SMA Speichertag: Experten teilen Wissen

Von am 28. Oktober 2015 in der Kategorie Energiemanagement mit 2 Kommentare
Vortrag_SMA-Speichertag-2015

Am 15. Oktober trafen sich Installateure, Batteriehersteller und Branchenexperten in der SMA Solar Academy, um sich über Trends, Innovationen und Praxiserfahrungen rund um das Thema Speichersysteme in Deutschland auszutauschen.

Während das Wetter selbst an diesem Tag eher auf „Batterie entladen“ stand – es war grau und nass – gab es in den Räumlichkeiten der Solar Academy sonnige Aussichten für Speichersysteme.

„Wir wollten gerade den Installateuren im derzeit schwierigen deutschen PV-Markt einen Überblick über die neuen Möglichkeiten mit Speicher geben“, fasst Jörg Faulstich, bei SMA Head of Knowledge & Training, zusammen. „Was leisten Speichersysteme bereits heute, welches Marktpotenzial ist noch abrufbar und was wollen die Kunden?“

So betonte SMA Speicherexperte Volker Wachenfeld gleich zu Beginn der Veranstaltung, dass zwar der Markt für Photovoltaikanlagen in der Leistungsklasse bis 10 Kilowatt peak im Vergleich zum Vorjahr um 33 Prozent zurückgegangen, gleichzeitig aber der Anteil an Batteriespeichern um 35 Prozent gestiegen sei.

„SMA hat die On-Grid Speichersysteme kontinuierlich weiterentwickelt, um sie einfacher, effizienter und kostengünstiger zu machen.“

Volker Wachenfeld, EVP Business Unit Offgrid & Storage

 

Volles Haus beim SMA Speichertag in der energieautarken SMA Solar Academy

Volles Haus beim SMA Speichertag in der energieautarken SMA Solar Academy

 

Speicher können Netzausbau minimieren

Als „dynamisches Duo“ bezeichnet der Bundesverband Solarwirtschaft das Thema Photovoltaik und Speicher. Das hatte der Anfang des Jahres 2015 verstorbene SMA Gründer Günther Cramer in seiner Funktion als BSW-Solar-Präsident schon 2011 vorhergesehen, erzählt BSW-Geschäftsführer Jörg Mayer, und betonte noch einmal Cramers visionäre Fähigkeiten, die es nun fortzuführen gelte.

Neue Geschäftsmodelle mit Speicher müssten insbesondere für die nach der EEG-Novelle 2014 von Förderkürzungen betroffenen PV-Anlagen in der Leistungsklasse größer als 10 Kilowatt peak erschlossen werden. Mögliche Konzepte heißen PV-Eigenverbrauch und Direktlieferung.

Viele kleine Zellen ergeben einen Kompaktspeicher

Viele kleine Zellen ergeben einen Kompaktspeicher

Die Studie der RWTH Aachen/ISEA vom Februar 2015 „Wissenschaftliches Mess- und
Evaluierungsprogramm“ untersuchte unter anderem die Kaufmotivation für Speicher und stellt fest, dass es oft erstaunlich weiche Faktoren sind, die zu einer Investition in ein Batteriespeichersystem führen: Absicherung gegen steigende Strompreise, einen Beitrag zur Energiewende leisten, oder Interesse an Speichertechnologie allgemein.

So liegt auch die Zahl der von der KfW geförderten Speicher für die ersten neun Monate des Jahres schon bei 5.500 und damit höher als im ganzen vergangenen Jahr 2014 mit 4.017 Speicheranlagen. Insgesamt, so berichtet Mayer, seien seit dem Start des Förderprogramms rund 14.000 Speicheranlagen gefördert. Aber längst nicht jeder Speicheranlagenbetreiber lässt sich ja fördern, so könne man noch mal rund 30 bis 40 Prozent dazurechnen, um auf die Gesamtzahl der Speicher in Deutschland zu kommen. Das Förderprogramm selbst läuft Ende des Jahres aus, die Fortsetzung von der Bundesregierung wird aber gefordert: „Denn wir haben erst die halbe Strecke geschafft, es sind weitere Preissenkungen nötig“, betont Mayer.

