Solar-Land Türkei:
Großes Potential – große Herausforderungen

Von am 6. Juli 2016 in der Kategorie Unternehmen mit 1 Kommentar
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Sonne satt, viel Platz und ein großer Bedarf an Energie und dazu noch Rückenwind von der Regierung. In der Türkei kommt die Solarbranche gerade so richtig in Schwung. Man rechnet 2016 mit einem Wachstum von 600 Megawatt und mehr. Aber noch befindet sich die Branche in der Startphase und die ist schwierig, besonders aufgrund von häufig wechselnden Zulassungsbestimmungen, Regularien und Genehmigern. Ganz dicht an den Entwicklungen ist Valerio Natalizia, Regional Manager South Europe. Er berichtet, worauf es aus der Sicht von SMA jetzt ankommt.

 

Valerio Natalizia

Valerio Natalizia

Wie sieht die Situation – vor allem für große Solarkraftwerke – in der Türkei zur Zeit aus?

Valerio Natalizia: Der staatliche türkische Netzbetreiber TEIAS hat bereits lizensierte Projekte im Umfang von rund 600 MW genehmigt und bis 2023 werden mindestens 5 Gigawatt PV-Zubau erwartet. Bis Mai 2016 sind schon 443 MW nicht lizensierte Projekte ans Netz gegangen und ca. 3 GW nicht lizensierte Projekte sind von TEDAS genehmigt worden. Diese Zahlen zeigen, dass der Fokus im türkischen PV-Markt auf industriellen Projekten liegt – wo es dank der guten Einstrahlungsbedingungen hohe Energieerträge und attraktive Einspeisevergütungen für die Investoren gibt. Wir gehen davon aus, dass der Trend zu Großanlagen weiter anhält.

 

Was sind die Herausforderungen für Unternehmen, die in der Türkei in der Solarbranche aktiv sind oder aktiv werden möchten?

Valerio Natalizia: Die Türkei ist ein sehr herausfordernder Markt insbesondere deshalb, weil er noch jung ist. Wie in allen neuen PV-Märkten tauchen an verschiedenen Stellen Hindernisse auf: Bei den Regelungen, beim Aufbau und bei der Konstruktion der PV-Kraftwerke, bei Beschaffung und Auftragsvergabe und wenn sie einmal fertig sind, auch bei der Betriebsführung großer Solaranlagen. Unglücklicherweise ändern sich behördliche Vorgaben häufig und sind darüber hinaus sehr kompliziert.

Das 22,5 MW Projekt Konya Kizoren ist die bislang größte Solaranlage in der Türkei.

Das 22,5 MW Projekt Konya Kizoren ist die bislang größte Solaranlage in der Türkei.

Jetzt, nachdem bereits eine größere Anzahl von PV-Kraftwerken am Netz ist, sind die Genehmigungsverfahren für alle Beteiligten aber schon deutlich einfacher zu bewältigen als früher. EPC-Unternehmen und Projektierer sind mittlerweile erfahren genug, um alle offiziellen Verfahren zu bewältigen. Natürlich gibt es vor allem bei den Genehmigungen auch immer noch Verbesserungspotential. Zum Beispiel dauert es aktuell bis zu neun Monaten, um von den verschiedenen Genehmigungsbehörden die Baugenehmigung für ein PV-Kraftwerk zu bekommen. Dazu kommt, dass der Mangel an Know-how ebenso wie der Mangel an Arbeitern, die sich mit den einzelnen Phasen (Konstruktion, Verkabelung, Mittelspannungsanschluss, Wechselrichter, Überwachung, etc.) des Baus von Solarkraftwerken auskennen, Bauvorhaben in die Länge ziehen und zu Verzögerungen und Schwierigkeiten führen.

 

Welchen klimatischen Bedingungen sind die Wechselrichter – besonders die in großen kommerziellen und industriellen PV-Anlagen – in der Türkei ausgesetzt?

Valerio Natalizia: Die meisten PV-Kraftwerke mit SMA Wechselrichtern in der Türkei stehen in Regionen über 1000 Meter – eine PV-Anlage mit SMA Wechselrichtern sogar auf 2050 Meter Höhe – und sind Temperaturen von minus 40 °C im Winter und bis zu 45°C im Sommer ausgesetzt. Sie befinden sich zum Teil in abgelegenen Regionen mit oft schlechter Infrastruktur, was zu Schwierigkeit beim Antransportieren der einzelnen Komponenten führt. Schwache Versorgungsnetze und gelegentlich Standorte mit hoher Sand- und Staubbelastung sind eher die Regel als die Ausnahme. Diese Bedingungen müssen wir immer im Kopf haben, wenn wir dort eine Systemlösung planen und aufbauen.

Das SMA Team bei der Solarex 2016 in Istanbul

Das SMA Team bei der Solarex 2016 in Istanbul

 

Wie kann SMA dazu beitragen, dass Kunden auch in schwierigen klimatischen Umgebungen eine ertragreiche und zukunftssichere PV-Anlage errichten können?

Valerio Natalizia: Unser Team mit Kollegen aus der Türkei, aus Deutschland und Italien unterstützt Kunden schon bei der Vorplanung der Anlage und bei der Auswahl der am besten geeigneten Systemlösung für den jeweiligen Standort. Dank mehr als 35 Jahren Erfahrung mit Wechselrichtern, die wir in allen Umgebungsbedingungen rund um den Globus gemacht haben und täglich machen, können sich Kunden auf uns verlassen. Unsere Wechselrichter werden unter harten Bedingungen getestet und sind für alle klimatischen Herausforderungen bestens gerüstet.

 

Und wenn alles installiert und die Solaranlage am Netz ist? Wer kümmert sich um die PV-Anlage während des Betriebs?

Valerio Natalizia: Zunächst einmal: PV-Anlagen sind leichter zu unterhalten und zu warten als Windkraftanlagen. Es gibt keine sich bewegenden Teile, also wenig Abnutzung. Aber dennoch gilt natürlich nicht: bauen, in Betrieb nehmen und dann „vergessen“. Eine zuverlässige Überwachung durch erfahrene Service-Experten und regelmäßige Überprüfungen und Wartungen – per Ferndiagnose und direkt am Gerät – sind notwendig, damit Ausfälle, die Ertragsverluste nach sich ziehen, vermieden werden. Die SMA Wechselrichter melden Fehlfunktionen rechtzeitig, so dass unsere Service-Experten präventiv Maßnahmen einleiten können und Ausfälle gar nicht erst passieren.

Valerio, danke für das Interview. 

 

Weiterführende Infos

Warum man mit der Wartung nicht warten sollte (Blogbeitrag)

Immer im Gespräch: Kübra Seker ist als Serviceingenieurin in der Türkei unterwegs (Blogbeitrag)

 

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Der Autor

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Meine Aufgaben:
Zuständig für PR und Produkte rund um PV-Kraftwerke und gewerbliche PV-Anlagen.
Meine Themen:
Anwendungen und Lösungen, Technologien und Märkte für kleine und große Solarkraftwerke.
Was selbst meine Kollegen nicht von mir wissen:
Im Winter stricke ich meine Socken selbst.

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1 Kommentar

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    Julian

    19. Juli 2016 um 09:47

    Die Geschichte mit dem Putsch hat die Situation in der Türkei jetzt natürlich nicht einfacher gemacht, auch was die Solarbranche betrifft – zumindest wäre das pauschal meine Einschätzung.

    Oder wie steht ihr da dazu?

    Antworten »

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