TV-Tipp: Die große Stromlüge

Von Matthias Gassmann (Gastbeitrag) am 27. April 2016 in der Kategorie Energiewende mit 6 Kommentare


Die Liberalisierung des europäischen Strommarkts… Vor 20 Jahren versprachen die EU-Mitgliedstaaten „günstigere und umweltfreundlichere Energie“. Heute können sich viele Menschen ihre Stromrechnung nicht mehr leisten. Der Dokumentarfilm „Die große Stromlüge“ durchleuchtet die verschiedenen Versprechen, die im Namen eines liberalen europäischen Energiemarkts gemacht wurden, und analysiert die Hintergründe für das Scheitern dieser europäischen Vision. Sehenswert und noch bis zum 11.5. in der arte Mediathek. 

Dieser Film zeigt anhand exemplarischer Einzelschicksalen Auswirkungen, die u.a. durch den Wandel des europäischen Energiesystems entstanden sind. Zudem verweist er auf historische Besonderheiten im Bereich der Energieversorgung in einigen vorrangig westeuropäischen Staaten. Die Beispiele zeigen, dass ein länderübergreifender Vergleich in Bezug auf Energieträger und -kosten sehr detailliert dargestellt werden muss. Hierfür liefert diese Reportage beispielhaft zahlreiche Ansätze.

Einige dargestellte Punkte:

  • Der Rückblick beginnt im Jahr 1979 in Großbritannien. Die damalige Regierung privatisierte staatliche Unternehmen (BP, British Telecom,  British Rail etc.) zur Deregulierung der Märkte.
  • Bei der Ausgestaltung der Idee des Europäischen Energiemarktes setzte sich letztendlich dieser wirtschaftsliberale Ansatz
  • Im Vorfeld der Liberalisierung versuchten einige Staaten, die Position „ihrer Energieversorger“ durch finanzielle Transfers zu stärken.
  • Unter anderem durch die stetig steigende Anzahl an wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Klimaveränderung verstärkte sich die Forderung die Energieversorgung von fossilen Rohstoffen auf Erneuerbare Energien umzugestalten.
  • Es werden die Hintergründe zu über Jahrzehnte entstandenen und aktuellen Verflechtungen von Politik und Energiewirtschaft beleuchtet.
  • Es wird gezeigt, welchen Einfluss globale Ereignisse, wie die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls und der Atomkatastrophe von Fukushima, auf politische Entscheidungen hatten.
  • 10 Prozent der Europäischen Bevölkerung leidet unter Energiearmut (ein Beispiel: ca. 40.000 zusätzliche Wintertote in Großbritannien)
  • Ruinierte Kleinanleger in Spanien
  • Investitionsstau bei Kraftwerken und Infrastruktur
  • Paradox, trotz Ausbau der Erneuerbaren steigt der CO2 Ausstoß in Deutschland. Der Grund, Atomenergie wird durch Energie aus Kohle ersetzt und die Politik verpasst die Chance gegenzusteuern.

Für ein möglichst breites Meinungsbild kommen hier von Energiearmut und falschen politischen Versprechungen existentiell Betroffene genauso zu Wort, wie Politiker, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler und Lobbyisten.

Prädikat sehenswert!

 

Hier kommt ihr zum Film auf der arte-Website

4.67 avg. rating (92% score) - 9 votes

Der Autor

Matthias Gassmann (Gastautor)

Matthias Gaßmann arbeitet seit 2004 bei SMA und betreut die klimatischen Prüfungen im hauseigenen Testzentrum. Privat interessiert er sich u. a. für Musik und Technik.

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6 Kommentare

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    Thorsten Zoerner

    17. Mai 2016 um 08:43

    Zum Ende des Filmes kommt man zur Erkenntnis, dass Nährstoff der Stromlüge künstlich veränderte Machtverhältnisse sind. Mit der Liberalisierung haben die vom Volk gewählten Vertreter die Macht über die Stromwirtschaft an die Mächtigen abgegeben, die von Aktionärsvertretern gewählt wurden.
    (vollständiger Kommentar: https://blog.stromhaltig.de/2016/04/mediathek-tipp-arte-die-grosse-stromluege/ )

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    Rainer

    10. Mai 2016 um 08:36

    Wenn Sie Herr Hennings sich der Mühe unterziehen regelmäßig die Kommentare echter Gegner der Energiewende in politischen Foren und als Krönung die Leserkommentare zu einschlägigen Zeitungsartikeln antun, wird Ihnen „nichts menschliches mehr fremd sein“.

