„Unser Handy vernetzt die unterschiedlichsten Medien. Das gleiche wird in der Photovoltaik geschehen“

Von Bernd Radowitz (Gastbeitrag) am 26. Juli 2016 in der Kategorie Technologie mit 2 Kommentare
Intersolar2016SMASolar

5 MINUTEN mit Pierre-Pascal Urbon von SMA. Pierre Pascal Urbon, Vorstandssprecher von Europas größtem Wechselrichter-Hersteller, sprach mit Recharge auf der Intersolar Europe. Die Solarindustrie setzt zunehmend auf elektrische Speicher als wichtigen Wachstumsmarkt. Urbon hob hervor, wie die Interkonnektivität von Photovoltaik (PV) mit anderen Energiequellen und Verbrauchern sein Unternehmen verändert, und sieht in der zunehmenden Bedeutung der Cybersicherheit einen Wettbewerbsvorteil für SMA.

 

Sie haben gesagt, in der Solarindustrie gehe es zukünftig weniger um den Verkauf einzelner Produkte oder Geräte, als um Interkonnektivität. 

Pierre-Pascal Urbon

Pierre-Pascal Urbon

Ja, das stimmt. Unser Umfeld wandelt sich hin zu einer Art Plattformgeschäft. Im Mittelpunkt steht dabei die Konnektivität der PV-Anlagen zu anderen Energiequellen und zu Verbrauchern. Das wird die Zukunft sein. Wir werden ein Netzwerk mit anderen Akteuren bilden, um eine höhere Wertschöpfung zu erzielen. Es genügt nicht, einen einzelnen Wechselrichter zu haben. Wir müssen dem Endkunden einen echten Mehrwert bieten. Das ist eine ähnliche Entwicklung wie in der Telefonbranche. Dort geht es nicht mehr nur um Kommunikation. Heute haben wir auf unseren Smartphones die unterschiedlichsten Medien, und das schafft einen hohen Mehrwert. Das gleiche wird in der PV-Industrie geschehen.

 

Welchen Wettbewerbsvorteil sehen Sie in dieser neuen Interkonnektivität für SMA?

Zum einen haben wir bereits Kooperationspartner gefunden. Wir arbeiten mit Tesla, Daimler, TenneT, Stiebel Eltron und Bosch zusammen. Damit vergrößern wir unsere Reichweite deutlich. Zum anderen ist unser Unternehmen sehr transparent. Wir unterhalten keine verdeckten Beziehungen zur Regierung. Unsere Server stehen in Deutschland, entsprechend hoch sind unsere Standards für die Datensicherheit. Das ist etwa bei Anbietern aus Asien vielfach anders. Hierdurch entsteht ein enormes Cyberrisiko. Stellen Sie sich vor, jemand lädt Spionage-Software auf Ihren Wechselrichter und schaltet plötzlich einfach die Anlage ab. Das könnte ein ganzes Land lahmlegen.

 

Wie wichtig ist Cybersicherheit?

Cybersicherheit wird aus meiner Sicht zunehmend an Bedeutung gewinnen, je mehr wir uns mit anderen Geräten und kompletten Systemen vernetzen. Aus diesem Grund achten wir sehr auf eine sichere Infrastruktur und geben dieses Versprechen auch gegenüber unseren Kunden ab.

 

Sie sagten, dass die Erlöse aus Solarspeichern deutlich stärker wachsen werden als andere Bereiche der Solarbranche. Aber SMA selbst stellt keine Batteriespeicher her. Wie werden Sie von der Speichertechnologie profitieren?

Wir bieten Systemtechnik für den Speichereinsatz. Wir haben beispielsweise den Wechselrichter Sunny Boy Storage entwickelt, der perfekt auf die Tesla Powerwall abgestimmt ist. Und unser Sunny Island bietet hervorragende Kompatibilität mit dem Mercedes Benz Energiespeicher. Damit sind wir echte Pioniere auf diesem Gebiet. Das Wichtige an unseren Lösungen ist die Skalierbarkeit. Wenn also in Zukunft die Preise von Batteriespeichern fallen, wird die Anlage einfach erweitert und neue Batterien eingebaut, denn das System ist AC-gekoppelt. Das ist der Hauptvorteil unserer Lösungen .

 

Das Bundeskabinett hat ein Förderprogramm für Elektrofahrzeuge beschlossen, das voraussichtlich von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden wird. Wie wichtig ist das Programm für den künftigen Erfolg der Speicher – und der Solarbranche?

Der wichtigste Faktor für den Erfolg von Batterien sind aus meiner Sicht die Skaleneffekte. Je mehr Elektrofahrzeuge verkauft werden, desto besser, denn dann profitieren wir von den sinkenden Stückkosten. Und deshalb unterstütze ich die Pläne der Bundesregierung sehr. Ich wünschte, sie würde auch die PV-Industrie und den Wandel hin zu einer dezentralen Energieerzeugung unterstützen. Hoffentlich wird sich hier nach einem Regierungswechsel etwas ändern.

 

Dieser Artikel erschien auf Recharge, Autor: Bernd Radowitz, München, am Dienstag, 21. Juni 2016. Vielen Dank für die Genehmigung zur Zweitverwertung. 
 
Foto: Der neue SMA Batterie-Wechselrichter Sunny Boy auf der Intersolar Europe 2016.

 

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Der Autor

Bernd Radowitz (Gastautor)

Bernd Radowitz works as a journalist and writes for the online newswire and magazine Recharge.

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2 Kommentare

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    Hans Holland

    25. August 2016 um 21:36

    sobald die Industrie es schafft bezahlbare Speicher auf den Marktzu bringen, wird die Solarbranche, wie der Vogel Phönix aus der Asche, auferstehen, dann müssen die 4 Großen Stromer, ums Überleben kämpfen. 5 Milliarden Steuern wollen unsere Polituker, den Strahlenschleudern schenken, damit sie so um die 25 Jahre, weiteren starlenden Müll produzieren können. Das ist m.E. wissentliche Beihilfe zur Tötung unserer Nachkommen. Auch die Kohleverstromung ist eine Beihilfe zur Klimawandlung und Verhinderung zum Überleben unserer Nachkommen. bitte um Aufklärung, wenn ich was falsches geschrieben haben sollte.

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    Wolfgang Martin

    25. August 2016 um 14:04

    Sehr geehrter Hr.Radowitz,
    schön dass die Trends auch hier erkannt und begriffen wurden.
    Die Komponenten sollten alle problemlos miteinander kommunizieren können.
    Ich werde auf jeden Fall bei Neuanschaffungen darauf achten. Funksteckdosen sollten hoffentlich bald der Vergangenheit angehören. Firmen die gemeinsame Standards unterstützen davon profitieren.
    Staatliche Unterstützung wäre hilfreich um unabhängiger von der Mineralindustrie zu werden. Habe selbst Wechselrichter, Sunny Island und LG chem Akku mit SMA Home Manager. Bin seit Installation im Juni 100% autark.
    Gruß W. Martin

    Antworten »

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