Strom aus dem Container – ein Dorfentwicklungsprojekt in Malawi

Von Andrea Geicke (Gastbeitrag) am 13. Dezember 2013 in der Kategorie Verantwortung mit 1 Kommentar
Solare Dorfstromversorgung in Malawi

Weltweit leben noch immer 1,3 Milliarden Menschen ohne Strom, das sind 22 Prozent der Weltbevölkerung. Sie leben überwiegend in ländlichen Regionen ohne Netzanbindung. Im September 2013 ist Harald Leitl mit einem Team nach Chilonga ins ostafrikanische Malawi geflogen, um eine stabile, wartungsfreie Stromversorgung dank Solartechnik auf die Beine zu stellen. Im Gespräch mit Harald Leitl, dem Geschäftsführer der Gablenzer Firma Umweltcentrum für Haustechnik.

Seit Mitte 2007 ist die Liebenzeller Mission (LM) im Dorfentwicklungsprojekt „Ubwenzi“ im Chilongagebiet engagiert. Welche Ziele verfolgt das Projekt und wie sind Sie zu diesem Projekt gekommen?
Harald Leitl beim Aufbau des Solar-Containers in Malawi

Harald Leitl beim Aufbau des Solar-Containers in Malawi

Die ersten Kontakte sind durch Begegnungen im Jahre 2002 entstanden. Die  Mitarbeiter der Mission waren auf Heimaturlaub und erkundigten sich hier vor Ort nach Möglichkeiten der Stromerzeugung. Dabei schilderten sie mir als Solarfachmann nicht nur ihre Probleme, sondern auch ihre Pläne von einem solchen Projekt. Die Ziele sind klar definiert: den 10.000 Einwohnern in 12 Dörfern durch Bildungszugang, Programme für Kinder, Verbesserung der Gesundheitsvorsorge, Ernährungssicherung, Trinkwasserversorgung und Hoffnung durch den christlichen Glauben, zu helfen. Malawi gehört zu den Ländern die stark von Aids betroffen sind. Vor allem Jugendliche sind gefährdet, sich anzustecken und die Krankheit weiter auszubreiten. Schon jetzt sterben landesweit jeden Tag 140 Personen an der Immunschwäche-Krankheit. Die Leidtragenden sind besonders die mehr als 800.000 Kinder, die als Halb- oder Vollwaisen ihr Leben fristen müssen.

Der Häuptling Chilonga richtete die Anfrage direkt an die Mitarbeiter der Liebenzeller Mission, ob diese nicht in seinem Verantwortungsbereich den Dorfbewohnern helfen könnten. In Zusammenarbeit mit den Dorfverantwortlichen wurde dann das Projekt „Ubwenzi“ ins Leben gerufen. „Ubwenzi“ ist ein Wort aus der Chichewa-Sprache und bedeutet Freundschaft. Im Verständnis der Malawier beinhaltet dieser Name aber weit mehr als reine Freundschaft. Er bedeutet Brücken schlagen zwischen Völkern, Unterschiedlichkeiten überwinden, einander die Hand reichen, füreinander da sein, in Liebe und Mitgefühl einander begegnen.

 

Das entlegene Dorf Chilonga ist nicht an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen. Bereits 2008 haben Sie die erste PV-Anlage installiert und nun in 2013 erweitert. Welche Veränderungen brachte es für die Dorfbewohner mit sich?

Neben der Verbesserung der Wasserversorgung, Errichtung von Schule und Kindergarten, konnten auch Musterfelder mit neuen Anbaumethoden zur Ertragsverbesserung angelegt werden und Hilfen für das kleine staatliche Gesundheitszentrum gegeben werden.

 

Wo kommt denn der Strom der neuen Solaranlage zum Einsatz?

