Was ist eigentlich ein Hybridstrommarkt?

Von Thorsten Zörner (Gastbeitrag) am 27. Januar 2015 in der Kategorie Energiewende mit 4 Kommentare
Hybridstrommarkt

Energieblogger und Strommarkt-Designer Thorsten Zörner von „blog.stromhaltig“ hat ein Buch über das Konzept des Hybridstrommarkst geschrieben, das er über Crowdfunding finanziert. Ich wollte von ihm wissen, was man unter einem Hybridstrommarkt versteht, was die Vorteile sind und was der normale Stromkunde davon hat.

 

Thorsten, was versteht man unter einem Hybridstrommarkt?

Ein Strommarkt-Design, welches ohne kostspielige Reservekraftwerke auskommt und auf die Mechanismen des Marktes vertraut. Es setzt sich aus dem Modell des klassischen Leistungsabrechnung (nach Kilo-Watt-Stunden) und dem Modell der Kapazitätsmiete (nach Kilo-Watt) zusammen. Mit dem Hybridstrommarkt kann der Stromkunde seinen Stromverbrauch reduzieren, indem er zunächst den Strom aus einer eigenen PV- oder Windanlage  bekommt, bevor er den Rest wie bisher bezieht. Der Witz ist nur, dass die PV-Anlage oder die Windräder nicht im eigenen Garten/Haus sein müssen, sondern irgendwo im Stromnetz. Die Kosten für die Netzdurchleitung sind fix für die Laufzeit des Mietvertrages und im Mietzins enthalten. Klingt kompliziert? Vielleicht beschreibt es das Video auf Youtube etwas besser…

 

Was sind die Vorteile dieses Konzepts im Vergleich zum bisherigen Strommarkt in Deutschland?

Im aktuellen Strommarkt besteht immer eine Konkurrenzsituation zwischen den Erzeugungsarten. Marktteilnehmer mit relativ hohen Brennstoffkosten werden vom Markt gedrängt, obwohl sie die notwendige Flexibilität mit bringen, die man bei einer zunehmenden Stromerzeugung aus Wind und Sonne braucht. Gas oder zukünftig Power-To-Gas bekommt bei der Stromerzeugung nur eine Chance, wenn es kurzzeitig hohe Strompreise geben kann. Aufgabe des Strommarktes ist es Signale an die Marktteilnehmer zur Investition zu senden.

Aktuell passiert etwas sehr spannendes, da Wind und Sonne keine Rechnung senden, gibt es zunehmend auch Strom ohne Brennstoffkosten. Die günstigsten Brennstoffkosten haben Braunkohlekraftwerke, die aber recht unflexibel sind, diese kommen jetzt mehr zum Zuge als früher. Die Flexibilität der Gaskraftwerke verschwindet mehr und mehr vom Markt.

Im Hybridstrommarkt passieren nun zwei Dinge: Der PV- und Windstrom kann über eine Laufzeit gemietet werden, wodurch es keine Notwendigkeit gibt diesen auf einem Marktplatz zu verramschen, bei dem es rein um den Preis geht. Die indirekte Förderung der Kohleverstromung hätte ein Ende. Der Hybridstrommarkt gibt den Anlagenbetreibern eine Planungssicherheit. Dieser ist nicht mehr auf eine feste Einspeisvergütung abhängig, sondern kann langfristige Verträge eingehen, in denen er Teile seiner Erzeugung vermietet.

 

Was haben die „normalen“ Stromkunden von diesem Konzept?

Mit dem Hybridstrommarkt wird der Stromkunde überhaupt erst zum mündigen Stromkunden. Er bekommt die Freiheit seine Anlagen selbst auszusuchen, die seinen Strom erzeugen. Es wird ganz neue Dienstleistungen und Produkte geben, die man sich heute noch garnicht vorstellen kann.

 

Lässt sich ein Hybridstrommarkt auch international adaptieren?

Es gibt bereits ein ähnliches Modell in Holland, auch wenn es nicht unbedingt ein Musterland bei der Energiewende ist. Ansonsten hat das Design des Hybridstrommarktes keine Besonderheiten, die eine Einschränkung auf Deutschland oder Europa mit sich bringen. Parallel zur Erstellung wurden die weltweiten Erfahrungen mit unterschiedlichen Marktformen zusammengetragen.

 

Du hast über die Crowdfunding-Plattform StartNext das Projekt „Hybridstrommarkt – Energiewende in Bürgerhand“ gestartet. Was unterstütze ich konkret, wenn ich mich finanziell an deinem Projekt beteilige?

