Solare Speicher: So seid ihr gut beraten

Von am 14. September 2017 in der Kategorie Energiemanagement, Technologie mit 0 Kommentare
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Ihr wollt ein solares Speichersystem installieren, wisst aber nicht so genau, worauf ihr dabei achten müsst? Wir haben mit Christoph Lübcke und Philipp Lange von der BLG Project GmbH aus Wolfhagen darüber gesprochen, was eine gute Beratung ausmacht. Hier findet ihr die sechs wichtigsten Tipps und Tricks.

 

10 kWp Solaranlage der BLG Project GmbH

Die 10 kWp starke Solaranlage mit Speicher deckt in den Sommermonaten den Großteil des Strombedarfs der BLG Project GmbH.

Auf dem Süddach der BLG Project GmbH glitzern die Solarmodule in der nordhessischen Sonne. Die 10 Kilowatt peak starke Solaranlage speist heute vorbildlich Solarstrom ins Hausnetz. „Alles, was wir nicht direkt nutzen können, speichern wir in eine Batterie. In den letzten Monaten haben wir nur zwischen 10 und 15 Euro Strom eingekauft“, erzählt Philipp Lange sichtlich begeistert.

 

Speichersystem aus SMA Sunny Tripower und Sunny Island mit Mercedes Benz Energiespeicher

Speichersystem zum Anfassen: Im Keller der Firma können sich Interessenten die benötigten Geräte zeigen lassen.

Im Keller der Firma kann man sich das Speichersystem anschauen. Neben dem Solar-Wechselrichter hängt dort auch ein Batterie-Wechselrichter Sunny Island und der Mercedes Benz Energiespeicher mit 10 Kilowattstunden Speicherkapazität. „Hier erfahren Interessenten, wie ein Speichersystem funktioniert und wie viel Platz sie dafür benötigen. Unser Jahresverbrauch liegt bei rund 5.500 Kilowattstunden und passt damit ziemlich genau zu dem, was ein größeres Einfamilienhaus benötigt.

 

Ansicht in SMA Sunny Portal vom 29. August 2017

Alles im grünen Bereich: An diesem sonnigen Tag Ende August deckt das solare Speichersystem den Strombedarf des Unternehmens nahezu vollständig.

Möglichst wenig Strom einkaufen

Am Laptop zeigt Lange auf die wenigen roten Bereiche im Sunny Portal, die für die Menge des zugekauften Stroms stehen. „Das Ziel einer Solaranlage ist es, den grünen Anteil deutlich zu erhöhen“, erklärt er. „Denn grün heißt Direktverbrauch der erzeugten Solarenergie an Ort und Stelle. Je höher dieser Anteil ist, desto wirtschaftlicher ist die Solaranlage.“ Also heißt es Wäsche waschen, wenn die Sonne scheint. Dafür muss man dann keinen Strom vom Energieversorger einkaufen. Benötigt man hingegen gerade keinen Strom im Haushalt, speichert die Batterie die Energie aus der Solaranlage zwischen und stellt sie bei Bedarf zur Verfügung. Das spart weitere Stromkosten.

Die gelben Bereiche stehen für Netzeinspeisung, wenn der Solarstrom nicht im Haushalt genutzt wird und die Batterie geladen ist. Dafür gibt es dann nach dem Erneuerbaren Energien-Gesetz (EEG) für Dachanlagen bis 10 kWp eine Vergütung von derzeit 12,20 Cent je Kilowattstunde. Die Einspeisevergütung reduziert die Stromrechnung erneut. Und genau darum geht es bei Speichersystemen: Die Stromkosten minimieren und möglichst unabhängig vom lokalen Stromversorger sein. Damit diese Rechnung am Ende aufgeht, braucht es eine individuelle Beratung von einem fachkundigen Installateur.