Vor allem in der Grundschule, den Lehrer- und Mitarbeiterhäusern, im Kindergarten. Das Projekt ist durch die stillen Helden der Mission vor Ort so schnell gewachsen, dass die bisherige Stromgewinnung nicht mehr ausreichte. Auch die vor Ort gekaufte Batteriesäure war gepanscht, so dass die Speicheranlage nicht richtig funktionierte. Wir haben uns deshalb entschlossen einen Solarstromcontainer aufzubauen, der mit einer 5 KW Solaranlage und einem sicheren Batteriespeicher von 17 KW ausgestattet ist und ebenfalls im Inselbetrieb laufen wird. Diese Inselanlage wurde bei uns im Umweltcentrum fix und fertig vormontiert und in Betrieb genommen. Wichtig war für uns, dass wir eine sichere und zuverlässige Anlage vor Ort haben und das vor allem bei extremen Wetterbedingungen. Dies konnten wir nur mit einen Sunny Island und Sunny Boy Mini Central erreichen. Auch die leistungsstarken Hoppecke Batteriespeicher kamen zum Einsatz. In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch noch einmal bedanken, dass SMA dieses Projekt so gut unterstützt hat. Wir schätzen sehr die gute Qualität der Produkte von SMA. Bereits 2010 haben wir eine Inselanlage von 30 KW und Batteriespeichern in einer Schule in Sambia aufgebaut, welche seit dieser Zeit störungsfrei läuft. Ein Wartungseinsatz wäre nämlich nur mit hohen Kosten und Aufwand möglich.

 

Bevor der Container auf die Reise ging, haben Sie ein Probeaufbau in Deutschland durchgeführt, warum?

Die Installation dort vor Ort ist nur schwer durchführbar. Die große Hitze und die große Entfernung zur nächsten Stadt haben mich gelehrt bereits hier in Deutschland alles genau zu planen und dies mit unseren Möglichkeiten an Handwerkszeug durchzuführen.

 

Welchen Herausforderungen sind Sie dieses Mal begegnet? 

Die große Hitze von 58 Grad Celsius in der Sonne und 45 Grad Celsius im Schatten lassen die Technik an Ihre Grenzen kommen (z.B. die Abschaltung der Batterien bei 45 Grad Celsius). Der Container musste also vor der Sonne geschützt werden. Er wurde an den Seiten mit Schilfgras beschattet, von oben schützt die Solarstromanlage als Dach vor der Sonne. Wir haben Luftschlitze zur Durchströmung eingearbeitet und innen einen Lüfter zusätzlich laufen. So arbeitet die Anlage störungsfrei.

 

Die Durchführung eines solchen Projektes benötigt viel Zeit und Engagement, hatten Sie denn trotzdem die Möglichkeit etwas vom Land zu sehen?

In diesen Ländern gibt es kaum Tourismus. Die wenigen, aber anstrengenden Tage der Arbeit vor Ort und die Eindrücke des armen und kargen Landes lassen in mir schnell Heimweh aufkommen. Der Zeiteinsatz aber lohnt sich, weil man die Verbesserungen vor Ort sofort sieht und spürt. Für die Menschen gibt es dort jetzt sauberes Wasser und es ist Strom im Kindergarten, der Schule und im gesamten Projekt. Wir leben dagegen in Deutschland wohl in einem der privilegiertesten Länder der Welt.

 

Und wann zieht es Sie wieder nach Malawi?

Wenn es nochmal für Wasser und Strom erforderlich wäre oder weitere Hilfe im Bereich Solar benötigt würde.

 

Vielen Dank für das Gespräch und die tollen Fotos!

 

Bildquelle: Thomas Kretschel und Harald Leitl 

 

Hintergrund:

Malawi, im südlichen Afrika gelegen, gehört zu den ärmsten Länder der Welt. Im „Human Development Index“ (HDI), der die Entwicklung eines Landes darstellt, belegt es Rang 170 von 180 gelisteten Ländern.

 

Weiterführende Links zu Artikeln und Videos:

 

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Der Autor

Andrea Geicke (Gastautor)

Andrea ist bei SMA Ansprechpartnerin für das Themenfeld Corporate Social Responsibility und gesellschaftliches Engagement.

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1 Kommentar

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    Stephan Lauer

    27. Januar 2014 um 10:43

    Freue mich über dieses herausragende Beispiel sozialen Engagements aller Beteiligten!
    Hoffe, dass sie noch viele Container als Kristallisationskern einer nachhaltigen Infrastruktur aufbauen werden. Danke für diese Beitrag und weiterhin viel Erfolg!

    Antworten »

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