„Speichersysteme heute müssen vorbereitet sein auf die Energiewende. Die in den nächsten drei Jahren installierten Speicher sind mindestens bis 2030 am Stromnetz und damit systemrelevant für die Energiewende und eine sinnvolle Option gegen den Netzausbau.“
Jörg Mayer, Geschäftsführer BSW Solar

 

Gibt es eigentlich das perfekte Speichersystem?

Dieser Frage gingen Aleksandra-Sasa Bukvic-Schaefer und Martin Rothert von SMA nach und werteten dabei 990 Anlagen mit SMA Flexible Storage System sowie 230 Anlagen mit SMA Integrated Storage System in Deutschland aus. Hier die wichtigsten Ergebnisse ihrer Untersuchung:

  • Der Verbrauch variiert in einem sehr großen Bereich von 1.000 bis 20.000 kWh, im Mittel sind es 5.500 kWh beim Sunny Island und 4.000 kWh beim Smart Energy
  • Die Leistung der PV-Anlage variiert in einem sehr großen Bereich von 2 bis 30 kWp, im Mittel 7,8 kWp beim Sunny Island und 5,4 kWp beim Smart Energy
  • Der spezifische Ertrag liegt zwischen 600–1300 kWh/kWp bei durchschnittlich 1030 kWh/kWp, es gibt aber viele Ausnahmen
  • 65 % der eingesetzten Batterien haben eine Nutzkapazität zwischen 2–6 kWh, 17 % liegen zwischen 6-8 kWh Nutzkapazität, im Mittel beträgt die Nutzkapazität 4,35 kWh
  • Die Systeme sind autarkieoptimiert ausgelegt: Mehr als die Hälfte aller Feldtester erreichen eine Autarkiequote von über 60 % (bis zu 80 %), 2 kWh nutzbare Kapazität bringen im Durchschnitt eine Autarkiesteigerung um 50 %. Relativ große PV-Anlagen 7,8 kWp zu relativ kleinen Batterie 4,35 kWh Nutzkapazität
  • Die „kalendarische Alterung“ einer Batterie beschreibt ihr Verfallsdatum ohne jeden Zyklus, die „Zyklenlebensdauer“ gibt die maximal möglichen Zyklen innerhalb der kalendarischen Lebensdauer an: Geringe Kosten sind nur dann möglich, wenn innerhalb der kalendarischen Batterielebensdauer die Zyklen möglichst vollständig genutzt werden.

 

Der Unterschied zwischen Eigenverbrauch und Autarkie: Wer auf Eigenverbrauch setzt, will so viel wie möglich der erzeugten PV-Energie selbst sinnvoll verbrauchen, um Strombezugskosten einzusparen. Anlagen hingegen, die auf eine möglichst hohe Autarkiequote – das  Verhältnis von Eigenversorgung zum Energiebedarf aller elektrischen Verbraucher – ausgelegt sind, zielen auf die maximale Unabhängigkeit vom Energieversorger und minimale Kosten pro entnommene Kilowattstunde. In der Regel führt eine hohe Autarkiequote zu geringem Eigenverbrauch und umgekehrt. Speicher helfen sowohl die  Eigenverbrauchs- als auch die Autarkiequote zu erhöhen.

Der Unterschied zwischen Eigenverbrauch und Autarkie: Wer auf Eigenverbrauch setzt, will so viel wie möglich der erzeugten PV-Energie selbst sinnvoll verbrauchen, um Strombezugskosten einzusparen. Anlagen hingegen, die auf eine möglichst hohe Autarkiequote – das  Verhältnis von Eigenversorgung zum Energiebedarf aller elektrischen Verbraucher – ausgelegt sind, zielen auf die maximale Unabhängigkeit vom Energieversorger und minimale Kosten pro entnommene Kilowattstunde. In der Regel führt eine hohe Autarkiequote zu geringem Eigenverbrauch und umgekehrt. Speicher helfen sowohl die  Eigenverbrauchs- als auch die Autarkiequote zu erhöhen.

