Marktanteile bei PV-Speichersystemen – einfach komplex

Von Martin Rothert (Gastbeitrag) am 25. November 2016 in der Kategorie Energiemanagement mit 1 Kommentar
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Batteriespeicher sind ein wichtiges Thema für die Energieversorgung der Zukunft und werden das Wachstum der Photovoltaik entscheidend vorantreiben. Dementsprechend gewinnen Speicher weltweit immer mehr Aufmerksamkeit in Medien und Öffentlichkeit. Diesen Trend greifen auch internationale Marktforschungsinstitute auf. So sind in den vergangenen Wochen verschiedene Studien zu PV-Speichersystemen erschienen. Deren Erkenntnisse weichen allerdings teilweise erheblich voneinander ab. 

 

Warum ist es so schwierig, eine gute Speichermarktstudie zu erstellen?

Um Marktanteile zu berechnen ist die erste Voraussetzung, die Größe des Gesamtmarkts zu kennen. Leider gibt es hierzu kaum verlässliche Zahlen. Zum Zweiten werden in der Regel die Hersteller abgefragt, wie viele Speichersysteme sie ausgeliefert haben. Bei der Abfrage wenden die Marktforschungsinstitute sehr unterschiedliche Systematiken an. Die Einen beziehen sich nur auf die Speicher, andere zählen Komplettsysteme oder konzentrieren sich auf die Batterie-Wechselrichter. Dies führt natürlich zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Ein Plausibilitätscheck ist auf Grund der nicht eindeutigen Datenlage für den Gesamtmarkt kaum möglich.

Der Markt für Speichersysteme ist auch deshalb sehr komplex, weil es sehr unterschiedliche Angebote gibt. Es werden nicht nur Komplettsysteme verkauft, sondern auch viele modulare Systeme, bei denen Wechselrichter und Batterie von unterschiedlichen Herstellern kommen. Einige Hersteller wie SMA haben sowohl Komplettsysteme (Sunny Boy Smart Energy)  als auch modulare Systeme (Sunny Island, Sunny Boy Storage) im Angebot. Darüber hinaus arbeiten viele Hersteller auch als OEM-Lieferant. Die Systeme werden dann unter einem anderen Markennamen verkauft. Hierdurch besteht die Gefahr, dass Systeme doppelt gezählt werden.

 

Wie werden die Daten für die Studien erfasst?

Alle Marktforschungsinstitute befragen die Hersteller nach den verkauften Geräten. Unterschiede gibt es dann, wie die Daten überprüft und zusammengezählt werden. Kontrollieren lassen sich die Angaben der Hersteller nur dann, wenn es die Möglichkeit gibt, dies z.B. mit den im Geschäftsbericht genannten Umsätzen abzugleichen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, nicht nur die Hersteller abzufragen, sondern auch deren Kunden. Dies ist aber deutlich zeitaufwendiger und wird deshalb nicht immer gemacht. Da auch hier nicht immer ersichtlich ist, wie vorgegangen wurde, sollte man prinzipiell vorsichtig mit den Zahlen umgehen.

 

Was muss ich wissen, um die Studien zu verstehen?

Um die Ergebnisse zu verstehen, muss man sich daher  zunächst klar machen, was denn genau abgefragt und dargestellt wird. Leider wird dies in den Studien nicht immer eindeutig benannt oder ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen.  Wenn von Speichersystemen die Rede ist, stellt sich immer zunächst die Frage, ob bei modularen Speichersystemen die Stückzahlen auf den Batterielieferanten oder auf den Wechselrichterlieferanten bezogen wurden. So bezieht sich etwa EuPD Research in der jüngst erschienenen Studie „Marktanteile im Heimspeichersegment 2016” auf die Batterielieferanten. Basis für die Studie „Energy Storage Inverter (PCS) Report – 2016 “ von IHS Markit und die Studie „Der deutsche Markt für PV-Batteriespeicher-Systeme 2016” von macRom sind hingegen die Wechselrichter-Lieferanten.

Marktstudie von macRom für den deutschen Markt in 2016. Zu den 23 % Marktanteil von SMA kommen noch 4 % von IBC Solar, da die Systeme zu 100% mit SMA Wechselrichtern ausgestattet sind.

Marktstudie von macRom für den deutschen Markt in 2016. Zu den 23 % Marktanteil von SMA kommen noch 4 % von IBC Solar, da die Systeme zu 100% mit SMA Wechselrichtern ausgestattet sind.

 

Dementsprechend kommen die Studien auch zu unterschiedlichen Ergebnissen. IHS Markit und macRom sehen SMA ganz klar als Marktführer bei kleinen netzgekoppelten Speichersystemen – und zwar sowohl weltweit als auch im deutschen Markt. Sie beziehen richtigerweise alle von SMA verkauften Speichersysteme mit ein. In der EuPD-Studie landet SMA hingegen nur auf dem 6. Platz. Die Erklärung dafür ist relativ einfach:  Da sich die EuPD-Studie auf die Speicherhersteller bezieht, wurden dort für SMA nur die integrierten Systeme mit dem Sunny Boy Smart Energy gezählt. Die modularen Systeme mit dem Sunny Island und Sunny Boy Storage, die mit unterschiedlichen Batterien kompatibel sind, tauchen dagegen bei den verschiedenen Batterieherstellern auf. Das Bild ist hier also entsprechend verzerrt.

 

Was ist sinnvoller?

Dies ist natürlich ein Stück weit auch eine Geschmackssache. Auf die Anlagenperformance bezüglich Wirkungsgrad, Regelgeschwindigkeit und prognosebasiertem Laden haben der Wechselrichter und das Energiemanagement einen deutlich größeren Einfluss als die Batterie. Bezüglich der Kosten und der Lebensdauer hat aber die Batterie einen größeren Einfluss als der Wechselrichter. Es gibt hier also kein eindeutiges Falsch oder Richtig. Hilfreich wäre es aber, wenn die Herausgeber der Marktstudien diese Rahmenbedingungen immer klar herausstellen und erklären würden.

 

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Der Autor

Martin Rothert (Gastautor)

Martin ist Head of Product Management und Experte für das Thema Batteriespeicher und Photovoltaik.

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1 Kommentar

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    Timo

    15. Januar 2017 um 17:51

    Ich hoffe, dass in Zukunft der Sunny Home Manager direkt mit der AC-Version Teslas Powerwall 2.0 kompatibel ist. Das wäre wohl das günstige System und meine beiden Favoriten würden zusammenarbeiten.

    Antworten »

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