 

 

1. Das A und O: aufklären

Während der eine Kunde schon genau Bescheid weiß, haben andere bisher nur vom solaren Speichern gehört und finden es spannend, damit etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Um ein passendes System zu installieren, ist es wichtig zu wissen, wie hoch der Bedarf an elektrischer Energie ist und wie sich der Strombedarf über den Tag verhält. Für ein voll berufstätiges Ehepaar mit zwei voll betreuten Kindern etwa ergibt sich ein ganz anderes Lastprofil als für ein Ehepaar in Rente. Während die Familie Bedarfsspitzen am Morgen und Abend hat, benötigt das Rentnerpaar eher kontinuierlich Strom über den Tagesverlauf. Um ein möglichst reales Lastprofil des Haushalts zu zeichnen, setzen kundenorientierte Installateure für 14 Tage gratis den Sunny Home Manager ein, der die Energienutzung im Alltag aufzeichnet.

christoph-luebcke_blg„Für ein Einfamilienhaus gelten andere Maßstäbe als bei einer gewerblichen Anlage, die sich nach fünf bis sieben Jahren rentiert haben muss. Die Familie denkt langfristig und möchte vielleicht auch noch eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto einbinden. Und auch der landwirtschaftliche Betrieb profitiert von einem Speicher, wenn der beim Netzausfall die Stromversorgung auf dem Hof übernimmt.“

 

Christoph Lübcke, Geschäftsführer BLG Project GmbH

 

2. Vor-Ort-Termin

In diesem Termin schaut sich die Firma BLG Project GmbH die Gegebenheiten vor Ort genau an. Wie spitz oder flach ist das Dach? Welche Ausrichtungen sind möglich? Wie viel Fläche steht für die Solarmodule zur Verfügung? Ist vielleicht mit Verschattung zu rechnen? Ist der Zählerschrank geeignet oder muss er angepasst werden?

„Genau hinschauen und individuell beraten lohnt sich mehr als das Angebot von der Stange“, weiß Philipp Lange. Dabei kommt auch so manch Unerwartetes auf den Tisch: So kann beispielsweise auch ein nach Norden ausgerichtetes Dach für Solarstrom geeignet sein, wenn die Dachneigung bei 10 bis 15 Grad liegt. Der Ertragsunterschied zur Südausrichtung liegt dann bei gerade mal zehn Prozent – und die Montage des Gestells ist auf einem Metalldach sogar viel günstiger als bei Ziegeldächern.

 

3. Individuelles Angebot

Solarstrom lässt sich zu rund 30 bis 40 Prozent direkt im Haushalt nutzen. Einen weiteren großen Anteil kann prinzipiell ein Speicher übernehmen. Dafür müssen aber die Bedingen vor Ort stimmen. Wenn sich der Speicher am Ende für einen Haushalt noch nicht rechnet, kann es schon mal sein, dass die Empfehlung lautet, den Speicher erst in ein bis zwei Jahren nachzurüsten.

philipp-lange_blg„Unsere Kunden bekommen zwei schlüsselfertige Angebote, eins mit und eins ohne Speicher. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung enthält die kompletten Installationskosten inklusive Umbau des Zählerschranks, wenn er nicht auf dem neuesten Stand ist. Nur so sind Erst-, Zweit- und Drittangebot wirklich für den Kunden transparent und vergleichbar.“

Philipp Lange, BLG Project GmbH

 

4. Beratung zu steuerlichen und rechtlichen Fragen

Neben der finanziellen und technischen Komponente können kompetente Installateure auch, rechtliche und steuerliche Fragen beantworten. Auch ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz deutlich komplexer geworden – von 22 Seiten im Jahr 2000 bis hin zu mehr 660 Seiten heute. Welche Fördermöglichkeiten gibt es von der kfw und wie sinnvoll sind sie für das individuelle Projekt? „Wir sind zwar kein Steuerberater, aber wir haben inzwischen so viel Erfahrung, dass wir wichtige Tipps zur Kleinunternehmerregelung geben können“, sagt Lübcke. „Worauf ist etwa bei der Umsatzsteuer und der Abschreibung der Anlage zu achten? Der Kunde will schließlich wissen, worauf er sich einlässt.“

 

5. Bauzeit planen und Anlage installieren

dachdecker_blg_620pxUnter optimalen Bedingungen und wenn alle Komponenten verfügbar sind, kann eine Solaranlage nach dem Erstgespräch, der verbindlichen Zusage und der erfolgreichen Netzverträglichkeitsprüfung innerhalb von drei bis vier Wochen installiert sein. Je nach Anlagengröße besteht das Team aus 2-3 Dachdeckern sowie 2 Elektrikern, die die Solaranlage dann schlüsselfertig errichten.