 

Eine gute Anlagenauslegung bezieht alle wichtigen Kenngrößen ein: Menge der erzeugten PV-Energie (Anlagengröße und solare Einstrahlung), den Jahresverbrauch sowie die Speichergröße und -effizienz. Zusätzliche Einflussfaktoren sind die Regelgeschwindigkeit sowie die Begrenzung der Netzeinspeisung (70 % EEG, 60 % Speicherförderung), das Lastprofil sowie Standort und Ausrichtung der PV-Anlage.

Je besser man die speziellen Kundenbedürfnisse und die lokalen Bedingungen für das Speichersystem kennt, desto effizienter lässt sich das System auslegen. Wer hier seinen Kunden genau zuhört und sie entsprechend individuell berät, kann das Potenzial im Speichermarkt für sich nutzen.

 

Kundenwünsche richtig einschätzen

Zu diesem Thema passte auch der Vortrag „Steuern und zur Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichersystemen“ von Michael Vogtmann von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Vogtmann gab den Teilnehmern viele praktische Tipps und Rechenbeispiele für die Kaufargumentation beim Kunden. Denn auch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit gibt es große Unterschiede: Möchte der Kunde mit der Anlage mehr Autonomie erreichen, legt er Wert auf  eine Notstromversorgung, oder strebt er gar eine gänzlich netzunabhängige Energieversorgung an? Möchte er eine bessere Rendite als auf dem Sparkonto erreichen, will er gar eine Steueroptimierung erreichen, oder doch lieber möglichst wenig mit dem Finanzamt zu tun haben?

„Der Sicherheitsbedürftige und Finanzamtsmüde findet ein System mit Speicher sehr attraktiv“, erklärt Vogtmann. „Denn damit kann er sich möglichst unabhängig von äußeren Einflüssen wie möglichen Strompreissteigerungen, Stromnetzausfällen oder Benzinpreisentwicklungen machen. Für den Steuersparfuchs mit Fokus auf möglichst hoher Rendite, kurzer Amortisationszeit und einem hohen Liquiditätsüberschuss hingegen kommt ein Speichersystem weniger in Frage.“

Weitere Themen waren die Einbindung von Elektroautos sowie die Nutzung thermischer Speicherpotentiale durch die Einbindung von Wärmepumpen in PV-Speichersysteme. Hier kooperiert SMA mit unterschiedlichen Herstellern und hat gemeinsam erste marktreife Produkte entwickelt.

„97 Prozent der privaten PV-Anlagen bieten ausreichendes Ladepotential für Elektrofahrzeuge.“

Detlef Beister, SMA Business Development Manager

 

Weil in einem Haushalt fast 90 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser benötigt wird, lässt sich der PV-Eigenverbrauch insbesondere durch eine Wärmepumpe oder Einsatz von Heizelementen sinnvoll erhöhen. Der günstige PV-Strom wird so in Form von warmem Wasser im Heizungsspeichertank thermisch vorgehalten und versorgt damit die Heizung und Warmwasserbereitung. Gleichzeitig werden die Netze entlastet, weil der selbsterzeugte Strom direkt im Haushalt verbraucht wird.

Weil in einem Haushalt fast 90 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser benötigt wird, lässt sich der PV-Eigenverbrauch insbesondere durch eine Wärmepumpe oder Einsatz von Heizelementen sinnvoll erhöhen. Der günstige PV-Strom wird so in Form von warmem Wasser im Heizungsspeichertank thermisch vorgehalten und versorgt damit die Heizung und Warmwasserbereitung. Gleichzeitig werden die Netze entlastet, weil der selbsterzeugte Strom direkt im Haushalt verbraucht wird.

 

Weil in einem Haushalt fast 90 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser benötigt wird, lässt sich der PV-Eigenverbrauch insbesondere durch eine Wärmepumpe oder Einsatz von Heizelementen sinnvoll erhöhen. Der günstige PV-Strom wird so in Form von warmem Wasser im Heizungsspeichertank thermisch vorgehalten und versorgt damit die Heizung und Warmwasserbereitung. Gleichzeitig werden die Netze entlastet, weil der selbsterzeugte Strom direkt im Haushalt verbraucht wird.

