht. Ein weiterer wichtiger Bereich sind Quartierslösungen, bei denen in Wohngebieten Energiesysteme gekoppelt mit Elektromobilität eingesetzt werden. Ein solches Projekt wurde beispielsweise in Köln vorgestellt.

Seitens coneva haben wir in Kooperation mit Danfoss einen Piloten zur Kopplung der verschiedenen Energiesektoren bei einem Supermarkt in Oldenburg gestartet. PV-Anlage, Batteriespeicher, Kühlanlagen und Ladeinfrastruktur werden über ein intelligentes Lastmanagement miteinander verknüpft. Dabei wird die Nutzung des erzeugten nachhaltigen Stroms optimiert, teure Spitzenlast entfällt und Energiekosten werden eingespart.

Welches sind die wichtigsten aktuellen technologischen Trends?

Mehr Sonne tanken mit intelligenter Vernetzung.

Aus meiner Sicht sind Konnektivität, Elektromobilität und autonomes Fahren wesentliche Bereiche.

Was für die nachhaltige Stromversorgung der Zukunft gilt, gilt auch für die Mobilität: Neue Technologien und künstliche Intelligenz werden die Städte immer stärker vernetzen und das Mobilitätsverhalten und die Logistik weiter optimieren, z.B. Verkehrsströme besser analysieren und steuern. Hinsichtlich autonom fahrender Autos sind noch einige Hürden zu überwinden, aber der Trend zum elektrischen, autonom fahrenden Sammeltaxi schreitet weiter voran.

In der Elektromobilität wird es in den nächsten Jahren insbesondere um die Weiterentwicklung der Batterie – ob als stationärer oder mobiler Stromspeicher oder als elektrischer Antrieb – gehen. Vehicle-2-Grid wird einen wichtigen Stellenwert haben. Dabei fungiert das Auto als Speicher und gibt Strom an das Netz ab. Vernetzte Apps senken Zeitaufwand und Kosten bei der Nutzung von Mobilitätsangeboten zusätzlich.

Wie wird unsere Mobilität in zehn Jahren aussehen?

Das Mobilitätsverhalten wird sich in den kommenden Jahren nachhaltig verändern. Im Personenverkehr geht es dann nicht mehr um den Besitz eines Autos als Statussymbol, sondern um den Zugang zu nachhaltigen und bedarfsgerechten Mobilitätsdienstleistungen. Der Verkehr wird digital, vernetzt und elektrifiziert sein und auf Sharing-Angeboten basieren. Die ersten autonom fahrenden Autos und Kleinbusse wird es in den Städten geben. Das wird die Weiterentwicklung eines individualisierten ÖPNV unterstützen. Das Smartphone und vernetzte Apps werden Zugang zur Mobilität und Transparenz über Preismodelle bieten. Der kombinierte Verkehr, z.B. mit dem Fahrrad zum Bahnhof und mit dem ÖPNV weiterfahren, wird ein häufig genutztes Modell sein. Dabei werden autofreie Straßen und zusätzliche Infrastruktur für Fahrräder den Fuß- und Fahrradverkehr zusätzlich beleben.

Und dann gibt es sicherlich auch erste Lösungen mit Flugtaxi oder Transportdrohnen, wie sie gerade im mitterlern Osten in einigen Modellprojekten getestet werden. Möglicherweise tragen auch neue Mobilitätsangebote der Arbeitgeber, etwa Mobilitätsbudget statt Dienstwagen, dazu bei, dass sich der Berufsverkehr in den Städten deutlich verändert. Und schließlich werden die elektrifizierten Mobilitätsangebote dann den Strom aus vernetzten dezentralen Energiesystemen beziehen können.

 

Ihr habt Fragen zur E-Mobilität und coneva? Dann freuen wir uns auf eure Nachricht.

 

Annika Kunze ist Product & Marketing Manager bei coneva. Ihr Fokus liegt auf branchenübergreifenden Lösungen. Annika hat ihre Expertise in Sachen Elektromobilität und Ladelösungen unter anderem bei der BMW Group im Rahmen einer globalen Markteinführung erworben. Sie war als Inhouse-Beraterin für Energiewirtschaft im E.ON-Konzern tätig und hat Erfahrung mit digitalen Geschäftsmodellen.

 

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