„Qualität zahlt sich aus“

Von am 2. Oktober 2015 in der Kategorie Technologie mit 7 Kommentare
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Die Photovoltaikanlage von Dieter Frosch vereint den Pioniergeist der frühen 1990er Jahre mit Technik State of the Art. 

Vor über 20 Jahren hat Dieter Frosch eine Photovoltaikanlage auf seinem Dach installiert. Damit zählt er zweifellos zu den Pionieren der Solarenergie. Und er ist der Einzige, der neben einem der ältesten Wechselrichter PV-WR 1800 gleichzeitig einen der derzeit modernsten SMA Wechselrichter, den Sunny Boy 2.5, in Betrieb hat. Bei einem Besuch vor Ort erzählt er aus den Pionierzeiten der Photovoltaik – zum Beispiel dass er manchmal selbst überrascht ist, dass die Anlage nach all den Jahren noch läuft und warum bei ihm neben Wechselrichtern auch alte Waschbretter an der Wand hängen.

„Mein PV-WR 1800 funktioniert nicht mehr richtig. Ich hoffe, Sie können mir helfen.“ Mit diesen Worten stand Dieter Frosch aus Vellmar im Juni am Empfang bei SMA. Und traf dort zufällig auf Frank Illian. Der war sofort Feuer und Flamme für das Thema. „Als ich ‚PV-WR 1800‘ gehört habe, bin ich sofort hellhörig geworden“, erzählt Frank. „Dass es die noch im Feld gibt, hat mich fasziniert. Das ist ja ein echtes Stück SMA Geschichte, das wollte ich mir unbedingt ansehen.“

 

Zuverlässiger Energielieferant auf dem Dach: Seit 1993 produziert die Anlage von Dieter Frosch Solarstrom.

Zuverlässiger Energielieferant auf dem Dach: Seit 1993 produziert die Anlage von Dieter Frosch Solarstrom.

1.000 Dächer für die Photovoltaik

Genauer gesagt, ist der PV-WR 1800 der erste SMA Wechselrichter, der 1991 in die Serienproduktion ging. Zwei dieser Wechselrichter gingen in der Photovoltaikanlage mit Siemens-Modulen von Herrn Frosch 1993 in Betrieb. Die aus heutiger Sicht nahezu unvorstellbar hohe Summe von 86.000 Deutsche Mark kostete die Anlage mit einer Leistung von 3,18 Kilowatt. Sie produziert immer noch jährlich rund 2.200 Kilowattstunden. Dass die Anlage immer noch nahezu reibungslos läuft, kann Anlagenbetreiber Dieter Frosch manchmal selbst kaum glauben: „Am Ende zahlt sich eben Qualität doch immer aus!“, so Frosch.

Planung und Inbetriebnahme übernahm damals Gerd Hackenberg mit seiner Firma INES Innovative Energiesysteme GmbH. Wie der Zufall es so will, ist Hackenberg heute Senior Expert Application Engineering bei SMA, und er erinnert sich noch gut an die Installation: „Zu der Zeit waren kleine, dezentrale netzgekoppelte Photovoltaikanlagen noch extrem selten. Die Anlage von Herrn Frosch war eine der ersten PV-Anlagen in Hessen und rutschte gerade noch in das 1.000-Dächer-Programm.“ So erhielt Dieter Frosch eine Förderung von 70 Prozent, was die Investition deutlich erträglicher machte.  Das „Bund-Länder-1.000-Dächer-Photovoltaik-Programm“ – kurz „1.000-Dächer-Programm“ – hatte das Ziel, Erfahrungen und Kenntnisse zu Planung, Bau und Betrieb kleinerer netzgekoppelter Photovoltaikanlagen zu sammeln (siehe Infokasten). Es war ein erster Breitenversuch für die netzgekoppelte Solarenergie. Bis dahin waren es meist technisch interessierte und versierte Tüftler oder engagierte Umweltschützer, die sich eine Photovoltaikanlage auf ihr Dach installierten.

 

Mittlerweile eine echt Rarität: Der PV-WR 1800 ist der erste seriengefertigte SMA Wechselrichter und läuft bei Dieter Frosch immer noch.

Mittlerweile eine echt Rarität: Der PV-WR 1800 ist der erste seriengefertigte SMA Wechselrichter und läuft bei Dieter Frosch immer noch.