Weil in einem Haushalt fast 90 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser benötigt wird, lässt sich der PV-Eigenverbrauch insbesondere durch eine Wärmepumpe oder Einsatz von Heizelementen sinnvoll erhöhen. Der günstige PV-Strom wird so in Form von warmem Wasser im Heizungsspeichertank thermisch vorgehalten und versorgt damit die Heizung und Warmwasserbereitung. Gleichzeitig werden die Netze entlastet, weil der selbsterzeugte Strom direkt im Haushalt verbraucht wird.

 

Für jede Anwendung der passende Speicher

In der parallelen Ausstellung mit SMA Kooperationspartnern gab es die Möglichkeit für die Teilnehmer, Speichertechnologien kennenzulernen und mit den teilnehmenden Herstellern Akasol, BMZ, Deutsche ACCUmotive, Exide, Hoppecke, LG Chem, Sony, Stiebel Eltron oder Tesvolt direkt zu diskutieren, welcher Batterietyp für welches System am besten ist. Denn auch was die Batterietechnologie angeht, legt SMA viel Wert auf eine flexible Systemgestaltung – weil jede Anlage individuell ist, kooperiert SMA mit allen namhaften Batterieherstellern.

 

Fazit

Das Thema Speicher bietet also jede Menge Möglichkeiten und viel Potenzial für alle Beteiligten: „Die Mischung aus technischer Tiefe und Praxiserfahrung ist gut angekommen“, berichtet Jörg Faulstich. „Und wir haben natürlich auch wertvollen Input mitgenommen, den wir gerne in künftige Angebote aufnehmen.“

 

sma-sunny-blog_artikelende-banner-batteriespeicher_de

 

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Meine Aufgaben:
Alles zum Thema Text im Bereich netzferne Anlagen.
Meine Themen:
Alles rund um Off-Grid Solutions.
Was selbst meine Kollegen nicht von mir wissen:
Ich hab mal „Manowar“ interviewt.

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2 Kommentare

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    Felix

    4. November 2015 um 01:04

    Das ist vermutlich ein Tippfehler im Abschnitt „Das perfekte Speichersystem“: Der mittlere Jahresverbrauch von Haushalten mit Sunny Island-basierten Speichersystemen dürfte bei 5.000 kWh liegen, nicht bei 500 kWh!

    Mit Blick auf die 1200 betrachteten Anlagen wäre übrigens auch eine Auswertung des durchschnittlichen Energiedurchsatzes bzw. der durchschnittlichen Zahl der Vollzyklen pro Jahr aufschlussreich, die ein guter Indikator für eine sinnvolle Systemauslegung sind.

    Und nicht zuletzt interessiert natürlich die in der Praxis erzielbare Speichereffizienz, also das Verhältnis von ausgespeicherter zu eingespeicherter Energie. Gerade für die Smart Energy-Anlagen mit prinzipbedingt homogeneren Systemauslegungen müsste es ja recht aussagekräftige Daten geben, und schließlich soll das Gerät ja besonders geringe Speicherverluste verursachen.

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      Anke Baars

      4. November 2015 um 16:08

      Hallo Felix,
      vielen Dank, da hat tatsächlich der Fehlerteufel zugeschlagen. Richtig heißt es: „im Mittel sind es 5.500 kWh beim Sunny Island“. Die Zahl ist auch im Text korrigiert.
      Zu deinen weiteren Anmerkungen: Diese Themen gehörten zu den Inhalten des Speichertags, der Blogbeitrag gibt hier nur eine grobe Übersicht. Wenn du dich dazu näher mit uns autauschen möchtest, schreib gerne eine E-Mail an SocialMedia@SMA.de oder komm zu einer der nächsten Veranstaltungen:-)

      Viele Grüße,
      Anke

      Antworten »

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