Zunächst wird ein Buch noch im Februar 2015 veröffentlicht, welches dann verbreitet werden soll. Es fallen externe Kosten für Lektorat, Druck und andere Verlagsdienstleistungen an. Wichtig ist aber, dass der Hybridstrommarkt auch in den entsprechenden Veranstaltungen positioniert wird. Jeder, der einmal auf einer solchen Veranstaltung gewesen ist, der weiß, dass man bei den Eintrittspreisen nicht unbedingt eine Einzelperson (ohne finanzielle Interessen)  in der Zielgruppe sucht.

 

Thorsten, vielen Dank für das Interview.

 

Hier erfahrt ihr mehr über das Thema Hybridstrommarkt und die Cowdfundingaktion:

http://hybridstrommarkt.de/

 

Bildquelle: Photo by DAVID ILIFF. License: CC-BY-SA 3.0

 

0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes

Der Autor

Thorsten Zörner (Gastautor)

Thorsten betreibt seit 2009 blog.stromhaltig, einen Blog rund um die Stromwirtschaft, die Netze und die Stromwende in Deutschland. Er ist Gründungsmitglied der Energieblogger. Jüngst hat er den Schritt vom Erkenntnis-Junkie zum ehrenamtlichen Strommarkt-Designer gemacht.

Tags

Ähnliche Artikel

4 Kommentare

  • avatar

    Thorsten Zoerner

    10. Februar 2015 um 11:01

    Natürlich erinnere ich mich an den Umbau des nicht-nuklearen Bereichs des AKW Biblis. Der Einbau des Phasenschiebers vor 3 Jahren wurde hinreichend in medial ausgeschlachtet und auch bei mir im Blog kommentiert. Was die sogenannte Momentanreserve angeht, so gibt es hierfür mehrere Primärursachen eine aktuell sehr häufige Ursache ist die Veränderung der Wegstrecke des Stroms nach einem netztechnischen Schaltvorgang. Die dadurch verursachten Schwankungen werden heute durch den Handel mit 15/60 Minutenblöcke am Spotmarkt verursacht (Beiträge dazu in meinem Blog und Monitoring unter mainsfrequency.eu ). An diesem Punkt setzt das Design des Hybridstrommarktes durch eine klare Verstetigung der Netzfahrpläne an (Kapitel „Kosten der Stromlogistik“ und „Netz & Handel“ im Buch).

    Antworten »
  • avatar

    Christian Wiesner

    9. Februar 2015 um 18:45

    Guten Tag Herr Zörner,

    in Ihrem neuen Strommarktdesign, welcher Mechanismus kümmert sich darin um extrem kurzzeitige Netzschwankungen im Millisekunden-Bereich, erbringt also die sogenannte ‚Momentanreserve‘, die derzeit noch über die konventionellen ‚Must-Run‘ Kraftwerke dargestellt wird ?

    Wussten Sie dass der Generatorblock des Atomkraftwerks Biblis immer noch am Netz ist, obwohl der Reaktor längst abgeschaltet wurde, nur um über seine rotierenden Massen das Stromnetz dort zu stützen ?

    Ich empfehle dringend sich etwas tiefer in die Thematik ‚Stromnetze‘ einzuarbeiten, speziell was Blindleistung und deren Kompensation betrifft, bevor man sich daran wagt ein neues Strommarktdesign zu propagieren. Ein echter Profi aus diesem Bereich zerlegt Sie sonst in einer Podiumsdiskussion in wenigen Minuten ….

    Antworten »
  • avatar

    IEmobility Sonnenuhrendorf

    9. Februar 2015 um 13:20

    Lieber Thorsten, danke dass Du dies so gut „trans-parent“ trans-„PORTIERST“ damit wir es alle trans FORMIEREN können – sofern wir denn wollen. Helau oder besser 365/7/24 let´s start together!

    Mach´weiter bitte – Gruß von Bergstraße/Odenwald + EU + …

    Antworten »
  • avatar

    Kilian Rüfer

    28. Januar 2015 um 11:13

    Lieber Thorsten, ihr müsst euch in der erklärenden Puppenkiste halb krum gelacht haben! Es ist die schlichte Wahrheit, dass wir Bürger in dieser Angelegenheit bevormundet werden. In der Tat ist dieses Thema und dieser Lösungsansatz in den kommenden Wochen ganz entscheidend. Manche munkeln, dass es bereits vollkommen fest steht und vorentschieden ist, wie dies nun reformiert werden soll. Offiziell gibt es eine große Beteilligung. Wenn es mit dieser ernst gemeint sein sollte und der Minister eine aufrichtige und ehrliche Absicht in dieser Angelegenheit verfolgt. Dann sollte der Hybridstrommarkt gute Chancen auf einen prägenden Einfluss haben. Finden wir dies heraus!

    Antworten »

Schreibe einen Kommentar.

 Zeichen vorhanden