Wissen bewahren und weitergeben

Dieter Frosch, Jahrgang 1942, ist eine Mischung aus beidem: Der gelernte Elektroinstallateur war immer schon angetrieben vom Interesse an alternativen Energien und dem Gedanken, „etwas wirklich Sinnvolles und Nachhaltiges für die Umwelt zu tun. Am besten direkt vor der eigenen Haustür, oder eben direkt dahinter.“ Mindestens ebenso wichtig wie seine innovativen Ideen ist es ihm jedoch, alte Techniken aus dem traditionellen Handwerk zu bewahren. So sammelt er leidenschaftlich alte Gerätschaften und Werkzeuge aus dem bäuerlichen Alltag – Flachsbrechen, Spinnräder, Waschbretter, Geschirr für Zugvieh, Ton- und Steinkrüge etwa – einfach, um weitertragen zu können, wie das Leben damals war. „Das geht uns doch sonst vollständig verloren. Welches Kind weiß denn heute noch, was eine Flachsbreche ist?“ Ähm…, an dieser Stelle muss ich zugeben, dass auch ich das leider nicht so genau weiß, obwohl ich den Kinderschuhen längst entwachsen bin. Aber natürlich bleibt Dieter Frosch die Antwort nicht schuldig: „Damit brach man früher den Flachs auf und befreite ihn von den harten Holzanteilen, damit man ihn später besser spinnen und zu Leinen-Textilien verarbeiten konnte. Das Material leitet die Wärme übrigens viel besser ab als Baumwolle. Wenn Sie an heißen Tagen wie heute ein Leinenhemd tragen, leiden Sie nur halb so stark unter der Hitze.“ [Anmerkung der Autorin: Und es war wirklich extrem heiß beim Ortstermin in Vellmar.]

 

Mit Dieter Frosch und Frank Illian im Gespräch über alte Technik und innovative Technologie

Mit Dieter Frosch und Frank Illian im Gespräch über alte Technik und innovative Technologie

Zwischen Tradition und Innovation

Auch das Einfamilienhaus der Familie Frosch ist eine faszinierende Mischung aus Innovation und Tradition. Um den Bau auf finanziell solidere Füße zu stellen, hängte Dieter Frosch das Elektrohandwerk an den Nagel und tauschte es gegen eine Ausbildung in einem krisenfesteren Job als Beamter im Staatsdienst ein. Seitdem tüftelte und werkelte er in seiner Freizeit weiter an seinem selbstkonstruierten Niedrigenergiehaus. Insbesondere der „Hofmannsche Wasserzersetzungsapparat“ hatte es ihm damals angetan, ein Vorläufer der heutigen „Power-to-Gas“-Technologie. Mittels elektrolytischer Zerlegung wässriger Lösungen gewinnt man dabei Gas, das dann wiederum zur Energieerzeugung eingesetzt werden kann. „Das hätte mich auch für unser Haus sehr interessiert, hatte aber in Deutschland keine Zulassung“, erzählt Frosch. „Also habe ich mich für die Photovoltaik und Solarthermie entschieden.“ Der 800 Liter Pufferspeicher versorgt Familie Frosch von März bis November mit Warmwasser. Und wegen der Thermodynamik sind fast alle Fenster nach Süden ausgerichtet und die Außenwände eigenhändig verklinkert.

Dass er den Fehler am Wechselrichter nicht selbst beheben konnte, ließ den Elektroinstallateur in ihm freilich verzweifeln. „Einer der Wechselrichter fällt alle paar Tage sporadisch aus, ansonsten läuft die Anlage ja noch einwandfrei. Dass ich nun einen nagelneuen Wechselrichter bekomme, macht mich fast sprachlos. Und das passiert mir sonst selten“, schmunzelt er bei der „Übergabe“ des neuen Sunny Boy 2.5. Ganz erstaunt ist er ob des Gewichts – mit noch nicht einmal zehn Kilogramm ist der Sunny Boy 2.5 nur noch etwa halb so schwer wie sein „Ur-Großvater“, der PV-WR 1800. Beide hängen jetzt direkt nebeneinander. „Das ist dann jetzt noch so ein schönes Stück Geschichte, dass Sie hier im Keller haben“, findet Frank Illian. Es ist die Geschichte der Innovation der Wechselrichter-Technik.

 

Hintergrund: 1.000-Dächer-Programm

Ab September 1990 förderten Bund und Land über das 1000-Dächer-Programm die Photovoltaik in Deutschland nach einer festgelegten Quote.

