Smart Leasing

Von am 16. Juli 2013 in der Kategorie Technologie mit 3 Kommentare
Smart Leasing

Immer mehr Amerikaner machen sich mit Photovoltaik unabhängig von steigenden Strompreisen. Dabei kaufen die meisten von ihnen ihre Solaranlagen nicht mehr, sondern sie wählen ein komplettes Solar Service-Paket, auch als Solar Leasing bezeichnet. Leasen statt kaufen – was in der Automobilbranche längst etabliertes Geschäftsmodell ist, könnte auch in der Solarbranche zum weltweiten Erfolgsmodell werden. Ein Interview mit Edward Fenster, einem der Gründer und Geschäftsführer von Sunrun, und Bates Marshall, Leiter des Bereichs Medium Power Solutions bei SMA America.

 

Eward Fenster, einer der Gründer und Geschäftsführer von Sunrun

Eward Fenster, einer der Gründer und Geschäftsführer von Sunrun

Herr Fenster, in Deutschland ist es üblich, Autos zu leasen. Für Solaranlagen ist das Modell noch sehr neu. Wie hat es sich in den USA entwickelt?

Edward Fenster: Sehr erfolgreich. Wir haben das Modell 2007 in den USA eingeführt – und mittlerweile hat der Fremdbesitz von Solaranlagen dem Kauf und Eigenbesitz längst den Rang abgelaufen. Branchenexperten gehen davon aus, dass im vergangenen Jahr 70 bis 80 Prozent aller neu errichteten Hausdachanlagen in den USA auf diese Weise finanziert wurden.

 

Und warum sollten Hausbesitzer eine Solaranlage leasen, anstatt sie zu kaufen?

Edward Fenster: Ganz einfach. Weil wir uns um alles kümmern. Viele Hausbesitzer wünschen sich langfristig mehr Unabhängigkeit von steigenden Energiekosten und möchten gerne selbst sauberen und preisgünstigen Solarstrom produzieren. Häufig scheuen sie jedoch die Kosten einer Solaranlage, die Formalitäten mit Behörden und Stromversorgern sind ihnen zu kompliziert oder sie sind unsicher, was bei eventuellen Störungen der Anlage zu tun ist. Wenn sie eine Solaranlage leasen, müssen sie sich um all das nicht kümmern.

 

Wie funktioniert Solar Leasing in der Praxis?

Edward Fenster: Wenn uns ein potenzieller Kunde anruft, stellen wir zunächst sicher, dass sich sein Dach für den rentablen Betrieb einer PV-Anlage eignet. Das können wir innerhalb weniger Minuten herausfinden. Ist das Ergebnis positiv, plant ein Installateur aus einem unserer Partnerbetriebe die Anlage beim Kunden. Wir schauen uns die Planung noch einmal an, und wenn alles stimmt, beauftragen wir den Bau. Anschließend sorgen wir mit unseren Partnern dafür, dass die Anlage über die gesamte Dauer des Vertrages, also 20 Jahre lang, den garantierten Ertrag erbringt. Das heißt, wir organisieren die kontinuierliche Überwachung und Wartung der Anlage für den Kunden. Dafür zahlt er uns monatlich einen festen Betrag – der von Anfang an und über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg unter der Stromrechnung vom konventionellen Versorger bleibt. Den Ertrag seiner Anlage kann der Kunde übrigens jederzeit online verfolgen.

Bates Marshall, Leiter des Bereichs Medium Power Solutions bei SMA America

Bates Marshall, Leiter des Bereichs Medium Power Solutions bei SMA America

Bates Marshall: Für den Hausbesitzer ändert sich also im Alltag eigentlich kaum etwas – außer dass er nun sauberen Strom vom eigenen Dach zu einem langfristig attraktiven Preis bezieht. Das ist nicht nur gut für das Gewissen, sondern auch für den Geldbeutel, denn mit dem Modell kann er über viele Jahre hinweg Stromkosten sparen.

 

Haben Sie Pläne, das Leasing-Angebot für Hausbesitzer und Investoren gemeinsam weiterzuentwickeln?

Edward Fenster: Ich könnte mir vorstellen, langfristig auch Batteriespeicher in unser Angebot zu integrieren, wenn die Kosten weiter sinken und die Technik ausgereift ist.

