Direktvermarktung von Solarstrom mit SMA Systemtechnik

Von Folke Mitzlaff (Gastbeitrag) am 16. Juni 2016 in der Kategorie Technologie mit 2 Kommentare
SMASolar-Plütscheid-Anlage

Normalerweise speisen Betreiber von Photovoltaikanlagen ihren Solarstrom direkt ins Netz und erhalten dafür die gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung. Für Solaranlagen ab einer Größe von 100 kW gelten jedoch andere Regeln bzw. gibt es auch die Möglichkeit, Solarstrom direkt zu vermarkten. Was Direktvermarktung meint, welche Vergütung Anlagenbetreiber erhalten und wie das mit SMA Produkten möglich ist, lest ihr hier.

Der Ausbau der erneuerbaren Energieversorgung in Deutschland verlief in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich. Das könnte sich bald ändern, denn aktuell plant die Bundesregierung eine erneute Novelle des EEG. Von den geplanten Änderungen ist das Modell der Direktvermarktung nicht betroffen. Und da die Regierung an den Ausbauzielen festhalten will, wonach bis 2025 etwa 40 bis 45% des Stromverbrauchs Ökostrom sein sollen, bleibt die Direktvermarktung von Solarstrom eine lukrative Option.

In 2015 lag der Anteil der erneuerbaren Energieträgern übrigens bei 30,0% der Stromerzeugung und 32,5% des Stromverbrauchs in Deutschland.

In 2015 lag der Anteil der erneuerbaren Energieträgern übrigens bei 30,0% der Stromerzeugung und 32,5% des Stromverbrauchs in Deutschland.

 

Was bedeutet Direktvermarktung von Solarstrom?

Bis zur Einführung der Direktvermarktung durch das EEG 2012 erfolgte die Förderung von PV-Anlagen in Deutschland ausschließlich über die Einspeisevergütung, für welche bei Inbetriebnahme der Anlage für die Einspeisevergütung auf 20 Jahre ein Wert fest angesetzt wird.

Seit dem EEG 2012 kann der Anlagenbetreiber seinen Solarstrom auch an einen interessierten Abnehmer direkt verkaufen. Dies bezeichnet man als Direktvermarktung, die mit dem EEG 2014 für Neuanlagen im Bereich Wind und Solar ab 500 kW Pflicht ist. Seit dem 1. Januar 2016 gilt das auch für neu in Betrieb genommene Anlagen ab 100 kW. In dem für PV-Anlagenbetreiber relevanten Marktprämienmodell erfolgt die Direktvermarktung des eingespeisten Stroms einer PV-Anlage über ein sogenanntes Direktvermarktungsunternehmen, welches gebündelt die Vermarktung von vielen Erneuerbaren-Energien-Anlagen an der Börse übernimmt.

 

Welche Vergütung erhalten PV-Anlagenbetreiber?

Hier die guten Nachrichten vorweg: Die Förderung eingespeisten Solarstroms über das Marktprämienmodell ist so konzipiert, dass ein PV-Anlagenbetreiber grundsätzlich nicht weniger Förderung erhält als über die klassische Einspeisevergütung – als Übergangsbestimmung (§100 EEG 2014) sogar 0,4 Cent pro Kilowattstunde mehr.

Dabei lohnt sich die Direktvermarktung je größer die Photovoltaikanlage ist, denn der Gesetzgeber fördert diese mit der sogenannten Marktprämie. Direktvermarktungsunternehmen verkaufen den Strom der Anlagenbetreiber an der Strombörse. Liegt der erzielte Verkaufspreis unterhalb der Einspeisevergütung, gleicht die Marktprämie die Differenz vom durchschnittlich für PV-Strom erzielten Börsenstrompreis zu dem entsprechend der Einspeisevergütung individuell anzulegenden Wert der PV-Anlage aus. Erstattet wird allerdings nicht exakt die tatsächliche Differenz, sondern die Differenz zum durchschnittlichen Verkaufspreis im jeweiligen Monat. Wer seinen Strom zu überdurchschnittlichen Preisen verkauft, nimmt also mehr ein, als er über die Einspeisevergütung erhalten würde.

 

Welche technischen Anforderungen gibt es?

Das EEG 2014 schreibt für die Direktvermarktung von Solarstrom vor, dass PV-Anlagen fernsteuerbar sein müssen (§36 EEG 2014). Das heißt, Direktvermarktungsunternehmen müssen jederzeit die Möglichkeit haben über einen sicheren Kommunikationskanal die Einspeiseleistung der PV-Anlage abzurufen und die Einspeiseleistung zu reduzieren.

Direktvermarktung mit SMA Produkten

Der kommunikative Systemaufbau einer PV-Anlage für die Direktvermarktung mit SMA Systemtechnik.

 

Ist die Direktvermarktung auch mit SMA Systemtechnik möglich?

