Der wichtigste Wettbewerb der Welt

Von Mathias Gößling (Gastbeitrag) am 22. Juli 2015 in der Kategorie Energiewende mit 1 Kommentar
storytelling für die energiewende

Amerikanische Forscher haben in den 60-er Jahren ein Experiment gemacht, das noch heute einige der einflussreichsten Wissenschaftler der Welt beschäftigt: Sie haben Studierenden erklärt, warum es wichtig ist, sich gegen Tetanus impfen zu lassen. Richard Thaler und Cass Sunstein beschreiben das Experiment in ihrem viel diskutierten Buch „Nudge – Wie man kluge Entscheidungen anstößt“ folgendermaßen:

 Die meisten Studierenden waren am Ende des Vortrags überzeugt und gaben an, sich impfen lassen zu wollen. Doch diese guten Vorsätze setzten sie in der Regel nicht um: Nur drei Prozent gingen tatsächlich zur Impfung. Andere Teilnehmer hörten den gleichen Vortrag, bekamen jedoch zusätzlich eine Karte des Campus überreicht, auf der das Health Center mit einem Kreis markiert war. Dann wurden sie gebeten, sich ihren Wochenplan anzusehen und einen Termin auszuwählen, an dem sie gehen und sich impfen lassen wollten. Außerdem sollten sie sich die Karte anschauen und entscheiden, welchen Weg sie zum Health Center einschlagen würden. Daraufhin ließen sich 28 Prozent der Studenten impfen […] neunmal so viele […] wie im Beispiel davor.

Dieser Effekt heißt „Bahnung“. Ich finde diesen Namen toll, weil er so extrem anschaulich ist. Wenn ich mir einmal einen Weg durch den Dschungel gebahnt habe, dann heißt das natürlich nicht automatisch, dass ich beim nächsten Mal wieder den gleichen Weg nehme. Aber es wäre viel leichter, und darum ist es viel wahrscheinlicher. Genauso ist es mit Wegen, die ich mir im Kopf „bahne“: Wenn ich mir etwas schon einmal im Detail vorgestellt habe, wenn ich schon einmal einen Plan gemacht oder eine Geschichte durchgespielt habe, dann ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass ich diesen Weg auch irgendwann gehe.

Für jede Story über die Rettung der Welt gibt es zwei, die von ihrer Zerstörung erzählen

Wer diesen Gedanken einmal zu Ende gedacht hat und sich dann die Berichterstattung über Klima und Energie anschaut, der bekommt es mit der Angst zu tun. Vor allem auf internationaler Ebene. Bei Google findet man zum Beispiel zum Thema „climate change“ 138 Millionen Einträge, zum Thema „renewable energy“ aber nur 61 Millionen. Das bedeutet: Für jede Story über die Rettung der Welt gibt es zwei, die von ihrer Zerstörung erzählen. Selbst auf Deutsch gibt 5,5 Millionen Einträge zum Stichwort „Klimawandel“ und nur 5 Millionen zum Thema „Energiewende“. Auf jeden Menschen, der darüber nachdenkt, wie eine lebenswerte Zukunft funktionieren könnte, kommen also ein bis zwei andere, die darüber nachdenken, wie genau unsere Zivilisation untergehen wird. Das müssen wir ändern.

Darum finde ich es so wichtig, dass es die Energieblogger gibt, die jeden Tag positive Geschichten über die Energiewende erzählen. Und darum habe ich mich so gefreut, dass sie mich in die Jury des Wettbewerbs Deine Geschichte zur Energiewende eingeladen haben. Wenn es eine Sache gibt auf der Welt, die wir dringend brauchen, dann sind es positive Geschichten über die Zukunft.

 

Mach mit!

Deshalb lade ich dich nun meinerseits herzlich ein, liebe Leserin, lieber Leser, dich an dem Wettbewerb mit einer eigenen Geschichte zu beteiligen. Schau in deinen Kalender und leg einen Tag fest, an dem du deine Geschichte schreiben willst. Stell dir vor, wie du anfängst zu schreiben, noch einmal drüber schläfst, letzte Korrekturen machst und die Geschichte dann abschickst. Vielleicht hast du ja sogar Glück und gewinnst einen Preis. Aber das ist natürlich nicht das Wichtigste an diesem Wettbewerb. Das Wichtigste ist, dass wir die Geschichte unserer Zukunft schreiben, bevor sie von einem Pessimisten geschrieben wird.

 

Hier kommt ihr zum Wettbewerb „Deine Geschichte zur Energiewende“

 

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Der Autor

Mathias Gößling (Gastautor)

Mathias wohnt in Münster und arbeitet als freier Texter mit den Schwerpunkten Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit.

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1 Kommentar

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    Kilian Rüfer

    23. Juli 2015 um 13:52

    Hi Mathias,

    wie ich lese haben wir gute Gründe Dich in der Jury zu haben! Nudging ist ein spannendes Thema. Storytelling ist deshalb so gut für die Energiewende, weil sie Spannungsgeladen ist. Wir Kreativen können unseren Beitrag zur Wende leisten und wenn wir nach Kant gehen, dann müssen wir dies auch tun. Es kann eben nicht immer nur die Nachfrage am Markt bestimmen was richtig ist. Nein: Wenn wir ganze Menschen sind, dann treffen wir selbst die Entscheidungen, welche Impulse wir dem Geschehen in der Welt und am Markt geben!

    Herzlichen Gruß

    Kilian

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