Bates Marshall: Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und das gesamte SMA Smart Home-System mit Sunny Home Manager und Speicherlösung in das Angebot integrieren. So könnten Hausbesitzer gegen eine geringfügig höhere Leasingrate ihre selbst erzeugte Solarenergie effizienter nutzen. Und zwar ohne Komforteinbußen.

Edward Fenster: Ja, darüber sollten wir nachdenken. Das Thema Energieeffizienz allein lässt sich in den USA bisher nur schwer vermitteln. Wir haben unseren Kunden aber zeigen können, dass wir für sie Wege finden, mit denen sie Geld sparen können, ohne dass sich das negativ auf ihre Lebensqualität auswirkt. Es geht darum, sich störungsfrei und ohne Komforteinbußen gegen immer häufigere Stromausfälle abzusichern und die Stromkosten weiter zu senken. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für eine solche Technologie ein entsprechendes Interesse gibt.

 

In den USA hat sich das Solar Leasing-Modell also innerhalb weniger Jahre etabliert. Wie sieht es in anderen Ländern aus? Wird sich Solar Leasing auch dort durchsetzen?

Edward Fenster: Wir haben durchaus den Eindruck, dass es in Märkten, in denen die Einspeisevergütungen immer radikaler sinken, einen Trend zum Fremdbesitz-Modell gibt. Wir haben zum Beispiel auch schon Anrufe aus Deutschland erhalten.

Bates Marshall: Absehbar ist, dass die Preise für konventionell erzeugten Strom weltweit weiter steigen, während die Kosten der Photovoltaik kontinuierlich sinken. Also wird es immer attraktiver, selbst Solarstrom zu erzeugen und zu verbrauchen. Vor diesem Hintergrund sehe ich in Europa ein hohes Potenzial für das Solar Leasing-Modell. Aber auch in den aufstrebenden Märkten Asiens und Lateinamerikas, in denen es noch keine zuverlässige Stromversorgung, dafür aber eine hohe Sonneneinstrahlung und einen wachsenden Energiebedarf gibt, wird Solar Leasing sicher immer attraktiver.

 

Herr Fenster, Herr Marshall, vielen Dank für das Gespräch.

 

0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes

Der Autor

avatar

Meine Aufgaben:
Ich bin bei SMA Ansprechpartnerin für die Presse.
Meine Themen:
Alles rund um das Unternehmen SMA.
Was selbst meine Kollegen nicht von mir wissen:
Im Rahmen von „Jugend trainiert für Olympia“ bin ich als Teenager mit dem Rennrodel durch Eiskanäle geflitzt.

Tags

Ähnliche Artikel

3 Kommentare

  • avatar

    Otilia Fabian

    24. August 2013 um 15:25

    Hallo,
    Ich dencke dass die Solarkolektoren auch auf dem Fensterbank montieren kann. Das ist für die Eigentumswohnung und für gemietete Wohnungen. Ich wurde gerne wiessen ob in Nordeuropeische Länder genügend Sonne über den Jahr gibt um die Anlage funktionieren zu lassen.
    Gruß,
    Otilia Fabian

    Antworten »
    • avatar

      Leonie Blume

      24. August 2013 um 16:23

      Hallo Otilia,
      PV und Eigentumswohnungen ist ein interessantes Thema.
      Wegen des Wochenendes kommen wir auf deine Frage am Montag zurück, OK?
      Viele Grüße
      Leonie

      Antworten »
      • avatar

        Leonie Blume

        27. August 2013 um 14:03

        Hallo Otilia,
        zu deiner Frage: Grundsätzlich arbeitet Photovoltaik auch in nordeuropäischen Ländern problemlos. Um jedoch eine genaue Aussage über Funktion und Wirtschaftlichkeit treffen zu können, werden mehr Informationen zum genauen Installationsort, der Modulausrichtung, der zur Verfügung stehenden Fläche, der Investitionskosten usw. benötigt. Sprich dazu am besten bitte einen erfahrenen Installateur oder Solateur in deiner betreffenden Region an.
        Viele Grüße
        Leonie

        Antworten »

Schreibe einen Kommentar.

 Zeichen vorhanden