Für die Schnittstelle zwischen PV-Anlage und Direktvermarkter bietet SMA für alle Anlagentypen eine passende Lösung.

 

SMA Cluster Controller

SMA Cluster Controller

1. Direktvermarktung mit dem SMA Cluster Controller

Zur Fernsteuerung der PV-Anlage durch einen Direktvermarkter kann der SMA Cluster Controller als zentrale Kommunikationseinheit eingesetzt werden. Hierzu ist der SMA Cluster Controller bereits mit einer auf Modbus® TCP basierenden Ethernet-Schnittstelle ausgerüstet. Ohne das Einspeisemanagement des Netzbetreibers zu beeinflussen, übernimmt der SMA Cluster Controller die Steuersignale des Direktvermarkters und gibt diese an die PV-Anlage weiter. Für die sichere Datenübertragung zwischen dem SMA Cluster Controller und dem Direktvermarkter kann eine VPN-Verschlüsselung über einen VPN-Router eingesetzt werden. Bei dieser Variante sprechen wir von PV-Anlagen in der Größenordnung 30 kWp bis 500 kWp.

 

SMA Power Plant Controller

SMA Power Plant Controller

2. Schnittstelle mit dem SMA Power Plant Controller

Die Anbindung einer PV-Anlage an einen Direktvermarkter über den SMA Power Plant Controller funktioniert wie die Anbindung mit dem SMA Cluster Controller. Wobei der SMA Power Plant Controller bei Solarkraftwerken ab einer Größe von 1 MW eingesetzt wird.

 

3. Systemlösung mit dem SMA Sunny Tripower 60 und dem SMA Inverter Manager

Auch die Anbindung einer PV-Anlage an einen Direktvermarkter über den SMA Inverter Manager wird analog zu der Anbindung über einen SMA Cluster Controller umgesetzt. Die Kommunikation mit dem Direktvermarktungsunternehmen erfolgt über verschlüsselte Ethernet-Kommunikation mittels eines VPN-Routers unter Verwendung der SunSpec® Modbus®-Schnittstelle des SMA Inverter Managers. Der SMA Sunny Tripower wird bei PV-Anlagen ab 500 kWp eingesetzt.

 

Wann erfolgt eine Reduzierung der Einspeiseleistung durch den Direktvermarkter?

Die Reduzierung der Einspeiseleistung durch das Direktvermarktungsunternehmen ist als Werkzeug für den Umgang mit negativen Preisen an der Strombörse eingeführt worden. Grundsätzlich gehört die Bildung von negativen Preisen zu den natürlichen Mechanismen eines Börsenhandels, wo das Verhältnis von Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. In der Vergangenheit war der Betreiber einer EEG-Anlage hiervon nicht betroffen. Durch das EEG 2014 wird ab 1. Januar 2016 festgesetzt, dass falls der Strompreis über einen zusammenhängenden Zeitraum von mindestens sechs Stunden negativ ist, die Förderung für eingespeisten PV-Strom für diesen Zeitraum ausgesetzt wird (§24 EEG 2014). Diese Sechs-Stunden-Regel greift für PV-Anlagen übrigens äußerst selten.

Bei Fragen zum Thema Direktvermarktung mit der SMA Systemtechnik könnt ihr mich gern kontaktieren: Folke.Mitzlaff@SMA.de

 

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Der Autor

Folke Mitzlaff (Gastautor)

Folke ist seit 2013 bei SMA und arbeitet aktuell als Produktmanager in der Business Unit Commercial. Er betreut die SMA Produkte, die vorzugsweise in gewerblichen Solaranlagen zum Einsatz kommen. Sein Steckenpferd ist aber vor allem die Elektromobilität. Beruflich ist Folke in interdisziplinären Arbeitsgruppen zum Thema E-Mobilität und privat mit seinem E-Bike unterwegs.

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2 Kommentare

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    Joachim Barth

    4. Juli 2017 um 21:03

    Sehr geehrter Herr Mitzlaff,
    kann die Übertragung der Daten auch über das Mobilfunknetz erfolgen?
    Bei einigen unserer Anlagen ist kein DSL Anschluss möglich.

    Vielen Dank im Voraus

    Joachim Barth

    Antworten »
    • avatar

      Carolin Rost

      12. Juli 2017 um 10:48

      Hallo Joachim,
      Ja, das ist möglich. Die Direktvermarktungsschnittstelle wird für die meisten Direktvermarktungsunternehmen über einen externen Internet-Router realisiert, welcher eine direkte gesicherter Verbindung zur Leitwarte des Direktvermarkters aufbaut. Hier gibt es auch entsprechende Geräte, die bereits ein GSM-Modul integriert haben (z.B. https://www.hy-line.de/produkte/cat209/truecon-router/).
      Viele Grüße, Carolin

      Antworten »

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