Ziel war die „Bewertung des bereits erreichten Standes der Technik“ und die „Ableitung des noch erforderlichen Entwicklungsbedarfs bei netzgekoppelten Photovoltaikanlagen mit kleiner Leistung“. Bund und Länder gewährten eine Förderung von 70 % der Anlagen- und Installationskosten (50 % Bund, 20 % Länder). 1991 wurde das Programm auch auf die neuen Bundesländer ausgedehnt. Im Gegenzug verpflichteten sich die Betreiber unter anderem ihre Zähler über fünf Jahre lang jeden Monat abzulesen und die Werte quartalsweise an das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg zu senden.

Gefördert wurden netzgekoppelte Anlagen deutscher Hersteller (auch wenn die Module im Ausland hergestellt wurden), die in der der Leistungsklasse 1 bis 5 kW auf Dächern von Ein- und Zweifamilienhäusern installiert waren. Die geförderten Anlagen mussten spätestens im Jahr 1993 ihren Betrieb aufnehmen und über Erzeugungszähler, Einspeisezähler sowie einen Bezugszähler verfügen.

 

Habt ihr auch ein Stück Photovoltaik-Geschichte wie Dieter Frosch bei euch im Keller hängen? Dann schreibt uns an SocialMedia@SMA.de. Wir freuen uns auf eure Berichte und Fotos.

 

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Alles rund um Off-Grid Solutions.
Was selbst meine Kollegen nicht von mir wissen:
Ich hab mal „Manowar“ interviewt.

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7 Kommentare

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    Sahin

    30. August 2017 um 07:27

    Hallo ich habe auch so eine alte Anlage.
    Aber leider ist eine Wechselrichter
    (PV WR – 1800 ) ausgefallen , und die Anlage ist auf Störung was könnt ihr mir raten Danke.

    Antworten »
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      Rhea Terlinden

      4. September 2017 um 08:41

      Hallo Sahin,

      Bezugnehmend auf Deine Anfrage möchte ich Dir mitteilen, dass es sicher kompatible Wechselrichter im SMA-Portfolio gibt, welche Dein defektes Gerät ersetzen könnten. Um dies final zu beurteilen, bedarf es allerdings eine Reihe weiterer Informationen bezüglich Modultyp, Modulauslegung, Anlagenstandort etc.. Wende Dich bitte an einen authorisierten SMA Fachhandwerker SMA Fachhandwerker in Deiner Nähe und lasse mit o.a. Informationen die Kompatibilität geeigneter SMA-Wechselrichter prüfen.

      Gruß Rhea

      Antworten »
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    UDO SCHMIEDT

    18. Dezember 2016 um 19:06

    Gratuliere ! Wass man besser machen kann das macht immer !

    Antworten »
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    jöckle klaus

    7. November 2015 um 09:34

    hallo, ich habe uch eine PV wr 1800 Wechselrichter aus dem Jahr 1995 Seriennummer 3082 der kaputt ist. Suche verzweifelt ersatz. Wer kann mir helfen.

    Antworten »
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      Sarah Römsch

      9. November 2015 um 09:50

      Hallo,
      in diesem Fall kannst du dich gerne an einen SMA Solar Fachpartner in deiner Nähe wenden oder auch an unsere Service Line unter der Rufnummer +49 561 9522 – 1499. Wir finden mit Sicherheit eine Lösung und ein für deine Anlage passendes Gerät.

      Viele Grüße

      Sarah

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    Alex

    19. Oktober 2015 um 20:41

    Die 20.000kWh in etwas mehr als 20 Jahren machen mich etwas stutzig.
    Da scheint die Anlage wohl sehr viele Probleme gehabt zu haben.

    20.000kWh bei einer 3.6kWp Anlage seit Inbetriebnahme 1993 würde bedeuten
    das lediglich ein spezifischer Ertrag von ~264 kWh/kWp pro Jahr erwirtschaftet wurde.
    (20000kWh/3,6kWp/21a=264 kWh/kWpa)

    Auch alte Anlagen der 90er und frühen 2000er sollten deutlich überhalt von 800kWh/kWp liegen.

    Antworten »
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      Anke Baars

      4. November 2015 um 12:05

      Hallo Alex,

      vielen Dank für den berechtigten Hinweis. Der Anlagenbeitreiber hat inzwischen noch einmal in seine Unterlagen geschaut: Die Anlage hat statt 3,6 kWp eine Gesamtleistung von 3,18 kWp und leistet jährlich rund 2200 kWh. Die 20.000 kWh bezogen sich auf Dokumentationen aus den letzten Jahren. Sorry, das habe ich irrtümlich dargestellt und die Angaben inzwischen im Text angepasst.

      Viele Grüße,
      Anke

      Antworten »

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