 

6. Mehrwert bieten

Auch nach der erfolgreichen Inbetriebnahme ist der Installateur weiter ansprechbar. Er berät in Sachen Anlagenerweiterung oder spricht Empfehlungen aus, wann ältere Geräte gegen effizientere Neugeräte getauscht werden sollten. Er hält seinen Kunden auch in Sachen Service und Wartung auf dem Laufenden. Thermografie-Messungen etwa geben Aufschluss über defekte Zellen in den Modulen oder gar komplette String-Defekte. „Wir haben da in letzter Zeit einiges erlebt“, erzählt Lübcke. „Heute sind einige der Firmen von damals nicht mehr in der Branche tätig – und haben teilweise auch nicht ganz genau gearbeitet. So mussten wir einige Anlagen komplett neu montieren werden, da die Anzahl der Dachhaken des Gestells vom vorhergehenden Installateur zu gering gewählt wurde und sich die Anlage auf die Ziegeln abgesenkt hatte, was zu Ziegelrissen und zu Wassereindringung ins Dach geführt hat.“ Und in der Waschbären-Hochburg um Kassel gibt es indes auch noch ganz unerwartete Dinge. „Die frechen Bären spielen offensichtlich gerne mit Kabeln und ziehen hier und da die String-Verkabelung auseinander.“ Auch hier kann es helfen, wenn ab und zu ein Installateur an der Anlage vorbeischaut.

Solarpark Wolfhagen der BLG Project GmbH

Solarenergie in Bürgerhand: Der 10-MW-Park im Wolfhagener Land zwischen Wolfhagen und Gasterfeld zählt zu den größten Solarparks in Hessen.

Bürgersolarparks für die kommunale Energiewende

Schon früh entdeckte die BLG Project GmbH ihr Faible für Solarenergie. 2004 startete Christoph Lübcke mit den ersten Solaranlagen. 2009 initiierten die Firma mit dem Bürgersolarpark Wolfhagen ihr erstes Großprojekt. In dem mit einer Leistung von 2 Megawatt konnten sich die Wolfhager für erneuerbare Energien engagieren. Da das damals dank der Einspeisevergütung von 31,94 Cent für 20 Jahre sehr lukrativ war, wollten sich gleich eine ganze Menge Wolfhager beteiligen. Geschäftsführer Christoph Lübcke erinnert sich noch gut: „Wir haben damals die Zeichnungsfrist auf 6 Uhr morgens festgelegt – und waren dann total fasziniert, dass die Leute schon um 5 Uhr bei uns vor der Tür standen. Die 450 Anteile waren innerhalb von acht Minuten verkauft. Ab dem Moment wussten wir, dass wir genau das Richtige tun.“ Mitten im klirrend kalten Dezember ging der Park dann ans Netz und hat schon 15.500,00 MWh Solarstrom für die Gemeinde produziert.

Seitdem sind weitere Solarparks in Betrieb gegangen wie etwa seit 2012 der 10-MW-Park im Wolfhagener Land zwischen Wolfhagen und Gasterfeld (siehe Bild), eine der größten Solarparks in Hessen. Je zur Hälfte von Bürgern und den Stadtwerken Wolfhagen betrieben. Insgesamt 12 Freiflächenanlagen sind seitdem installiert, dazu kommen mehr als 360 Aufdachanlagen.

In und um Wolfhagen sind inzwischen in Teilen des Netzgebiets sogar so viele Solaranlagen am Netz, dass es einen Zubaustopp gibt, weil keine Kapazitäten mehr frei sind. „Nur, wenn wir ab und zu alte Wechselrichter gegen neuere Modelle tauschen, bekommen wir dank der besseren Wirkungsgrade der Neugeräte wieder ein paar Kapazitäten frei“, so Lübcke. Schade für die potenziellen Anlagenbetreiber, aber gut für die Energiewende.

 

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Alles zum Thema Text im Bereich netzferne Anlagen.
Meine Themen:
Alles rund um Off-Grid Solutions.
Was selbst meine Kollegen nicht von mir wissen:
Ich hab mal „Manowar“ interviewt.

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