Digitalisierung und Photovoltaik – die Zukunft hat begonnen

Von am 24. Oktober 2017 in der Kategorie Energiewende mit 0 Kommentare
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Die Digitalisierung hält in immer mehr Lebensbereichen Einzug – und wird die Dezentralisierung der Energieversorgung noch weiter beschleunigen. Kein Wunder also, dass das Thema auf der Agenda des europäischen PV-Branchenverbands SolarPower Europe ganz oben steht. Daran ist auch Detlef Beister, Business Development Manager bei SMA, beteiligt.

 

detlef beisterDetlef, du bist Mitglied der „SolarPower Europe Digitalisation & Solar Task Force“. Was steckt dahinter?

SolarPower Europe ist der europäische Photovoltaik-Branchenverband mit inzwischen über 200 Mitgliedern aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette. Es gibt Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen, die aktuell gerade von besonderer Bedeutung sind. Eine davon ist die „Digitalisation & Solar Task Force“, die Ende 2016 ins Leben gerufen wurde, und in der SMA den Vorsitz hat. Ich arbeite seit Februar in der Arbeitsgruppe mit und habe den Lead für eines der Deliverables, die zehn „Regulatorischen Anforderungen“ übernommen. Darin haben wir formuliert, was die Politik tun muss, damit die digitale Transformation des Energiesystems zügig voranschreiten kann. Wir haben die Anforderungen Ende Juni der Politik übergeben. Zuvor waren bereits auf der Intersolar im Mai die „Seven Commitments on Digitalisation”, also Selbstverpflichtungen der PV-Industrie für eine schnellere und dennoch sichere Digitalisierung, gelauncht worden. Diese Dokumente haben durchaus Gewicht, denn in der Task Force sind neben SMA auch andere Branchengrößen wie ABB, Huawei, Schneider Electric und Siemens vertreten.

 

Die Arbeitsgruppe hat Anfang Oktober auf der European Utility Week in Amsterdam den „Digitalisation & Solar Report“ veröffentlicht, die wohl weltweit erste tiefgreifende Analyse zu den Chancen und Möglichkeiten, die sich mit der Digitalisierung für die Photovoltaik ergeben. Was sind für dich die wichtigsten Erkenntnisse der Studie?

Die wichtigste Erkenntnis ist für mich, dass die Digitalisierung tatsächlich bereits an allen Stellen der PV-Wertschöpfungskette Einzug gehalten hat – von der Systemauslegung über die Ertragsprognose, die Produktion der einzelnen Systemkomponenten (Stichwort Industrie 4.0) und die Integration der PV-Systeme in intelligente Gebäude, von Themen wie Einbindung in Smart Grids, Microgrids und Peer-to-Peer Trading bis hin zu Operation & Maintenance. Digitale Dienstleistungen bergen ein unglaubliches zusätzliches Geschäfts-Potenzial für die Photovoltaik, zum Beispiel in den Bereichen lokales Energiemanagement zur Eigenverbrauchsoptimierung und Aggregation von PV-Anlagen zur Teilnahme an virtuellen Kraftwerken oder Energy Communities. Hier zeigt sich auch, dass SMA mit dem strategischen Ziel, sich zum System- und Lösungsanbieter weiterzuentwickeln, genau auf das richtige Pferd gesetzt hat. Wir sind in dem Report ja auch bereits mit zwei interessanten Case Studies zu unserer ennexOS Energiemanagement-Plattform und unserem Worker Information System prominent vertreten.

 

Digitalisierung und Photovoltaik ergänzen sich also perfekt. Wo gibt es noch Hürden?

Da gibt es tatsächlich noch einige Hürden, deshalb ist die Arbeit der Task Force auch so wichtig. Diese Hürden haben wir in den schon erwähnten „Regulatorischen Anforderungen“ zusammengefasst. Die vorhandene Regulierung ist ja zum größten Teil für die klassische Energiewirtschaft gemacht worden. Und man merkt, dass Digitalisierung da bisher kein Thema war und teilweise sogar sehr skeptisch betrachtet wird, weil sich beispielsweise im Bereich der Sicherheit neue Herausforderungen auftun – denen man sich selbstverständlich stellen muss. In Bereichen wie etwa dem Peer-to-Peer Stromhandel oder der Implementierung neuer, innovativer Technologien und Geschäftsmodelle muss die Politik dringend Hürden aus dem Weg räumen, damit Europa eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung der Stromversorgung einnehmen kann. Bei uns in Deutschland könnten sich aus dem „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ weitere Hemmnisse ergeben, wenn wir in nächster Zeit nicht ganz besonders aufpassen.

 

Was sind nun die nächsten Schritte für die Task Force und für SolarPower Europe?

Für Dezember und Januar sind Webinare geplant, in denen wir die Studie und unsere zehn Anforderungen an die Politik den Regulatoren aus Brüssel und den einzelnen europäischen Staaten vorstellen und mit ihnen diskutieren wollen. Darüber hinaus wird am 5. Dezember in der BMW Welt in München das erste von SolarPower Europe organisierte „Digital Solar & Storage“ Event mit SMA als strategischem Partner stattfinden. Dort werden Vertreter aus den Bereichen PV, Speicher und Digitalisierung zusammenkommen, um eine branchenübergreifende Plattform für die Sektoren Energieversorgung, Wärme und Mobilität zu schaffen.  Was die Task Force betrifft, sind wir gerade dabei, die Zielsetzung für das kommende Jahr zu definieren, denn es ist klar, dass das Thema Digitalisierung und PV auch 2018 von größter Bedeutung für die Branche sein wird.

 

Detlef, vielen Dank für das Gespräch.

 

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Ich bin bei SMA Ansprechpartnerin für die Presse.
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Im Rahmen von „Jugend trainiert für Olympia“ bin ich als Teenager mit dem Rennrodel durch Eiskanäle geflitzt.

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