Den Mythen über die Energiewende entschlossen entgegen treten

Die Energiewende ist zu wichtig, um Anti-Energiewende-Vereinen das Feld zu überlassen. Tatsächlich hat aber kaum jemand Zeit, sich all das komplexe Hintergrundwissen anzueignen. Hier kommt die Plattform EE-Mythen.de ins Spiel.

 

Für alle, die mich noch nicht kennen: mein Name ist Christian Höhle. Ich arbeite seit etwas mehr als 9 Jahren bei SMA. In dieser Zeit hatte ich das unglaubliche Glück, beruflich viel Zeit mit der Energiewende verbringen und die Hintergründe kennen lernen zu können.

Mit meiner Familie wohne ich in dem schönen Örtchen Bad Wünnenberg, das mitten im Windpark Sintfeld liegt. Jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit fahre ich an einigen der fast 160 Windkraftanlagen und auch an vielen Häusern und Bauernhöfen mit Solaranlagen auf dem Dach vorüber. Ich war immer stolz darauf, dass bei uns zu Hause die Energiewende besonders gut voran kam.

Die Energiewende-Gegner – mit platten Argumenten gegen die Energiewende

Dann bekam ich eines Tages aus der Zeitung mit, dass sich bei uns – im gefühlten Zentrum der Energiewende – 600 Menschen in der Schützenhalle gegen die Windkraft versammelt hatten. Das war 2014, als mir so langsam klar wurde, dass die Energiewende ein Problem hat: die Zusammenhänge sind sehr komplex. So fällt den Protagonisten der Anti-Energiewende-Vereine leicht, die Menschen mit platten Argumenten gegen die Energiewende aufzubringen.

In der folgenden Zeit habe ich auch auf Facebook immer wieder völlig abstruse Positionen zur Energiewende gelesen. Ich dachte mir, dass man das so nicht stehen lassen kann. So habe ich mir oft die Zeit genommen, darauf zu antworten. Das hat allerdings viel Zeit gekostet. Und am Ende, wenn die Argumente ausgingen, wurde dann oft zur Sperrung gegriffen. Damit waren meine mühsam geschriebenen Texte wieder weg.

Auch im Bekanntenkreis kamen immer wieder mal Kommentare wie „Das ist doch viel zu teuer“ und „Erneuerbare taugen nicht für die Stromversorgung eines Industrielandes, denn was, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht???“

Da musste was passieren – so konnte es nicht weiter gehen!

Ein FAQ-Tool für die Energiewende

Mein Kollege Mohammad Al Natour aus unserer Niederlassung in Abu Dhabi hat mich dann dieses Jahr auf eine tolle Idee gebracht. Er zeigte mir ein Werkzeug für „Oft gestellte Fragen“ – ein FAQ-Tool. Mit Hilfe dieses Programms kommt man in Nullkommanix von einer Frage zu einer passenden Antwort. Genau das richtige für die Aufklärung zur Energiewende! Und so einfach funktioniert es:

EE-Mythen: Diskussion um die Energiewende leicht gemacht 😉

So entstand an einem Wochenende im Mai 2018 die Plattform EE-Mythen.de, die heute bereits 15.500 Besuche vorweisen kann.

Die Top-Mythen in Sachen Erneuerbare Energien

Seit Mai sind etwa 15 Mythen online, und es gibt schon Ideen für 10 weitere, die in den kommenden Wochen Stück für Stück hinzu kommen. Die beliebtesten und damit meist geklickten Mythen findet ihr hier:

  1. Erneuerbare Energien sind nicht „grundlastfähig“ und die „gesicherte Leistung“ ist nahe 0. Deshalb können sie konventionelle Kraftwerke nicht ersetzen. (1744 Views)
    Das ist natürlich Quatsch. Warum wetterabhängige, erneuerbare Energien einen großen Beitrag leisten und im Verbund aller erneuerbarer Energien trotzdem Kraftwerke ersetzen können, erfahrt ihr in diesem Beitrag.
  2. Die Energiewende dient nur der Reduktion des CO2-Ausstoßes. (1246 Views)
    Die Energiewende ist viel viel mehr als nur das „Stoppen des Klimawandels“. Was noch alles zur Energiewende gehört – von der Schadstoffvermeidung bis zur Entwicklungshilfe – erfahrt ihr in diesem Artikel.
  3. Strom wird im Ausland entsorgt und wir zahlen unseren Nachbarn auch noch Geld dafür, dass sie unseren Strom abnehmen.  Manchmal wird auch von Verklappung oder Entsorgung von Ökostrom gesprochen. (918 Views)
    Wie oft habe ich schon gehört, dass Windkraft und Solarstrom über den Bedarf hinaus erzeugen und im Ausland entsorgt werden müssen! Das ist natürlich Quatsch. Den Grund erfahrt ihr in diesem Beitrag.
Meine persönlichen Favoriten

Abgesehen von den meistgeklickten Mythen gibt es aber auch ein paar, die mir persönlich besonders gut gefallen. Die findet ihr hier:

  1. Erneuerbare Energien sind nicht regelbar und können somit kein Einfluss nehmen auf die Netzstabilität, Frequenz- und Spannungshaltung.
    Ein alter Irrglaube, den besonders das Netzintegrationsteam von SMA gerne widerlegt 😉
  2. Der CO2 Ausstoß sinkt durch die Energiewende gar nicht
    Auch das ist natürlich Blödsinn. Wie viel CO2 tatsächlich gespart wird, und warum an anderer Stelle zusätzliches CO2 produziert wird, erfahrt ihr hier.
  3. Erneuerbare haben einen schlechten Erntefaktor – das Verhältnis von aufgewendeter zu produzierter Energie ist geringer als bei fossilen oder atomaren Kraftwerken. Daher sind Erneuerbare Energien Energiequellen von „schlechterer Qualität“.
    Für konventionelle Kraftwerke wird oft mit hohen Erntefaktoren geworben. Es wird ein hoher Ertrag für die eingesetzte Energie suggeriert. Das stimmt allerdings nur, so lange man den Brennstoff als Energiequelle vergisst, den man stetig über die gesamte Lebensdauer in so ein Kraftwerk hinein schieben muss…
Was kannst du tun gegen den Unsinn, der über Erneuerbare Energien verbreitet wird?

Mit Hilfe der Plattform EE-Mythen.de kann man nun schnell und ohne einen Doktortitel in Ingenieurswissenschaften machen zu müssen, den Gegnern erneuerbarer Energien den Wind aus den Segeln nehmen. Natürlich ist mir auch klar, dass man nicht jeden bekehren kann. Aber es gibt oft viele stille Mitleser die nicht selbst das Wort ergreifen, sich aber von guten Argumenten überzeugen lassen. Für diese vielen Menschen lohnt es sich, kontra zu geben.

Auch du kannst helfen

Wann immer du Unsinn über Erneuerbare Energien hörst oder liest, lass es nicht einfach so stehen. Sonst glaubt das nachher noch jemand 😉
Schau einfach auf: https://www.ee-mythen.de
Am einfachsten geht das über die Suche oder die Stichwortliste.
Wenn du den entsprechenden Mythos gefunden hast, kannst du einfach die Adresse aus deinem Browserfenster kopieren und zum Beispiel in deinem Blog- oder einem Facebook-Kommentar einfügen.

Solltest du auf ein Thema treffen, dass bei EE-Mythen noch nicht berücksichtigt wurde, schreibe einfach eine Email an Info@EE-Mythen.de

In diesem Sinne: Ich freue mich auf viele neue Mitstreiter 🙂
Viel Spaß beim Verteidigen der Energiewende!!