    Da helfen weder Fakten noch „inhaltsreflektierende Betrachtungen“. Selbst wenn es da Spuren von Intelligenz geben sollte, man will einfach nicht verstehen was tatsächlich vorgeht. Wer nach den wenig erfreulichen Erfahrungen mit atomarer Nutzung, immer noch der festen Überzeugung ist, dies sein die einzig wahre Energiequelle oder glaubt, Erdöl bilde sich von ganz alleine „irgendwo“ da unter uns – von „Hohlwelten faselt und und und – den erreichen keine noch so überzeugende Fakten und erst recht auch keine noch so „überzeugende“ Argumentation. Ganz im Gegenteil, so werden sie sofort als Komplize der „Weltverschwörung“ eingestuft.

    Doch sie können sich das alles sparen, einfach hören, lesen was unserer Politiker zu diesem Thema absondern. Dort ist Verdrängung von Realität oberstes Gebot und Handlungsdirektive, dort hat man den nächsten Wahltermin und Machterhalt fest im Blick.

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    Peter Henniges

    9. Mai 2016 um 12:50

    Einerseits wundere ich mich darüber, dass zu diesem sehr informativen Film bis heute kein Inhalt- reflektierender Kommentar geschrieben wurde. Und andererseits verstehe ich, dass nach dem Konsum nicht viel Energie vorhanden ist, um einen geeigneten und intelligenten Kommentar zu schreiben. Als ich den Film vor einiger Zeit auf arte gesehen habe, war ich so sprachlos, dass alle meine Verdrängungsmechanismen sofort ansprangen. So viel Klarheit und Lüge verträgt mein Bewusstsein nicht. Als Energiewende-Überzeugungstäter, der abgeschnitten ist von der Macht und dem Kapital, bleibt mir nur die Hoffnung, dass letztlich der Klimawandel und die damit einhergehenden Veränderungen in Europa zu der Einsicht führt, dass es keine Alternative zu einer Energiewende gibt. Politisch erleben wir in Deutschland gerade einen Energiewende-Blackout, der unter anderem ausgelöst wurde von einer nicht endenden und verdummenden Diskussion über Flüchtlinge und gipfelt nun aktuell in einem völlig hirnlosen AfD-Programm zum Ausstieg aus der Energiewende. Sollte Mr. Trump Recht haben, wenn er sagt, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen, um der amerikanischen Wirtschaft zu schaden? Wenn Trump (Kim Jong-un ist es bereits!) und die AfD für die Geschicke der Menschen auf dieser Welt verantwortlich werden, schwindet bei mir jede Hoffnung!

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    Rainer

    7. Mai 2016 um 07:38

    Mist ! der Link (leider nur nach Absendung kontrollierbar) „Blackout – Deutschland ohne Strom“ war unvollständig :

    http://nrodl.zdf.de/none/zdf/15/08/150807_blackout_inf_2256k_p14v11.mp4

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    Rainer

    7. Mai 2016 um 07:32

    Sorry ich hatte erst nach Freigabe (letzter Post) durch NoScript den eingebunden Film gesehen.

    Dafür noch ein recht interessanter Film :
    http://nrodl.zdf.de/none/zdf/15/08/150807_blackout_inf_2256k_p14v11.mp4%5D

    43 Minuten „Blackout – Deutschland ohne Strom“

    der mir passend zum Thema erscheint – und die Frage aufwirft, wie könnte man seine PV für solche Fälle „inselfähig“ machen ???

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    Rainer

    7. Mai 2016 um 06:23

    Wer die Zeit für 01:19:40 aufbringt, der kann über diesen Link :

    http://arte.gl-systemhaus.de/am/tvguide/SAT/052400-000-A_SQ_1_VA-STA_02259153_MP4-2200_AMM-Tvguide.mp4

    die „Die große Stromlüge“ in HD sofort und direkt ansehen und auch speichern.

    Viel Spaß mit den Erkenntnissen….

    Antworten »

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