 

3 Kommentare
  1. Claus Gallas sagte:

    Ich habe eine Frage: Bei der Vielzahl installierter WKA und der vielen Qm Solaranlagen, nicht zu vergessen Biogasanlagen…. könnten wir gegenwärtig ohne Grundlastkraftwerke auskommen?

    Antworten
    • Hans Diehl sagte:

      Ich denke mal nein…aber mit zunehmenden EE, werden Grundlastkraftwerke immer öfter zu Backup Kraftwerken.

      Siehe hier::
      Zitat: Diese zwei Artikel beantworteten sehr gut unsere Frage, wer eigentlich an der Strombörse einkauft. Denn es wurde immer nur von Versorgungsunternehmen, Stromhändlern, industriellen Großkunden und Banken gesprochen. Nun wissen wir dazu gehören auch die Stadtwerke und Unternehmen, wie E.ON, RWE usw. Es gibt also keinen Zwischenhändler mehr. Der Grund dafür, dass Unternehmen wie RWE auch an der Börse einkaufen, obwohl sie selbst rund 30 Kraftwerke besitzen und somit eigentlich genug Strom produzieren, ist einfach. Es gibt Tage, da ist der Strompreis an der Börse so günstig, dass eine Eigenproduktion viel teurer wäre. Daher werden dann die Kraftwerke gedrosselt und lieber günstig eingekauft. Zitat Ende.

      Die bedienen ihre Langzeitverträge am Terminmarkt, immer dann durch kaufen am Spotmarkt, wenn da die Preise unter denen der Langzeitverträge liegen.
      Seit die EE 2010 zum vermarkten an die Börse verbannt wurden, ist das immer öfter der Fall, weil die da zusätzlich anfallen,.Mit anderen Worten die Phasen wo Sonne und Wind keine Rechnung schicken, werden genutzt zur Ertragsoptimierung, wie es in diesbezüglichen Untersuchungen heißt.

      Man sieht unter Einbeziehung von Logistik, sind die EE quasi grundlastfähig

      Antworten
    • Christian Höhle
      Christian Höhle sagte:

      Hallo Claus,

      der Verbrauch in Deutschland pendelt zwischen 30 und 70 Gigawatt.

      Wind und Sonne sind manchmal verfügbar und manchmal nicht. Wenn sie verfügbar sind, können sie sehr sauber und günstig produzieren. Mit Prognosen ist es mittlerweile möglich, schon ein paar Stunden im Voraus zu sagen, wie sich die Produktion aus Wind und Sonne entwickeln wird, sodass man Grundlastkraftwerke herunter fahren kann. Das ist bereits an vielen Tagen geschehen. Hier ein Beispiel dazu:
      Reduktion von Braunkohleeinspeisung

      Aber um Grundlastkraftwerke wie Braunkohle und Kernkraft endgültig abschalten zu können benötigt man ausreichend Quellen, die unabhängig von Wind und Sonne produzieren können. Solche Kraftwerke stehen aktuell mit ca. 71 Gigawatt zur Verfügung:
      Installierte Leistung Erzeugungsarten 2017

      Das ist ein bisschen zu knapp um alle Grundlastkraftwerke auf einmal abzuschalten. Denn etwas Puffer benötigt man, falls Kraftwerke mal nicht verfügbar sind. Dazu wird zum Beispiel gerade bei Biomasseanlagen zusätzliche Generatorleistung nachgerüstet, sodass in Zukunft viele dieser Anlagen nicht dauernd durchlaufen müssen. Statt dessen liefern sie höhere Leistung dann wenn sie benötigt wird.

      Also kurz zusammengefasst:
      Einige Grundlastkraftwerke kann man heute schon abschalten. Und sowohl die Bundesnetzagentur als auch das Bundeswirtschaftsministerium empfehlen die Abschaltung sogar (siehe hier).
      Um alle Grundlastkraftwerke abzuschalten muss man noch ein wenig tun.

      Sonnige Grüße,
      Christian

      Antworten

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